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Ein Jahr Sarkozy: 

Rebellion in der Grande Nation

16. Mai 2008 15:45
Ein Jahr im Amt: Nicolas Sarkozy
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Vor einem Jahr zog er unter den Protesten junger Franzosen in den Elysée-Palast. Ein Jahr danach rebellieren Sarkozys Staatsdiener. In der Zwischenzeit verspielte Frankreichs Staatschef alle Sympathien. Mit Video

Eine kränkelnde Wirtschaft, verlorene Kommunalwahlen, ausufernde Sozialausgaben, Druck aus Brüssel und ein Volk, das ihn nicht liebt. Ein Jahr nach seinem Amtsantritt hat der französische Präsident Nicolas Sarkozy keinen Grund zum Feiern. Am Donnerstag legten rund 730.000 Staatsdiener aus Protest gegen Sarkozys jüngste Reformpläne die Arbeit nieder: Er will Zehntausende Stellen im Öffentlichen Dienst streichen, um den defizitären Haushalt endlich in den Griff zu bekommen.

Vor einem Jahr zog Sarkozy mit Pomp und Glamour in den Elysée-Palast. Seine Popularitätswerte erreichten ungeahnte Höhen. Inzwischen hat er alle Sympathien verspielt: Der 53-Jährige ist nach seinem ersten Jahr unbeliebter als jemals ein anderer französischer Präsident vor ihm. Mehr als 70 Prozent der Bürger sind mit seiner Regierungsbilanz unzufrieden. Die Franzosen haderten zwar auch mit Sarkozys Vorgänger Jacques Chirac – allerdings erst nach zwölf Jahren im Amt. Doch trotz des rasanten Ansehensverlusts lobt sich Sarkozy überschwänglich: «Regieren ist letztlich leichter, als ich dachte», sagte er jüngst dem Magazin «Le Point».

Bitte nicht unfair sein!

Wenige Tage später gab er sich allerdings bei einer medienwirksam inszenierten fast zweistündigen Fernsehdebatte im Elsysée-Palast selbstkritischer: Er habe Fehler gemacht, räumte er ein. Schließlich war er mit dem Versprechen angetreten, die Kaufkraft seiner Landsleute zu mehren – was er bislang nicht erfüllen konnte. Doch nur ihm die Schuld für die schlechte Stimmung zu geben, sei ungerecht, meint Sarkozy. Stattdessen verwies er auf den hohen Ölpreis, die Börsenkrise und den schwachen Dollar. Immerhin sei die Arbeitslosigkeit so gering wie seit 25 Jahren nicht mehr. Zudem habe seine Regierung 55 Reformen angestoßen - mehr als Ex-Präsident Chirac in seiner ganzen Amtszeit.

Außenpolitisch hat Sarkozy nach Ansicht der Franzosen etwas überzeugender agiert als innenpolitisch. Die Mehrheit der Franzosen begrüßt die besseren Beziehungen zu den Amerikanern. Auch die Wiederbelebung der EU durch den Reformvertrag von Lissabon wird dem Präsidenten angerechnet.

Dagegen handelte er sich auf dem internationalen Parkett so manch scharfe Kritik ein: So wurde nicht nur der Besuch des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi im Elysée-Palast, sondern auch sein Lob für die Fortschritte Tunesiens bei den Menschenrechten mit Argwohn bedacht. Auch sein Atom-Deal mit Libyen im Zusammenhang mit der Freilassung der bulgarischen Krankenschwestern sorgte international für Aufregung.

Ist Carla wichtiger als die Nation?

Allerdings sind weniger seine politischen Entscheidungen ausschlaggebend für den Unmut unter den Franzosen. Sie nehmen ihm vor allem sein allzu öffentlich vorgeführtes Privatleben übel. Kurz nach seiner Trennung von seiner Ehefrau Cécilia tauchte der Staatschef schon mit seiner neuen Partnerin in der Boulevardpresse auf: Ein exzentrischer Präsident mit glitzernder Rolex am Handgelenk, turtelnd mit dem noch exzentrischeren Ex-Model Carla Bruni auf einer Milliardärsyacht. Das brachte ihm auch prompt den Spitznamen «le président bling-bling» ein. Da das unverheiratete Paar bei Staatsbesuchen – vor allem in der arabischen Welt - Irritationen auslöste, machte Sarkozy Bruni in einer Blitzhochzeit zu seiner dritten Ehefrau. Sarkozy kümmere sich mehr um Brunis Wohl als um das Wohl der Nation, so der Vorwurf seiner Landsleute. Jetzt muss er ihnen das Gegenteil beweisen.




 
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