Kinder in Europa:
Deutsche Familienpolitik nur Mittelmaß
Dennoch wird Deutschland den europäischen Durchschnitt in der Betreuung von Kindern unter drei Jahren erst in fünf Jahren erreichen. Wie eine andere Familienpolitik aussehen kann, zeigt ein Blick auf die europäischen Nachbarn.
Hinter der schwedischen Familienpolitik steht das Leitbild, das Mann und Frau gleichgestellt sein sollen. Entsprechend fördert der Staat den Zwei-Verdiener-Haushalt. In Schweden sind rund 80 Prozent der Frauen berufstätig in Deutschland nur 65 Prozent. Für etwa 50 Prozent der Kinder unter drei Jahren gibt es Betreuungsplätze. Damit belegt Schweden eine Spitzenplatz in Europa.
Daneben gibt es schon seit Jahren das Elterngeld, welches in Deutschland erst Anfang 2007 eingeführt wurde. Der Staat bezahlt 13 Monate lang 80 Prozent des Bruttolohnes für denjenigen, der sich zu Hause um das Kind kümmert. Für die restlichen 20 Prozent kommt häufig der Betrieb auf. Wegen wachsender Kritik, der Staat fördere nur Eltern, die ihre Kinder abgeben und arbeiten gehen, hat die Regierung Anfang 2008 eine monatliche finanzielle Unterstützung eingeführt: Eltern, deren Kinder in den ersten Jahren zu Hause bleiben, erhalten monatlich 300 Euro.
Außerdem zahlt der Staat ein allgemeines Kindergeld bis zum 16. Lebensjahr des Kindes. Familien mit mehreren Kindern erhalten eine zusätzliche Unterstützung. Die familien- und kinderfreundliche Politik schlägt sich auch in der Geburtenrate von 1,66 Kinder je Frau nieder - in Deutschland liegt die Geburtenrate bei knapp 1,4 und in Frankreich bei 1,98.
Frankreich bietet zudem ein umfassendes Angebot an Betreuungseinrichtungen wie Kinderkrippen, kostenfreie Kindergärten und Ganztagsschulen. Für 41 Prozent der Kleinkinder gibt es inzwischen einen Krippenplatz. Darüber hinaus fördert die Regierung auch Tagesmütter: Sie sind im Unterschied zu Deutschland sozialversichert und erhalten einen Mindestlohn. Außerdem bietet Frankreich Vätern und Müttern ein weiteren umfangreichen Katalog finanzieller Hilfen wie Kindergeld, Familienzulagen, Geburtsbeihilfen, Schulbeginnhilfen und Alleinerziehendenhilfe.
In Italien haben es Familien dagegen schwerer als in Frankreich und Schweden. Entgegen dem Klischee vom kinderfreundlichen Italien gibt das Land von seinem Budget für Soziales nur 4,4 Prozent für seine Familien aus - das ist halb soviel wie im EU-Durchschnitt. So bekommen erst Familien mit drei und mehr Kindern Kindergeld; abhängig vom Jahreseinkommen der Familie.
In Italien hat nicht einmal die Hälfte der Mütter eine Arbeit, Väter stellen dagegen nur selten ihre Arbeit zurück, um sich der Kindererziehung zu widmen. Hinzu kommt das mangelnde Angebot an Betreuungsplätzen. Italien zählt im europäischen Vergleich zu den Schlusslichtern: Nur rund 30 Prozent der Gemeinden bieten überhaupt Krippenplätze. Und damit nicht genug: Viele Familien können sich Kinderbetreuung gar nicht leisten, da die Plätze kostenpflichtig sind und vom Staat nicht gefördert werden. Mit 1,33 Kindern pro Frau hat Italien deshalb wohl auch die niedrigste Geburtenrate Europas.
Staatliche Maßnahmen der Betreuung kleiner Kinder sind jedoch vorrangig auf einkommenschwache Haushalte ausgerichtet, während besserverdienende Eltern die für ihre Berufstätigkeit erforderliche Betreuung großenteils privat organisieren. So gibt es in Großbritannien relativ wenige öffentliche Betreuungseinrichtungen für Kinder unterhalb des Schulalters. Familien sind deshalb auf teure private Plätze angewiesen.
Seit 2003 besteht Anspruch auf eine 26-wöchige teilweise bezahlte Elternzeit und eine daran anschließende unbezahlte Elternzeit von nochmals 26 Wochen. Elterngeld existiert nicht, lediglich eine einmalige Mutterschaftshilfe bei Armut.
Für das Web ediert von Michaela Duhr

