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Protest wegen Müll-Notstand: 

Neapolitaner werfen Steine gegen Feuerwehr

18. Mai 2008 16:43
Auch die Polizei von Neapel wappnet sich gegen den Gestank
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Langsam kommt der Sommer nach Neapel, die Temperaturen steigen und weiterhin liegen tausende Tonnen Müll auf den Straßen. Manche legen Feuer, um den Gestank zu bekämpfen, andere errichten Staßensperren.

Straßenblockaden, angezündete Müllberge und Steinhagel gegen anrückende Feuerwehr: In der süditalienischen Metropole Neapel machen aufgebrachte Bürger zunehmend ihrem Unmut über das sich wieder verschärfende Müllchaos Luft. Im Osten der kampanischen Hauptstadt wurden in der Nacht zum Sonntag erneut Feuerwehrleute angegriffen, die angesteckte Müllberge löschen wollten, berichtete die römische Tageszeitung «La Repubblica». Die Straßenblockaden hätten den Verkehr vielerorten zum Erliegen gebracht.

Trotz monatelanger Notstandsmaßnahmen mit Mülltransporten vor allem auch nach Deutschland haben die Behörden das Problem wegen fehlender Deponien und bürokratischer Hürden nicht bewältigt. Der neue italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi will die Abfallkrise vorrangig angehen. Sein Kabinett tagt an diesem Mittwoch in Neapel. Die Bürgerproteste richten sich dort auch gegen den Plan der Kommune, eine weitere Mülldeponie am Stadtrand einzurichten.

100 brennende Müllberge

Die steigenden Temperaturen machen das Problem der stinkenden Müllberge noch übler. In den Straßen der Millionenstadt türmen sich bis zu 5000 Tonnen Müll. In der schlimmsten Zeit der Abfallkrise im Januar waren es mehr als 7000 Tonnen. Neapolitaner berichteten, in manchen Straßen seien die Müllberge jetzt Hunderte von Metern lang.

In der Nacht zum Samstag hatte die überforderte neapolitanische Feuerwehr mehr als 100 brennende Müllberge löschen müssen, die von erbosten Bürgern angesteckt worden waren. Die Feuerwehr kann wegen der steigenden Zahl von Brandstiftungen nicht überall sein. In der Nacht zum Sonntag zählten die Feuerwehrleute insgesamt 84 Einsätze.

Von der EU verklagt

Im Stadtrandviertel Barra flogen - in Anwesenheit eines TV-Teams - Steine gegen die Feuerwehr. «Sie attackieren auch uns wegen der Müllberge in den Straßen», sagte ein Feuerwehrmann, «das war nicht das erste Mal, dass sie versucht haben, uns anzugreifen, und ich befürchte, dass es auch nicht das letzte Mal gewesen sein dürfte.»

Vor kurzem hatte die EU-Kommission die Regierung wegen der «dramatischen Abfallkrise» verklagt, so dass Italien eine Strafe in Millionenhöhe drohen könnte. Der Müll war erstmals im Frühjahr 2007 wochenlang liegen geblieben. Seit Weihnachten 2007 wiederholte sich der Skandal. Nach Ansicht der EU-Kommission hatte sich die Lage nach Einsetzung eines «Kommissars zur Behebung des Müllnotstands» zwar etwas entspannt, aber die Maßnahmen reichten nicht aus. (dpa)

 
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