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Rama Yade: 

Sarkozys widerspenstige Aktivistin

16. Mai 2008 11:16
Unverblümt und offen: die französische Staatssekretärin Rama Yade
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Sie nennt Bedingungen für die Teilnahme des Staatschefs an der olympischen Eröffnungsfeier, sie übt bissige Kritik am Gaddafi-Besuch. Staatssekretärin Yade macht Sarko das Leben schwer. Michaela Duhr stellt sie vor. Mit Video

Wunder geschehen. Etwa jenes, dass Rama Yade noch im Amt ist. Obwohl sie ihren Chef, den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, immer wieder mit ihrer aufmüpfigen Art in die Bredouille gebracht hat.

Erst jüngst formulierte die junge Staatssekretärin für Menschenrechte Bedingungen für die Teilnahme Sarkozys an der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking. Sarkozy, ohnehin beunruhigt wegen vermehrter Boykottaufrufe gegen französische Unternehmen nach den Protesten beim Fackellauf in Paris, sah sich zu einer diplomatischen Offensive gezwungen, um Peking zu besänftigen.

Die Öffentlichkeit hat die erste schwarze Frau im Elysée-Palast mit ihrer direkten und unverblümten Sprache nach einem Jahr im Amt bereits auf ihrer Seite. Dass sie dem ungeliebten Präsidenten immer wieder die Stirn bietet, kommt bei den Franzosen gut an: So erhielt die gebürtige Senegalesin viel Beifall für ihre beißende Kritik an dem umstrittenen Besuch von Muammar al-Gaddafi: «Frankreich ist kein Fußabtreter, auf dem ein Staatsführer, ob Terrorist oder nicht, sich die Füße von seinen blutigen Verbrechen abwischen kann», brüskierte sie ihren Präsidenten, der dem libyschen Diktator einen ehrenvollen Empfang in Paris bereitet hatte.

Kleines Protokoll für Rama Yade

Rama Yade mit Staatschef Nicolas Sarkozy
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So manch einer sah bereits das Ende ihrer politischen Karriere, doch Yade kam glimpflich davon. Sarkozy beorderte sie lediglich zu sich, erteilte ihr einen Verweis und ließ sie im Amt. Tief in seinem Innern liebe er sie, zitierte eine französische Zeitung einen engen Weggefährten Sarkozys. Yade selbst sieht in dem 53-Jährigen einen «Vater» und «Mentor, von dem sie noch viel lernen kann».

Trotz aller Nachsicht - inzwischen hält Sarkozy seine Staatssekretärin an der kurzen Leine: Rama Yade durfte ihn zwar bei seinem Staatsbesuch in Tunesien begleiten, die von ihr geplanten Treffen mit der tunesischen Frauenrechtlerin Khadija Cherif und der Menschenrechtsorganisation «Tunesian League for Human Rights» musste sie allerdings auf Druck Sarkozys kurzerhand absagen. Stattdessen lobte der Präsident die Fortschritte bei den Menschenrechten in Tunesien und unterzeichnete Milliardenverträge mit dem autoritär regierenden Staatschef Zine El Abidine Ben Ali, worauf ihm Menschenrechtler eine «skandalöse Heuchelei» vorwarfen.

In der französischen Öffentlichkeit wird über das Schweigen von Rama Yade in Tunesien nun heftig diskutiert, so dass sie sich kürzlich kleinlaut rechtfertigte: Man könne nicht in ein solches Land reisen und einfach losbrüllen. Dann würde sich das Regime sperren und man würde gar nichts mehr erreichen.

Frankreichs Condoleezza Rice

Rama Yade, die von Sarkozy auch als «seine Condoleezza Rice» bezeichnet wird, wurde als Tochter eines ehemaligen ranghohen Beraters des senegalesischen Präsidenten Léopold Sédar Senghor und einer Professorin in Dakar geboren. Im Alter von acht Jahren kam sie mit ihrer Familie nach Frankreich. Ihr Vater kehrte später zurück in den Senegal, ihre Mutter blieb mit den vier Töchtern allein in Frankreich, was Yade ihrem Vater nie verziehen hat. Bei ihrem Besuch in Senegal an der Seite Sarkozys im vergangenen Sommer soll sie beim Botschaftsempfang geflüchtet sein, weil sie ihrem Vater nicht begegnen wollte.

Rama Yade studierte nach dem Abitur Politik an der renommierten «Science Po» in Paris und schaffte 2002 schließlich die Aufnahmeprüfung in die Senatsverwaltung, wo sie bis zu ihrem Wechsel ins Außenministerium am Pariser Quai d’Orsay arbeitete. Ihre politische Karriere begann 2005 mit ihrem Eintritt in die konservative Partei UMP. Im selben Jahr heiratete sie den Sozialisten und Diplomaten Joseph Zimet.

Rama Yade will nicht nur Symbol sein

Der damalige UMP-Vorsitzende Sarkozy wurde auf die junge Frau aufmerksam, als sie sich über seinen gehässigen Ton über die Jugendlichen in den Vorstädten beschwert hatte. Nach den schweren Krawallen in den Pariser Vororten vor drei Jahren hatte Sarkozy gedroht, die Banlieues, in denen das «Gesindel» lebt mit «Hochdruckreinigern» zu säubern.

Rama Yade gehört neben Justizministerin Rachida Dati und der Staatssekretärin für Umweltschutz, Nathalie Kosciusko-Morizet, zu den elf Frauen, mit denen Sarkozy vor einem Jahr antrat. Die «Sarkozetten», wie sie in den französischen Medien genannt werden, wagen auch Kritik an dem dominaten und omnipräsenten Präsidenten.

Sarkozy holte die Muslimin Rama Yade auch als Signal an die schwarzafrikanische Bevölkerung in seine Regierung. Doch sie will nicht nur ein Symbol sein: «Ich will nicht nur die Schwarzen und die Minderheiten repräsentieren, sondern Frankreich.» Dennoch nahm sie es mit Humor, als französische Medien berichteten, sie habe am Tag ihrer Ernennung ein traditionelles senegalisches Kleid – den Boubou – getragen. «Dabei war das doch nur ein Kleid von H&M», amüsierte sie sich.



 
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