12.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Ein Regierungssoldat wird von seinen Getreuen umringt
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Präsident in der Hauptstadt versichert, die Lage sei unter Kontrolle. Die Angreifer dagegen wollen weiterhin keine Ruhe geben, bis der Darfur-Konflikt gelöst ist.
Nach einem Vormarsch auf Khartum planen Rebellen aus der Krisenregion Darfur weitere Angriffe auf die sudanesische Hauptstadt. Ein Führer der Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit (JEM), Suleiman Sandal, sagte, seine Kämpfer wollten die Regierung stürzen. Hunderte Kämpfer der JEM waren am Samstag in die Außenbezirke von Khartum eingedrungen. Die sudanesische Regierung erklärte, sie habe den Angriff zurückgeschlagen, und machte den Tschad für die Offensive verantwortlich.
«Sie haben uns nicht erledigt», sagte Rebellenführer Sandal. «Das war nur eine Übung.» Die Rebellen wollten Khartum erneut angreifen, wenn der Darfur-Konflikt nicht gelöst werde. Die sudanesische Regierung erklärte, man habe den Vormarsch der Rebellen aufhalten können. «Alles ist unter Kontrolle», versicherte Präsident Omar al Baschir am Sonntag in einer Fernsehansprache.
Festnahme von 300 RebellenMehr als 300 Rebellen seien am Sonntag in Omdurman, Khartums Schwesterstadt am anderen Nil-Ufer, festgenommen worden, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Suna. Der Vormarsch auf die sudanesische Hauptstadt soll von JEM-Chef Chalil Ibrahim persönlich angeführt worden sein. Ibrahim verstecke sich in Omdurman, hieß es weiter. Das Fernsehen veröffentlichte ein Fahndungsfoto. Die Regierung setzte für Hinweise, die zu seiner Ergreifung führen, eine Belohnung von 71.500 Euro aus.
Die JEM ist eine der mächtigsten schwarzafrikanischen Rebellengruppen in Darfur. Seit 2003 kämpft sie dort gegen Soldaten der arabisch-dominierten Regierung sowie gegen arabische Reitermilizen, die der Regierung nahestehen. Den Kämpfen in Darfur sind Schätzungen zufolge schon mehr als 200.000 Menschen zum Opfer gefallen, 2,5 Millionen wurden aus ihren Dörfern vertrieben.
«Ein tschadischer Angriff»Die sudanesische Regierung wirft dem Nachbarland Tschad vor, die JEM militärisch zu unterstützen. Rebellenführer Ibrahim sei «ein Agent des tschadischen Regimes», sagte Al Baschir am Sonntag. «Dies ist ein tschadischer Angriff», fügte er im Hinblick auf den Vorstoß der Rebellen hinzu. Der Sudan brach die Beziehungen zum Tschad deshalb ab.
Die tschadische Regierung wies die Anschuldigungen zurück. Kommunikationsminister Mahamat Hissene sagte, er hoffe, dass die beiden Länder weiter «freundschaftliche und brüderliche Beziehungen» pflegen könnten. Auch der Tschad wirft dem Sudan vor, Rebellen zu unterstützen, die gegen die Regierung in N'Djamena kämpfen. Die Präsidenten der beiden Nachbarländer vereinbarten im März, die Aktivitäten der Rebellen im Grenzgebiet zu unterbinden. Ungeachtet des Abkommens halten die gegenseitigen Vorwürfe unvermindert an. (AP)