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Erdbeben in China: 

«Der Regierungschef ist da, aber wo ist die Hilfe?»

12. Mai 2008 18:53
Eine Chinesin weint nach dem Erdbeben in Chengdu
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Augenzeugenberichte schildern dramatische Geschichten aus dem Epizentrum des Erdbebens. Viele Menschen wurden in ihren Häusern begraben – manche konnten sich nur retten, weil sie schneller als andere wegliefen.

Das Leid nach dem schwersten Erdbeben seit über 30 Jahren in China ist unvorstellbar. In den Trümmern einer zerstörten Schule in Dujiangyan rufen am Montag verschüttete Kinder verzweifelt nach Hilfe und versuchen vergeblich, sich selbst zu befreien. In dem Ort, der nur 100 Kilometer vom Epizentrum in der Provinz Sichuan liegt, waren einige hundert Schüler während des Unterrichts von den Erdstößen überrascht worden. Ein Teil des dreistöckigen Gebäudes stürzte ein. Wie viele Kinder verschüttet wurden, ist unklar. Die Tränen der Mutter des Drittklässlers Zhang Gengwei zeigen aber, dass für sie der Tod ihres Kindes in den Trümmern schon Gewissheit ist.

Wie Reporter der Staatsagentur Xinhua berichten, die nach dem Erdbeben in den Ort kommen, stehen trauernde Eltern am Rande, sehen zu, wie Kräne die Trümmer beiseite räumen. Ein Notarztwagen wartet. Zwei Mädchen berichten, sie seien nur mit dem Leben davon gekommen, weil sie «schneller als die anderen rannten». Dorfbewohner helfen bei den Bergungsarbeiten, retten einige Schüler aus den Trümmern. «Einige sind aus dem Fenster gesprungen, und einige wenige sind das Treppenhaus herunter gelaufen, das nicht zerstört wurde.»

Als der eilig eingeflogene Regierungschef Wen Jiabao am Abend in Dujiangyan eintrifft, steigt die Zahl der bestätigten Toten in der Region schon stündlich um Tausende. Seit dem verheerenden Erdbeben 1976 in Tangshan in Nordostchina mit 242.000 Toten sind in China nicht mehr so viele Menschen bei einer solchen Katastrophe ums Leben gekommen. Die schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten sich, obwohl das Ausmaß der Katastrophe noch nicht einmal annähernd bekannt ist.

Handy-Netze überlastet oder zerstört

Glück im Unglück hatte eine Frau in Dujiangyan, die mit ihrer Tochter aus ihrem fünfstöckigen Haus flüchten konnte. Es hängt in einer gefährlichen Schieflage. Mit anderen Überlebenden harrt die Frau im Regen ohne jede Hilfe auf einem großen Spielplatz einer Schule aus. Die Dunkelheit bricht an, ohne dass Hilfe in Sicht ist. Mit dem Handy kann sie nicht telefonieren, da das Netz überlastet oder zerstört ist. Doch kann sie noch Kurznachrichten verschicken. «Viele Häuser sind zerstört», schreibt sie ihrer jüngeren Schwester. «Es ist so traurig. Wir können nicht mehr zurück ins Haus, um unsere Sachen zu holen.», Das Haus drohe einzustürzen. Ihnen fehlten Schirme oder Jacken gegen den Regen in der Nacht. Hunger macht sich breit. «Jetzt sind schon sieben oder acht Stunden vergangen, und es ist immer noch keine Hilfe da», kritisiert ihre Schwester unter Tränen, als es fast Mitternacht ist. «Der Regierungschef ist da, aber wo ist die Hilfe?»

Zuvor hatte Wen Jiabao noch alle Parteimitglieder und Funktionäre «zur Arbeit an der Front» der Rettungsbemühungen aufgerufen. «Im Angesicht einer derart schweren Katastrophe brauchen wir Ruhe, Zuversicht, Mut und eine effiziente Organisation.» Mit der Hilfe der Volksbefreiungsarmee und «unter der Führung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei und der Regierung» zeigte sich der Ministerpräsident aber sicher, das Unglück bewältigen zu können. Doch die Menschen in Dujiangyan müssen weiter warten.

Ungewissheit über benachbarten Landkreis

Wie es im benachbarten Wenchuan aussieht, weiß keiner. Die Straßen sind zerstört oder durch Erdrutsche versperrt. Hier in dem Landkreis, dem Epizentrum der Erdstöße, die bis Thailand zu spüren waren, dürfte es die meisten Zerstörungen geben. Mehr als 100.000 Menschen leben in dem Landkreis. Experten warnen, dass die Steinhäuser in Wenchuan kaum dem Erdbeben der Stärke 7,8 standgehalten haben dürften. (Von Andreas Landwehr, dpa)

 
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