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Missglückter KSK-Einsatz in Afghanistan: 

Taliban entwischt deutschen Soldaten

18. Mai 2008 12:26
Schießen dürfen die KSK-Soldaten in Afghanistan nur im Ausnahmefall
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Wären es amerikanische Soldaten gewesen, die in Afghanistan den Taliban-Führer aufspürten, dann würde dieser wahrscheinlich nicht mehr leben. Wegen der Befehlslage der Bundeswehr konnte der Extremist entkommen.

Eine Eliteeinheit der Bundeswehr hat nach «Spiegel»-Informationen im Norden Afghanistans die Festnahme eines Taliban-Führers verpasst. Der Extremist sei nach wochenlanger Beobachtung bei einem nächtlichen Zugriff deutscher und afghanischer Soldaten entkommen, berichtete das Nachrichtenmagazin.

Der Mann hätte getötet werden können. Aber die Bundeswehreinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) sei dazu nicht ermächtigt gewesen. Das Verteidigungsministerium in Berlin wollte zu dem Bericht keine Stellung nehmen. Über Einzelheiten zu den Einsätzen von Spezialkräften in Afghanistan werde das Parlament unterrichtet, sagte ein Sprecher am Wochenende.

Der «Spiegel» meldete weiter, die verpatzte Aktion Ende März erhöhe möglicherweise das Risiko für die in Nordafghanistan stationierten Deutschen. Der Extremist sei nun gewarnt «und wohl auf Rache bedacht». Der Mann sei mit seinem Netzwerk weiter aktiv.

Deutsche Soldaten «der wichtigste Feind»

Das Blatt zitierte einen Taliban-Kommandeur in Kundus, Maulawi Baschir Hakkani: «Die Deutschen sind der wichtigste Feind im Norden. Sollten sie ihre Lager verlassen, werden auf jeder Straße Sprengfallen und Bomben auf die Deutschen warten. Sie werden noch viele Särge mit Leichen auf ihre Schultern laden, wenn sie nicht zu der realistischen Einschätzung kommen, dass ihre Streitkräfte aus unserem Land abziehen müssen.»

Der der KSK entkommene Kommandeur steckte laut «Spiegel» hinter dem bislang verheerendsten Anschlag in Afghanistan, bei dem im November 2007 in einer Zuckerfabrik in der Provinz Baghlan mehr als 70 Menschen getötet wurden. Er habe beste Verbindungen zu Terrorkreisen in Pakistan.

Geheimes Weisungspapier der Bundesregierung

Im Isaf-Hauptquartier habe das Vorgehen der deutschen Spezialeinheit den Streit über die richtige Strategie bei der Terroristenbekämpfung weiter geschürt. Während Briten und Amerikaner gezielte Tötungen grundsätzlich befürworten und dies auch im konkreten Fall für angebracht gehalten hätten, lehnten die Deutschen tödliche Gewalt gegen Terrorverdächtige ab, «solange nicht ein Angriff stattfindet oder unmittelbar bevorsteht», zitierte das Nachrichtenmagazin aus einem geheimen Weisungspapier der Bundesregierung, das bei der Nato hinterlegt sei.

Ein Flüchtender wie der Bomber von Baghlan sei kein Angreifer und dürfe deshalb nicht ohne Not erschossen werden, sagte ein hoher Beamter des Verteidigungsministeriums nach Angaben des «Spiegels». (AP)

 
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