Junta hält an Referendum fest:
Weitere Hilfslieferungen in Birma eingetroffen
10. Mai 2008 13:12
 |  Frau bei der Stimmabgabe für das Referendum in Yangon, Myanmar | Foto: dpa |
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Britische Organisationen haben von Fortschritten bei der Hilfeleistung berichtet. Sorgen mache ihnen aber weitere Regenstürme, berichteten Helfer. Die Regierung verschob unterdessen die geplante Abstimmung zur Verfassung in manchen Gebieten.
Nach Angaben des Katastrophen-Komitees DEC, in dem Hilfsorganisationen aus Großbritannien zusammengeschlossen sind, sind Blockaden und Verzögerungen, die die Arbeit in den vergangenen Tagen erschwert haben, aufgehoben worden.
Die Situation sei «ein wenig besser» als zuvor, teilte das DEC mit. «Viele Hilfsorganisationen sind jetzt am Ort - aber es geht nur langsam voran.» Mitarbeiter würden nun Visa ausgestellt. Flugzeuge des Roten Kreuzes konnten nach Angaben des DEC in Birma landen. Weitere sieben Maschinen mit Schaufeln, Moskitonetzen und Kraftstoffkanistern sollten zwischen Samstag und Montag ankommen.
Kinderhilfsorganisation verteilt Hilfe für 72.000 Opfer
Matthias Schmale, Direktor vom britischen Roten Kreuz, sagte: «Heute wurden unsere Bemühungen, Personal und Hilfsgüter in die betroffenen Regionen zu bringen, nicht blockiert.» Aber die Fortschritte seien immer noch «frustrierend langsam und zu gering». Die Kinderhilfsorganisation Save the Children teilte mit, ihre Mitarbeiter hätten inzwischen Hilfe an rund 72.000 Zyklon-Opfer verteilt. Sorgen mache ihnen aber weitere Regenstürme, die Birma nach Vorhersagen kommende Woche erreichen sollten.
Junta angeblich ohne Zugriff auf deutsche Hilfsleistungen
Am Vortag hatte das Komitee von einer «Epidemie mit apokalyptischen Ausmaß» gewarnt. In den vergangenen Tagen hatte das DEC mehr als vier Millionen Pfund (rund 5,1 Millionen Euro) an Spenden gesammelt. Es wird davon ausgegangen, dass in der betroffenen Region rund 19 Millionen Menschen, davon zwei Drittel Kinder, leben. Die Organisationen versuchen, unter anderem Nahrungsmittel, Medikamente und Wasseraufbereitungs-Tabletten, basische Unterkünfte sowie Plastikplanen nach Birma zu bringen. Deutsche Hilfsorganisationen versicherten inzwischen, dass die Militärjunta in Birma keinen Zugriff auf Spenden für die Opfer des Zyklons «Nargis» hat. «Wir wickeln alle Zahlungen nur über unsere Partner in Birma ab», sagte ein Caritas-Sprecher der «Berliner Zeitung».
Junta ignoriert Appelle der Vereinten Nationen
Die Militärjunta in Birma hält trotz internationaler Proteste am Samstag ihr umstrittenes Verfassungsreferendum ab. Tausende Regierungsbeamte hatten sich ungeachtet der Zyklon-Katastrophe mit zehntausenden Toten und mehr als einer Million Hilfsbedürftigen die ganze Woche um die Vorbereitung des Wahlgangs gekümmert. Appelle der Vereinten Nationen, sich auf die Opferhilfe zu konzentrieren und das Referendum zu verschieben, ignorierte die Junta. Nur in 47 der am schlimmsten betroffenen Bezirke darf in zwei Wochen nachgewählt werden.
«Ich bin bezahlt worden»
Die Opposition rechnete mit massivem Wahlbetrug seitens der Junta. «Ich bin bezahlt worden, deshalb habe ich mit Ja gestimmt», gab Verkäuferin Zaw Min Hla (24) im Bezirk Hlegu am Rande Ranguns freimütig zu. «Ich bin den Hinweisen auf dem Wahlzettel gefolgt und habe mit Ja gestimmt», sagte Tin Mya (77), ebenfalls in Hlegu. Nach Angaben der Opposition haben Staatsbetriebe ihre Angestellten geschlossen zu Ja-Stimmen gezwungen. In Rangun hatten in den vergangenen Tagen aber viele Menschen aus Wut über die ausbleibende Hilfe Nein-Stimmen angekündigt. Es ist das erste Mal seit 1990, dass in Birma gewählt wird. Das Ergebnis der damaligen Wahl, die Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi haushoch gewonnen hatte, ignorierte die Junta. Dieses Mal geht es um die Abstimmung über eine neue Verfassung, mit der das Regime seine Macht zementieren will. Die neue Verfassung gibt dem Militär automatisch 25 Prozent der Sitze im Parlament und mehrere Schlüsselpositionen in der Regierung. Die Junta stellte für den Fall einer Annahme der Verfassung Mehrparteienwahlen in zwei Jahren in Aussicht.
Opposition fordert Zeit zum Trauern
Auch die Opposition hatte eine Verschiebung gefordert - vor allem, um den Hunderttausenden, die bei der Katastrophe vor einer Woche Angehörige verloren, Zeit zum Trauern zu geben. «Nach buddhistischem Ritus gehen Trauernde eine Woche nach dem Tod ihrer Lieben in den Tempel und beten für die Verstorbenen», sagte Win Min, ein Dozent für Birma-Studien in der Universität von Chiang Mai in Thailand. «Stattdessen sollten sie jetzt zu den Wahllokalen gehen.» Der abergläubische Juntachef Than Shwe habe auf Anraten von Astrologen darauf bestanden, an dem Wahltermin festzuhalten, sagte Win Min. (dpa/AP)