Schmutzkampagnen in den US-Vorwahlen: Obamas Anhänger sind wie verliebte Frauen20. Mai 2008 15:35  |  An ihm perlt alles Negative ab: Barack Obama | Foto: AP |
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Wahlkampfexperte Jason Stanford schnüffelt in der Vergangenheit des Gegners und zerrt «Verfehlungen» ans Licht, um dessen Glaubwürdigkeit zu erschüttern. Aber «Negative Campaigning» stößt auch an Grenzen, wie Michaela Duhr berichtet.
Im Duell um die Präsidentschaftskandidatur greift Hillary Clinton immer wieder zu einer - zumindest in den USA - altbewährten Wahlkampfmethode: Negative Campaigning. Bislang jedoch vergebens. «An Barack Obama bleibt kein Schmutz haften, weil die Wähler ihn mögen», sagt US-Wahlkampfexperte Jason Stanford. Egal, wie viel Dreck nach ihm geworfen werde: Negative Informationen würden von den Wählern ignoriert. «Das ist wie bei einer verliebten Frau», schmunzelt Stanford bei seinem Vortrag über Negative Campaigning in der Berliner Konrad-Adenauer-Stiftung. «Sie verzeiht dem Geliebten einfach alles.»
Der Vorsitzende der in Texas ansässigen Beratungsgesellschaft Stanford Campaigns muss es wissen, denn sein Unternehmen berät nicht nur bei Wahlkämpfen, sondern betreibt auch «Opposition Research». Stanford Campaigns forscht nach Unterlagen, Dokumenten oder Fotos, die den gegnerischen Kandidaten kompromittieren könnten. Medien-, Gerichts-, Regierungs- und Versicherungsarchive werden durchwühlt, um wahlkampftechnisch verwertbare «Verfehlungen» des Gegners zu finden und öffentlich zu machen.
Drei «magische» Faktoren
 |  Hillary Clinton | Foto: AP |
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«Der einzige Weg, bei einer Anklage wegen Mordes einen Freispruch zu erreichen, ist es, das Gericht davon zu überzeugen, dass der Hundesohn nichts anderes als den Tod verdient hatte», zitiert Stanford denn auch den Strafverteidiger Roy Minton zu Beginn seines Vortrages. Ziel sei es, den Gegner schrittweise unglaubwürdig zu machen und den eigenen Kandidaten aufzuwerten.
Allerdings warnt Stanford davor, Ex-Freundinnen des Gegners nach peinlichen Details auszuquetschen oder mit alten Kollegen zu plaudern. «Es geht um harte Fakten, die eindeutig nachweisbar sein müssen.» Wichtig seien hierbei vor allem die drei «magischen» Faktoren Genauigkeit, Tonfall und Relevanz, betont Stanford. «Wenn es in einem Wahlkampf um Abtreibung und Steuererhöhungen geht, dann interessiert sich niemand dafür, ob ein Kandidat vor vielen Jahren einen Strafzettel nicht bezahlt hat.»Scharfe und gemeine Angriffe halten nach Ansicht des Experten die Menschen vom Wählen ab. Von derartigen Attacken rät auch Michael Franz vom Bowdoin College in seinem Vortrag über die Wirkung politischer Werbung ab. Als Beispiel nennt er den umstrittenen Werbespot «3-Uhr-Morgens» von Hillary Clinton. In dem TV-Spot stellt sie nicht nur Obamas Fähigkeiten in Frage, sondern sie schürt auch die Angst vor einem angeblich unfähigen Kandidaten.
Sich selbst kennen
Statt derartiger Angriffe, sollten «konstruktive Kontraste» herausgearbeitet werden, meint Stanford. Denn das wiederum sorge für eine höhere Wahlbeteiligung. Negative Campaigning – eine Methode, die vor allem auf Emotionen setzt - ziele auf die Unentschlossenen: Denn sie «lassen negative, emotionale Informationen in ihre Wahlentscheidung einfließen».Doch Opposition Research bedeutet nicht nur, die Vergangenheit des Anderen zu durchwühlen, sondern auch die des eigenen Kandidaten. «Kenne deinen Feind, kenne dich selbst und dein Sieg ist dir sicher», bemüht Stanford den chinesischen General und Militärstrategen Sun Tzu, der vor etwa 2500 Jahren mit dem Buch «Die Kunst des Krieges» eines der bedeutendsten Werke zur Kriegsführung verfasst hat. Und schließlich geht es um Krieg – zumindest für Stanford: «Politik ist Krieg, ein Kampf um Macht, Geld und Ressourcen ohne Blutvergießen.»
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