09. Mai 2008 13:37
Ein Drittel der serbischen Wähler unterstützt die ultranationale Radikale Serbische Partei. Ihr Vorsitzender Vojislav Seselj muss sich als Kriegsverbrecher vor dem Strafgerichtshof in Den Haag verantworten.
Die oppositionellen ultranationalistischen Radikalen (SRS) sind mit einem durchschnittlichen Wähleranteil von einem Drittel seit Jahren die mit Abstand stärkste Partei Serbiens. Sie waren in den 90er Jahren während der Bürgerkriege und der internationalen Isolation des Landes eine wichtige Stütze des damaligen politischen Systems. Ihr 53-jähriger Führer Vojislav Seselj ist vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal angeklagt. Sein Stellvertreter Tomislav Nikolic (56), der nach eigenen Angaben in Seselj seinen «Lehrmeister» sieht, führt heute die SRS. Sie stellt demokratische Prinzipien wie die Gewaltenteilung in Frage und steht für die Annäherung an Russland.
Der große Gegenspieler der SRS sind die Demokraten (DS) von Staatspräsident Boris Tadic, die in der Wählergunst traditionell knapp den zweiten Platz belegen. Die von dem ermordeten Regierungschef Zoran Djindjic gegründete DS ist so umgebaut worden, dass sie heute viele ausgeschlossene DS-Spitzenpolitiker an einen «Wahlverein» für den 50-jährigen Tadic erinnert. Die USA und die EU fördern die DS offen, die sich für die Mitgliedschaft Serbiens in der EU und der Nato einsetzt.