Im Mittelpunkt des Gesprächs Steinmeiers mit Medwedew im Katharinen-Saal des Kremls stand das deutsch-russische Verhältnis. Steinmeier hatte angekündigt, er werde dem Staatschef vorschlagen, auch «neue Themen» in die Zusammenarbeit aufzunehmen. Dazu gehöre das Angebot, Russland bei der Modernisierung zu unterstützen und beim Aufbau des Rechtsstaats, einer funktionierenden Verwaltung und eines modernen Gesundheitswesens zu helfen. Zum Abschluss seines zweitägigen Aufenthalts in Jekaterinburg am Ural war Steinmeier zuvor mit seinem Amtskollegen Sergej Lawrow zusammengetroffen. Dieser übte in Zusammenhang mit dem Konflikt um das iranische Atomprogramm heftige Kritik an den USA. Er hielt der Regierung in Washington vor, sie versuche durch «verfälschende» Darstellungen über gemeinsame Beschlüsse, die Iran-Sechsergruppe zu spalten. Auch der Versuch der US-Regierung, eigene Sanktionen gegen dritte Länder zu verhängen, untergrabe die gemeinsamen Bemühungen um eine Lösung des Konflikts. Damit spielte Lawrow auf US-Drohungen an, gegen ausländische Unternehmen, die weiter mit Teheran Handel treiben, Strafmaßnahmen zu verhängen.
Positiv reagierte der russische Chefdiplomat auf Lösungsvorschläge, die Iran dem EU-Außenbeauftragten Javier Solana für den Atomstreit und zu anderen Themen übermittelt hat. Er halte es für vorstellbar, dass man auf dieser Grundlage einen «nächsten Schritt» gehen könne. Der Iran habe einen Anspruch auf einen «gebührenden Platz» in der Nahostregion. Solana verhandelt seit fast einem Jahr im Auftrag der Sechsergruppe (Deutschland, China, Frankreich, Großbritannien, Russland, USA) mit Teheran.