16. Mai 2008 15:45
Vor einem Jahr zog er unter den Protesten junger Franzosen in den Elysée-Palast. Ein Jahr danach rebellieren Sarkozys Staatsdiener. In der Zwischenzeit verspielte Frankreichs Staatschef alle Sympathien.
Wenige Tage später gab er sich allerdings bei einer medienwirksam inszenierten fast zweistündigen Fernsehdebatte im Elsysée-Palast selbstkritischer: Er habe Fehler gemacht, räumte er ein. Schließlich war er mit dem Versprechen angetreten, die Kaufkraft seiner Landsleute zu mehren – was er bislang nicht erfüllen konnte. Doch nur ihm die Schuld für die schlechte Stimmung zu geben, sei ungerecht, meint Sarkozy. Stattdessen verwies er auf den hohen Ölpreis, die Börsenkrise und den schwachen Dollar. Immerhin sei die Arbeitslosigkeit so gering wie seit 25 Jahren nicht mehr. Zudem habe seine Regierung 55 Reformen angestoßen - mehr als Ex-Präsident Chirac in seiner ganzen Amtszeit.Außenpolitisch hat Sarkozy nach Ansicht der Franzosen etwas überzeugender agiert als innenpolitisch. Die Mehrheit der Franzosen begrüßt die besseren Beziehungen zu den Amerikanern. Auch die Wiederbelebung der EU durch den Reformvertrag von Lissabon wird dem Präsidenten angerechnet.
Dagegen handelte er sich auf dem internationalen Parkett so manch scharfe Kritik ein: So wurde nicht nur der Besuch des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi im Elysée-Palast, sondern auch sein Lob für die Fortschritte Tunesiens bei den Menschenrechten mit Argwohn bedacht. Auch sein Atom-Deal mit Libyen im Zusammenhang mit der Freilassung der bulgarischen Krankenschwestern sorgte international für Aufregung.