15.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Angela Merkel: Wollen auch ein paar Vorteile sehen
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Brasilien gilt als Wortführer der Entwicklungs- und Schwellenländer bei den Verhandlungen um die Liberalisierung des Welthandels. Die Kanzlerin drängt die G-20 zu Kompromissen - sagt aber nicht, womit sie rechnen dürfen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat angesichts der stockenden Verhandlungen zur Liberalisierung des Welthandels alle Seiten zur Kompromissbereitschaft aufgerufen.
«Wir wissen zwar, dass wir in den Agrarmärkten noch einiges tun müssen», sagte Merkel in einer Rede vor Wirtschaftsvertretern in der der brasilianischen Industriemetropole Sao Paulo. «Aber wir wollen natürlich auch bei den tarifären Hemmnissen im Industriebereich ein paar Vorteile sehen.»
Zeichen aus den USA «nicht nur ermutigend»Merkel rief auch die USA auf, eine konstruktive Rolle einzunehmen. «Was man manchmal aus dem amerikanischen Wahlkampf hört, ist auch nicht nur ermutigend», sagte sie. Das Zeitfenster für den Erfolg der Verhandlungen sei nicht groß. Die WTO-Verhandlungen sind seit Monaten festgefahren.
Eine Ministerrunde, die den Prozess wiederbeleben soll, kommt möglicherweise bereits in der nächsten Woche zusammen. Brasilien gilt als Wortführer in der G-20, in der sich Entwicklungs- und Schwellenländer zusammengeschlossen haben. Von den Industrieländern fordern sie einen Abbau von Importquoten, Zöllen und Subventionen im Agrarsektor.
Besuch eines VW-Werks zum Abschluss des Brasilien-AufenthaltsMit dem Besuch eines VW-Werks in Sao Paulo beendet Merkel am Donnerstag ihren Aufenthalt in Brasilien, der am Dienstag begonnen hatte. Mit dem Besuch des VW-Werkes will die Kanzlerin das Engagement deutscher Unternehmen in Brasilien würdigen.
1200 Firmen deutschen Ursprungs beschäftigen 250.000 Menschen in dem größten Land Südamerikas. Die meisten haben ihren Sitz in Sao Paulo, das deswegen als größte deutsche Industriestadt überhaupt gilt. VW do Brasil ist größter Automobilhersteller und mit einem Umsatz von 10,6 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr das fünftgrößte Unternehmen des Landes.
Biokraftstoff-Produktion nicht auf Kosten des RegenwaldesBei einem Treffen mit Staatspräsident Lula da Silva drang die Kanzlerin darauf, beim Anbau von Biokraftstoffen den Schutz des Regenwaldes nicht zu vernachlässigen. In Sao Paulo forderte sie «eine sehr transparente Aufarbeitung aller Fakten» dazu.
Da Silva hatte bei einer Pressekonferenz mit Merkel erklärt, zwischen 2004 und 2007 seien die Rodungen im Amazonasgebiet um 59 Prozent zurückgegangen. Es gibt aber auch gegenteilige Darstellungen der Lage.
Nächste Station: EU-Lateinamerika-Gipfel in PeruNächste Station der Lateinamerika-Reise von Merkel ist die peruanische Hauptstadt Lima weiter, wo sie am Freitag am EU-Lateinamerika-Gipfel teilnimmt. Dabei könnte sie auf den venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez treffen, der sie unmittelbar vor ihrer Reise scharf attackiert und sie in die Nähe Adolf Hitlers gerückt hatte.
Die Kanzlerin hatte ihm zuvor das Recht abgesprochen, die Interessen anderer Staaten Südamerikas zu vertreten. An dem Gipfel nehmen 27 europäische sowie 33 lateinamerikanische und karibische Delegationen teil. (AP)