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Erdbeben und Olympia: 

China-Katastrophe als Stimmungsmacher

24. Mai 2008 12:45
Der Fokus liegt nicht mehr auf der Fackel, obwohl der Lauf in Shanghau weitergeht
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Vor einigen Wochen noch gingen Bilder von wütenden Tibet-Aktivisten um die Welt. Die Führung in Peking wirkte vollkommen hilflos. Seitdem in Sichuan die Erde bebte, hat sich das grundlegend geändert.

Das schwere Erdbeben in China hat die Proteste vor den Olympischen Spielen in Peking völlig verdrängt. Noch von einigen Wochen sah der Präsident des Internationale Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, die Spiele in der Krise. Für Negativschlagzeilen sorgten die Proteste gegen die Tibet-Politik der kommunistischen Regierung, Sorgen angesichts der Luftverschmutzung in Peking und Boykott-Forderungen wegen der chinesischen Unterstützung für den Sudan. Mit dem Erdbeben vom 12. Mai rückten diese Konflikte in den Hintergrund. «Es tut mir Leid, dass zu sagen, aber das hat alles verändert», sagte der IOC-Marketingdirektor Gerhard Heiberg.

Die Tragödie in der Provinz Sichuan schaffte, was der Propagandamaschine der chinesischen Regierung in monatelanger Arbeit nicht gelungen sei: Den Olympischen Spielen schlägt eine Welle der Sympathie entgegen. Natürlich bleiben noch elf Wochen bis zum Beginn der Spiele am 8. August und ein weiteres unerwartetes Ereignis könnte die Stimmung erneut kippen lassen.

Bilderschau:
Die politischen Konflikte sind nicht gelöst und einige Athleten wollen noch immer die Spiele nutzen, um Stellung zu beziehen zu Darfur und Tibet. «Das Erdbeben hat die Berichterstattung über die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele an den Rand gedrängt, zumindest teilweise», sagte ein Forscher der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Phelim Kine. «Aber die Berichterstattung und der Fokus werden in den kommenden Tagen und Wochen schnell zurückkehren.» Die Medien würden ihre Arbeit in Sichuan bald abschließen und dann gebe es auch wieder Platz für andere Geschichten.

Offener Umgang der Behörden

Nichtsregierungsorganisationen räumen ein, dass die chinesischen Behörden mit dem Erdbeben und seinen Folgen ungewöhnlich offen umgehen. Die staatlichen Medien bestimmten auf diese Weise die Agenda und gewannen weltweit das Mitleid mit den Opfern der Katastrophe, die bisher mehr als 60.000 Menschen das Leben kostete. Die Regierung, die sonst für ihre Verschwiegenheit bekannt ist, ließ eine freiere Berichterstattung über das Erdbeben zu.

Das staatliche Fernsehen berichtete rund um die Uhr von der Lage im Katastrophengebiet, konzentrierte sich dabei allerdings auf die schnelle Reaktion der Behörden, heroische Rettungsaktionen und die Trauer der Menschen. «Vielleicht hatte die chinesische Regierung keine Zeit, darüber nachzudenken, aber sie wird vielleicht später bemerken, dass im Vergleich zu den staatliche kontrollierten Medien die Worte der einfachen Menschen überzeugender und einflussreicher sind», sagte der Dozent Luo Qing von der Universität für Kommunikation in Peking.

Erdbeben in der Eröffnungsfeier

IOC-Vertreter kamen in dieser Woche in Peking zusammen, um über mögliche Verweise auf das Erdbeben in der Eröffnungszeremonie zu beraten. Eine ähnliche Gedenkfeier gab es schon 2002 in Salt Lake City, wo eine Fahne vom zerstörten World Trade Center präsentiert wurde. «Das Protokoll für eine IOC-Zeremonie ist sehr streng und formell und das muss es sein», sagte IOC-Mitglied Kevan Gosper. Er glaube jedoch, dass der IOC-Präsident in dieser Frage offen sei und auf die Vorschläge der Pekinger Organisatoren eingehen werde.

Nach dem Ende der dreitägigen Staatstrauer wurde der olympische Fackellauf am Donnerstag wiederaufgenommen. Der Zeitplan wurde jedoch verändert: Statt wie ursprünglich geplant Mitte Juni soll die Fackel nun vom 3. bis zum 5. August durch Sichuan getragen werden, also wenige Tage vor der Eröffnungszeremonie. In Zeitungskommentaren und Internet-Blogs wurde vorgeschlagen, ein Überlebender der Katastrophe könne das Olympische Feuer in Peking entzünden. (Stephen Wade, AP)

 
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