Folgen des Wirbelsturms:
Opferzahl in Birma steigt unaufhaltsam an
13. Mai 2008 17:27, ergänzt 21:36
 |  Die Auswirkungen des Wirbelsturms sind in Rangun überall zu sehen | Foto: dpa |
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Angesichts der dramatischen Situation in dem südasiatischen Land hat Deutschland seine finanzielle Hilfe inzwischen verdoppelt. Die britische Königin kündigte eine «bedeutende» private Spende an.
Zehn Tage nach dem Zyklon «Nargis» ist die Zahl der Todesopfer in Birma nach Angaben des staatlichen Fernsehens auf 34.273 gestiegen. 27.838 würden noch vermisst.
Unterdessen dringen Hilfsorganisationen mit einheimischen Mitarbeitern mehr als eine Woche nach dem verheerenden Zyklon in Birma allmählich in die entlegenen Regionen des Katastrophengebietes vor. Zu einem Zentrum für die Einsätze entwickelt sich die schwer zerstörte Hafenstadt LaButta, wo der Malteser Hilfsdienst in einem verlassenen Haus inzwischen Behelfskliniken eingerichtet hat.
«Die Lage in LaButta ist sehr, sehr dramatisch»
Deutschland wird die Hilfe für die Opfer der Wirbelsturm-Katastrophe nach Angaben des Staatsministers im Auswärtigen Amt, Günter Gloser (SPD), von zwei auf vier Millionen Euro verdoppeln. Die britische Königin Elizabeth II. unterstützt mit einer «bedeutenden» privaten Spende die Hilfsoperationen. Eine Summe wurde aber nicht genannt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind im Katastrophengebiet die ersten Ruhr-Fälle aufgetreten. Cholera sei dagegen noch nicht ausgebrochen. «Wir arbeiten eng mit dem birmanischen Gesundheitsministerium zusammen», teilte der Regionaldirektor für Südostasien, Samlee Plianbangchang, mit. «Die Lage in LaButta ist sehr, sehr dramatisch», sagte Birke Herzbruch von Malteser International am Dienstag in Rangun. Durchfallerkrankungen seien ein großes Problem. Die Menschen hätten die ganze Woche nur aus Brunnen trinken können, in denen das Wasser durch die Flutwelle versalzen war. Heftige Niederschläge erschweren die Situation.
Ausländische Helfer nicht erwünscht
Die Staatspresse als Sprachrohr der Militärjunta machte noch einmal deutlich, dass ausländische Helfer im Land nicht erwünscht sind. Die Verteilung der Hilfe im Land übernehme das Militär, sofern die Spender keine einheimischen Mitarbeiter im Land haben, hieß es. Das Rote Kreuz kann in den verwüsteten Gebieten etwa 20.000 Familien pro Tag mit ersten Hilfsgütern unterstützen. «Wir bringen ihnen das, was sie am meisten brauchen, Nahrungsmittel, Zeltplanen, Moskitonetze, Kochsets oder Kleidung», berichtete Rot-Kreuz- Mitarbeiter Bernd Schell der dpa. «Und wir versuchen, uns jeden Tag um etwa 30 Prozent zu steigern», sagte Schell. Er rechne damit, dass etwa eine Million Menschen dringend Hilfe benötigen.
Betreuungszentren für Kinder entstehen
Viele Rot-Kreuz-Helfer sind durch den Zyklon obdachlos geworden und leisten trotzdem unermüdlich Hilfe, berichtete Bridget Gardner vom Internationalen Roten Kreuz in Genf nach ihrer Rückkehr aus LaButta. Die Mitarbeiter verdienten besonderes Lob, meinte Gardner. «Jeweils vier oder fünf Helfer kümmern sich pro Tag um bis zu 200 Menschen. Und sie haben kein Heim mehr, in dem sie sich nach ihrer schweren Arbeit ausruhen könnten.» Die Hilfsorganisation World Vision richtete in den Katastrophengebieten 37 Betreuungszentren für Kinder ein. Dort sollen Mädchen und Jungen Schutz finden, die ihre Eltern durch den Zyklon verloren haben, berichtete das Hilfswerk in Friedrichsdorf bei Frankfurt.
Arzneimittel für 80.000 Betroffene
In Rangun trafen Medikamente und medizinische Ausrüstung zur Behandlung von 80.000 Menschen ein. Im besonders betroffenen Irrawaddy-Delta begann die WHO mit der Verteilung von Hilfsgütern. «Wir können ins Delta kommen», sagte Generalsekretär Hans-Joachim Preuß der dpa in Berlin. Allerdings seien dort zunächst einheimische Helfer tätig und keine internationalen Mitarbeiter. Ärzte ohne Grenzen ist dazu übergegangen, an Ort und Stelle neue Mitarbeiter anzuheuern. Sie sollen helfen, die eingetroffenen Hilfsgüter per Lastwagen zu den Bedürftigen zu bringen.
Nach Angaben der Regionalkoordinatorin des Deutschen Roten Kreuzes in Bangkok, Karina Lehmann, sind bereits zehn Flüge mit Hilfsgütern angekommen, die vom myanmarischen Roten Kreuz verteilt wurden. Insgesamt hätten die Hilfsgüter 220.000 Menschen erreicht, davon 80.000 durch das Rote Kreuz, sagte Lehmann. Am Donnerstag sollen Wasseraufbereitungsanlagen des Deutschen Roten Kreuzes in die Region geschickt werden.
Solana will «alle Mittel» für die Opfer
Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) hofft, dass es dem UN-Sicherheitsrat gelingt, die Militärherrscher zur Öffnung des Landes für internationale Helfer zu bewegen. «Ich hoffe vor allem, dass der UN-Sicherheitsrat auch seine Verantwortung zum Schutz der Menschen wahrnimmt», sagte sie in Brüssel am Rande eines Krisentreffens des EU-Ministerrates über die Lage in Birma. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon lehnte es allerdings zunächst ab, den Weltsicherheitsrat einzuschalten. Gleichwohl machte Ban seine Verärgerung über die mangelnde Kooperation der Militärjunta in Birma deutlich. «Ich möchte meine tiefe Sorge und gewaltige Frustration über die inakzeptabel langsame Antwort auf diese schwerwiegende humanitäre Krise zum Ausdruck bringen», sagte er in New York.
EU-Chefdiplomat Javier Solana forderte, «alle Mittel» zur Hilfe für die Opfer zu nutzen. «Das Wichtigste ist, die humanitäre Hilfe dorthin zu bekommen», sagte Solana. «Die UN-Charta eröffnet einige Wege, wenn die Probleme nicht gelöst werden können, damit humanitäre Hilfe in ein Katastrophenland kommt, dessen Politiker die Ankunft von schneller und gut organisierter Hilfe nicht zulassen.» (nz/dpa)