Wahl zwischen Europa und Russland:
Hohe Wahlbeteiligung in Serbien
11.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Der 64-jährige Kostunica hat sich öffentlich noch nicht auf einen künftigen Koalitionspartner festgelegt, aufgrund stark nationalistischer Töne im Wahlkampf und Äußerungen enger Mitarbeiter dürfte aber klar sein, dass er zu den Radikalen tendiert. Für «die territoriale Integrität und die Stabilität» Serbiens sei eine rasche Regierungsbildung wichtig, sagte Kostunica bei seiner Stimmabgabe lediglich. Besonders in der Empörung über die Unabhängigkeitserklärung des früher zu Serbien gehörenden Kosovos und in der scharfen Kritik an der Unterstützung vieler EU-Staaten für diesen Schritt sind sich Kostunica und Nikolic weitgehend einig. Präsident Tadic nannte die Parlamentswahl «lebenswichtig» und zeigte sich zuversichtlich, «dass die Menschen für eine europäische Zukunft stimmen werden». Bei einem Sieg der Radikalen werde das Land in die 1990er Jahre zurückfallen, warnte Tadic.
Viele Menschen hätten das Gefühl, sich Europa gegenüber Serbien «nicht fair und gerecht» verhalte, erklärte der Politikexperte Braca Grubacic am Samstag. Der 66 Jahre alte Zoran Jovanovic sagte am Wahltag, «die Europäische Union und der Westen» wollten Serbien das Kosovo wegnehmen. Russland dagegen «ist unser treuer Freund».
Im Mittelpunkt des Wahlkampfes standen neben der Unabhängigkeitserklärung des Kosovos die hohe Arbeitslosigkeit mit einer Quote von 30 Prozent, die Preissteigerung und der Kampf gegen Korruption. Die Wahllokale öffneten um 07.00 Uhr (MESZ) und sollten bis 20.00 Uhr geöffnet bleiben. Die bisherige Koalitionsregierung aus DSS und DS war im März am Streit über das Verhältnis zur EU und das weitere Vorgehen nach der Unabhängigkeitserklärung des Kosovos zerbrochen.
Auch rund 100.000 Serben im Kosovo waren zur Stimmabgabe bei einer parallel angesetzten Kommunalwahl aufgerufen. Die Vereinten Nationen haben die Abstimmung für illegal erklärt, hinderten die Menschen am Sonntag aber nicht daran, sich zu beteiligen. Soldaten der Nato-Friedenstruppe verstärkten vorsichtshalber ihre Patrouillen.
Er hoffe auf einen Sieg der Radikalen, sagte Marko Jaksic aus Mitrovica. Andernfalls «werden wir umziehen, werden wir das Kosovo verlassen». Ein anderer Wähler, Dejan Filipovic, erklärte, er hoffe endlich auf Frieden in der Region. Bei der Präsidentenwahl am 3. Februar hatte Nikolic nur knapp gegen Amtsinhaber Tadic verloren. Nikolic war während des Kosovo-Kriegs der NATO 1999 stellvertretender Ministerpräsident unter Slobodan Milosevic. (AP)

