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Rotes Kreuz in Birma: 

Freiwillige helfen in der Not

16. Mai 2008 11:29
Rot-Kreuz-Helfer verteilen Wasser
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Lokale Helfer müssen die Wasseraufbereitungsanlage aufstellen, weil das Expertenteam auf Visa warten muss. Eine Erkundungsgruppe ist an die Hauptstadt gebunden. Caroline Benzel beschreibt Schwierigkeiten und Erfolge des Internationalen Roten Kreuzes.

Es sind die Freiwilligen, die trotz aller Einschränkungen durch die Militärjunta in Birma dafür sorgen, dass die Hilfe die Opfer der Zyklons erreicht. Für das Myanmarische Rote Kreuz sind derzeit mehr als 10.000 solche Helfer im Einsatz. Sie bringen Wasser, Moskitonetze, Plastikplanen und Kleidung zu den Betroffenen, nachdem der Sturm über das Land hinweggerast war.

Das Rote Kreuz kann aufgrund seiner Organisationsstruktur auf Tausende Freiwillige zurückgreifen. Bernd Schell vom Deutschen Roten Kreuz ist seit mehreren Tagen als Mitglied eines internationalen Erkundungsteams in Rangun, das ein Lagebild erstellen soll. «Was mich besonders berührt, sind die vielen freiwilligen Rotkreuzhelfer, die im Einsatz sind, obwohl sie selbst von der Katastrophe betroffen sind», sagt Schell. «Manche Freiwillige im Katastrophengebiet leisten den ganzen Tag Erste Hilfe und haben selbst kein Dach mehr über dem Kopf.» Die Folgen des Zyklons sind für die Bevölkerung verheerend. Das Internationale Rote Kreuz schätzt die Zahl der Betroffenen auf 1,6 bis 2,5 Millionen. Die Organisation rechnet mit bis zu 127.000 Toten.

Die Katastrophe In Birma wurde schnell mit dem Tsunami von 2004 verglichen. Doch das trifft nur zum Teil zu. Nach dem verheerenden Seebeben waren in der betroffenen Region Südostasiens 230.000 Menschen ums Leben gekommen. Doch die Naturgewalt attackierte die Länder auf höchst unterschiedliche Weise: Beim Tsunami waren nur Küstenstreifen totale zerstört. Die Überlebenden konnten ins Inland fliehen, um Schutz zu suchen und sauberes Trinkwasser zu bekommen.

Die Menschen in Birma können das nicht. Der Sturm fegte mit zerstörerischer Kraft tief ins Land hinein. Die Weigerung der Militärjunta, ausländische Helfer frei einreisen zu lassen, behindert professionelle Katastrophenhilfe in ihrem normalen Ablauf. Hilfe findet aber trotzdem statt. Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen, die Welthungerhilfe und Care arbeiten seit Jahren in Birma und können auf ein Netz lokaler Mitarbeiter bauen.

Ralph Dickerhof, Mitarbeiter der Welthungerhilfe, im O-Ton zur Lage im Land:

Wie die Hilfe zu den Betroffenen kommt:

Am Donnerstag schickt das Deutsche Rote Kreuz sechs Trinkwasseraufbereitungsanlagen nach Rangun. Das Expertenteam, das normalerweise solche Anlagen begleitet und in Betrieb nimmt, wartet bislang auf die erforderlichen Einreisevisa. «Wir arbeiten natürlich weiter daran und hoffen, doch noch Experten ins Land zu bekommen», sagt Karina Lehmann vom Deutschen Roten Kreuz in Bangkok der Netzeitung. Die Organisatoren des Einsatzes haben vorgesorgt, falls dies nicht gelingen sollte: «Natürlich liegt eine Bedienungsanleitung bei, aber eine solche Anlage ohne genaue Fachkenntnisse in Betrieb zu nehmen ist so, wie wenn ich ein Auto zusammensetze wollte.»

Derzeit sind 17 Mitarbeiter des Internationalen Roten Kreuzes in Birma - unter ihnen auch Wasserexperten. Diese bilden wiederum Kräfte des Myanmarischen Roten Kreuzes aus, die sich dann mit den Aufbereitungs-Anlagen in das Katastrophengebiet aufmachen.

Die einzige Ausländerin, die bislang offiziell in das am meisten betroffene Irrawaddy reisen durfte, ist Bridget Gardener, die das Büro der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) in Rangun leitet. Unter normalen Umständen wäre ein ganzes Erkundungsteam der Föderation in die hart getroffene Region gereist, um die Lage besser einschätzen zu können. Da das Team, und damit auch DRK-Mitarbeiter Schell die Stadt Rangun nicht verlassen durfte, musste sich die Gruppe auf lokale Freiwillige verlassen. Die warteten die Ankunft der Hilfsflüge ab und organisierten die Verteilung der Hilfsgüter.

Überlebende
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Warum darf ausgerechnet eine Rotkreuz-Mitarbeiterin in das Gebiet um Irrawaddy? Das Internationale Rote Kreuz unterstützt seit 15 Jahren die lokale Rotkreuz-Gesellschaft. Wie überall in den 186 Ländern, in denen es Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften gibt, nimmt das Rote Kreuz auch in Birma hoheitliche Aufgaben wahr: Es sorgt für den nationalen Katastrophenschutz- und die Katastrophenvorsorge. Damit akzeptiert die Militärregierung zumindest das Myanmarische Rote Kreuz als nationale Hilfsgesellschaft.

Direkt nach dem Zyklon hat die nationale Organisation in der Zentrale des IFRC in Genf offiziell um internationale Hilfe gebeten. Die Föderation wird immer dann aktiv, wenn eine Naturkatastrophe die Kapazitäten einer nationalen Hilfsgesellschaft übersteigt und diese um Unterstützung bittet. Die Föderation richtet dann einen Hilfsappell an alle Schwestergesellschaften, die dann mit Geldleistungen oder wie im Fall des Deutschen Roten Kreuzes – mit dem Versand von Hilfsgütern, Wasseraufbereitungsanlagen, mobilen Kliniken und Personal reagieren.

Wie schwierig das Arbeiten in Birma selbst für das Rote Kreuz ist, zeigt die ungewöhnlich deutliche Weise, auf die das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) die Militärjunta 2007 kritisierte. In dieser Zeit begehrten die birmanischen Mönche gegen die Militärdiktatur auf. Pierre Krähenbühl, der den Einsatz damals leitete, sagte in einem Interview, dass das IKRK des Landes wiederholt auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam wurde. Nach den Aufständen konnte es aber keinen Kontakt zu politischen Gefangenen aufnehmen.

Eine derartige offene Kritik ist äußerst ungewöhnlich. Schon Gründer Henri Dunant legte Wert darauf, dass das Rote Kreuz eine absolut neutrale Organisation ist, die für keine Seite Stellung bezieht. Denn nur so kann es in Konflikten immer allen Betroffenen helfen.

Caroline Benzel ist Freie Journalistin in Berlin. Sie war seit 2007 mehrmals für das Deutschen Rote Kreuz tätig.

 
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