Sieht gut für Obama aus - das Obama-Girl Amber Lee Ettinger
Foto: AP
Musik gehört zum US-Wahlkampf einfach dazu. Beide Parteien hatten stets einen teils sogar extra produzierten Wahlkampfsong. Doch in diesem Jahr findet die Musikschlacht auf YouTube statt. Jens Teschke hat rein geschaut und natürlich rein gehört.Mit Videos.
Dieser US-Vorwahlkampf ist ein YouTube-Wahlkampf. Auf dem Videoportal findet die wahre Wahlschlacht statt. Hier gibt es neben den offiziellen Spots und Reden der Kandidaten jede Menge Material zu sehen, dass Amateure und die jeweiligen Wahlkampf-Enthusiasten selbst produziert haben. Heißestes Thema derzeit: Wahlkampf-Songs.
Über und für Barack Obama wird gerne gesungen
Foto: AP
Ließen Demokraten und Republikaner in der Vergangenheit oft Songs extra produzieren oder kauften sich für viel Geld die Rechte an bereits existierenden Hits, stellen in diesem Jahr die Barack- und Clinton-Fans, aber auch die McCain-Anhänger selber Songs ins Netz. Die offiziellen Songs der Kandidaten dagegen nimmt kaum noch jemand wahr. Größter Gewinner bei den Songs-Produzenten auf YouTube ist Barack Obama, für den sogar ein neues Musik-Genre kreiert wurde: Barack'n'roll.
Sang zwar nicht aber tat so als ob - das Obama-Girl Amber Lee Ettinger
Foto: AP
Erfolgreichster Song und am profesionellsten aufgezogen sind die Songs des «Obama Girls». «I Got a Crush...On Obama» begründete im Juni 2007 die Welle des Barack'n' rolls und katapultierte zugleich die bis dahin unbekannte Schauspielerin Amber Lee Etttinger in die Promi-Schlagzeilen. Das Entertainment-Magazin «E!» kürte sie zur «Hottest Woman on the Internet». Ettinger gab für den Song jedoch nur ihr Äußeres, gesungen wird der Song tatsächlich von Leah Kauffman.
Der Obama-Girl-Song: «I Got A Crush ... On Obama»
Weitere Songs folgen
Der Song wurde bislang über acht Millionen Mal angeklickt, hat eine peppige R&B-Melodie, ist unterhaltsam und hat inzwischen mehrere Nachfolgesongs kreiert. Neueste Hit des Obama-Girls: «Hillary! Stop the attacks! Love, Obama Girl» Ein Aufruf an Hillary Clinton endlich die Vorwürfe auf Obama einzustellen.
Der neueste Obama-Girl-Song
Nicht unumstritten - zu sexy
Allerdings stieß das Obama Girl gerade zu Beginn des Wahlkampfs nicht unbedingt nur auf Begeisterung. Obama selbst beklagte sich, dass seine Töchter verärgert über den Song wären, und auch Michelle Obama, seine Ehefrau, reagierte reserviert auf die Popularität der schwarzen Schauspielerin, die Obama heftig anflirtet, sich zudem recht knapp bekleidet zeigt und doppeldeutige Refrains singt. «You're into border security/Let's break this border between you and me/Universal healthcare reform/It makes me warm.»
Mittlerweile über sieben Millionen Klicks erreichte der Obama-Unterstützersong des Rap-Stars Will.i.am, « Yes We Can». Zusammen mit erklärten prominenten Barack-Fans wie Scarlett Johansson, John Legend und Michael von «Lost» setzt er die inzwischen berühmte Wahlkampfrede Obamas im Januar in New Hampshire in Töne und Sprechgesang um. Getragen wird der Song von Obamas rythmischem Redetempo und der musikalischen Spartanität. Instrumentalisch kommt nur eine Gitarre zum Einsatz.
Hier der Song auf YouTube
Rapper für Obama
Äußerst kurios, wenn auch noch nicht zum Massenphänomen geworden wie das Obama Girl, ist der Song «We got the Mo» der drei Rockabelles. Die drei Kinder zwischen sechs und elf Jahren singen eine flotte Rock'nRoll-Nummer mit den nicht unbedingt politisch profunden Zeilen wie «Never mind the old piranha/Woolly mammoth or iguana/Obama, Obama/We got the mo, mama.».
