Folgen des Wirbelsturms:
Opferzahl in Birma steigt unaufhaltsam an
13.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind im Katastrophengebiet die ersten Ruhr-Fälle aufgetreten. Cholera sei dagegen noch nicht ausgebrochen. «Wir arbeiten eng mit dem birmanischen Gesundheitsministerium zusammen», teilte der Regionaldirektor für Südostasien, Samlee Plianbangchang, mit. «Die Lage in LaButta ist sehr, sehr dramatisch», sagte Birke Herzbruch von Malteser International am Dienstag in Rangun. Durchfallerkrankungen seien ein großes Problem. Die Menschen hätten die ganze Woche nur aus Brunnen trinken können, in denen das Wasser durch die Flutwelle versalzen war. Heftige Niederschläge erschweren die Situation.
Das Rote Kreuz kann in den verwüsteten Gebieten etwa 20.000 Familien pro Tag mit ersten Hilfsgütern unterstützen. «Wir bringen ihnen das, was sie am meisten brauchen, Nahrungsmittel, Zeltplanen, Moskitonetze, Kochsets oder Kleidung», berichtete Rot-Kreuz- Mitarbeiter Bernd Schell der dpa. «Und wir versuchen, uns jeden Tag um etwa 30 Prozent zu steigern», sagte Schell. Er rechne damit, dass etwa eine Million Menschen dringend Hilfe benötigen.
Die Hilfsorganisation World Vision richtete in den Katastrophengebieten 37 Betreuungszentren für Kinder ein. Dort sollen Mädchen und Jungen Schutz finden, die ihre Eltern durch den Zyklon verloren haben, berichtete das Hilfswerk in Friedrichsdorf bei Frankfurt.
Ärzte ohne Grenzen ist dazu übergegangen, an Ort und Stelle neue Mitarbeiter anzuheuern. Sie sollen helfen, die eingetroffenen Hilfsgüter per Lastwagen zu den Bedürftigen zu bringen.
Nach Angaben der Regionalkoordinatorin des Deutschen Roten Kreuzes in Bangkok, Karina Lehmann, sind bereits zehn Flüge mit Hilfsgütern angekommen, die vom myanmarischen Roten Kreuz verteilt wurden. Insgesamt hätten die Hilfsgüter 220.000 Menschen erreicht, davon 80.000 durch das Rote Kreuz, sagte Lehmann. Am Donnerstag sollen Wasseraufbereitungsanlagen des Deutschen Roten Kreuzes in die Region geschickt werden.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon lehnte es allerdings zunächst ab, den Weltsicherheitsrat einzuschalten. Gleichwohl machte Ban seine Verärgerung über die mangelnde Kooperation der Militärjunta in Birma deutlich. «Ich möchte meine tiefe Sorge und gewaltige Frustration über die inakzeptabel langsame Antwort auf diese schwerwiegende humanitäre Krise zum Ausdruck bringen», sagte er in New York.
EU-Chefdiplomat Javier Solana forderte, «alle Mittel» zur Hilfe für die Opfer zu nutzen. «Das Wichtigste ist, die humanitäre Hilfe dorthin zu bekommen», sagte Solana. «Die UN-Charta eröffnet einige Wege, wenn die Probleme nicht gelöst werden können, damit humanitäre Hilfe in ein Katastrophenland kommt, dessen Politiker die Ankunft von schneller und gut organisierter Hilfe nicht zulassen.» (nz/dpa)