Neben diesen drei promienten Beispielen tummeln sich zahlreiche Rapper mit Obama-Songs auf YouTube. 1984 gelang es dem Präsidentschaftskandidaten Jesse Jackson die Unterstützung zahlreicher schwarzer Musiker zu bekommen, 24 Jahre später sind MC Jin und Taz Arnold sowie Kanye West und Jay-Z prominente Obama-Unterstützer.
Die Antwort auf das Obama-Girl
Als Antwort auf den großen Erfolg des Obama Girls entstand das Video «Hott 4 Hill», eine Unterstützungsbotschaft, die nur bedingt Freude im Hillary-Lager aufkommen ließ. Zwar singt mit der ehemaligen «American Idol»-Kandidatin Taryn Southern eine relativ Prominente den Song, aber die etwas lesbische Konotation, dass die als sexy Leherin auftretende Southern sich in Hillary Clinton verliebt hat, könnte konservative Demokraten eher verschrecken als zur Wahl Hillarys bewegen.
Taryn Southern als Antwort auf das Obama-Girl
Celine Dion als offiziele Clinton-Sängerin
Sicherheitshalber machte Southern dann auch in einem CNN-Interview deutlich, dass sie keineswegs gleichgeschlechtliche Neigungen habe. Auch der Hillry-Kopf im Nationalheiligtum Mount Rushmore dürfte bei Jefferson-Fans eher ärgerliche Reaktionen hervorrufen. Schön und vielleicht eher kontraproduktiv dann auch Zeilen wie «Hillary I like your hair/The pant suits you wear/And the shape of your derriere.» Immerhin: Über 1,3 Millionen Zuschauer hatte der Song schon.
Das sind zehn Mal mehr als der offizielle Hillary-Clinton-Campaign Song von Celine Dion. Ihr «You and I» hat bis auf den Umstand, dass er von Dion gesungen wird, wenig Spektakuläres zu bieten.
Der offizielle Hillary Clinton Campaign Song von Celine Dion
Simple Reime
Der Song, der zuvor als Werbesong für Air Canada diente, bringt vorhersehbare Reime wie Sky-High-Fly und zeigt Clinton im unermüdlichen, aber eben optisch auch ermüdenden Wahlkampfeinsatz irgendwo zwischen Iowa, New Hampshire und North Carolina – aber niemals in einem Flugzeug geschweige denn überhaupt in der Luft, um dem Refrain treu zu werden. «You and I were meant to fly/Higher than the clouds we'll sail across the sky.»
Recht unprätentiös präsentieren «The Clintons» ihren «Funny Love Song for Hillary Clinton». Die Band aus Montana singt mit den üblichen Betroffenheitsgesichtern im Schnee Zeilen wie «Your last name and our band name just happen to be the same/So I bet we hear the same jokes every day.» Die knapp 19.000 Zuschauer des Videos dürften nicht wesentlich mehr werden und Clinton auch keinen nennenswerten Stimmenzuwachs mehr bescheren.
Insgesamt finden sich auf YouTube zudem mehr skurrile und kaum ernst gemeinte Vorschläge, mit welchen Songs Hillary Clinton kandidieren sollte als für ihren Kontrahenten Obama.
Spot mit nicht ernst gemeinten Wahlsong-Vorschlägen für Hillary Clinton
Auch McCain-Fans singen für ihren Kandidaten
Republikaner-Kandidat John McCain erfährt obskure musikalische Unterstützung von den McCain Girls, einer an die Weather Girls angelehnten Formation, die das Lob auf McCain singt und dabei ein bisschen an ein schlechtes Karaoke-Trio erinnert. Auch der Umstand, dass John McCain tausendfach vom Himmel fällt hat einen Unterhaltungswert, der im bibelfesten Amerika manchen eher an eine der sieben Plagen erinnern dürfte. Immerhin knapp zwei Millionen User lauschten dem Schmachten «I'm gonna go out and let myself get absolutely John McCain.»
Die McCain Girls singen
Nicht jeder Song beschert Wählerstimmen
Musik ist in den USA ein unersetzliches Marketingtool und hat bislang jeden Wahlkamf geprägt. Bill Clintons 1992-Kampagne wurde vor allem auch durch 1992 Fleetwood Mac's «Don't Stop» geprägt. 2008 ist der Musik-Wahlkampf fast gänzlich zu YouTube gewandert und generiert dabei eben jene bisweilen bizarre Web 2.0 Blüten, die den jeweiligen Lagern zwar die Kosten für eigene Songs sparen, aber eben auch nicht immer ganz produktiv im Sinne von zahlreichen Wählerstimmen sind.