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Appell an Militärjunta: 

US-Regierung drängt Birma zum Handeln

07. Mai 2008 23:53
Die Hafenstadt Rangun ist nach dem Zyklon verwüstet
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Die Zahl der Opfer in Birma steigt unaufhörlich, und die Militärs sind mit der Situation hoffnungslos überfordert. Experten rechnen mit weiteren Zehntausenden Toten - und befürchten Unruhen gegen das Regime.

Der Zyklon «Nargis» könnte in Birma nach Einschätzung einer US-Diplomatin mehr als 100.000 Menschen das Leben gekostet haben. Allein in dem am schlimmsten verwüsteten Gebiet im birmanischen Irrawaddy-Flussdelta sind nach Angaben der Hilfsorganisation Adra mindestens 50.000 Menschen getötet worden. In der Region Piensalu hätten zuvor 150.000 Einwohner gelebt, teilte die «Aktion Deutschland Hilft» am Mittwoch in Bonn mit. Die Militärregierung Birmas spricht bislang von knapp 23.000 Toten und mehr als 42.000 Vermissten. Nach UN-Schätzungen sind bis zu eine Million Menschen obdachlos.

Die diplomatische Geschäftsträgerin in Rangun, Shari Villarosa sagte nach Angaben des US-Senders CNN, Daten einer unabhängigen internationalen Organisation deuteten auf die Zahl von 100.000 hin. Die Zahl könne noch größer werden, wenn alle Vermissten eingerechnet würden, deren Schicksal sich nicht aufklären ließe. Auch der Direktor des Büros der Exilregierung im thailändischen Mae Sot, Aung So, rechnet mit ähnlichen Ausmaßen der Katastrophe. «Wir gehen davon aus, dass mindestens 100.000 umgekommen sind», sagte er.

Die USA haben an die birmanische Militärregierung appelliert, ausländische Helferteams ins Katastrophengebiet zu lassen. «Es sollte eine einfache Sache sein», sagte Außenministerin Condoleezza Rice am Mittwoch in Washington. «Es handelt sich nicht um Politik, sondern um eine humanitäre Krise.» Die Regierung Birmas sollte daran interessiert sein, dass ihr Volk alle verfügbare Hilfe von außen bekomme - ungeachtet der politischen Haltung der Geberländer. Außenamtssprecher Sean McCormack teilte mit, Washington sei an die traditionellen Freunde Birmas - China, Indien, Indonesien, Japan, Malaysia und Thailand - herangetreten, um sich bei der Militärregierung zur Annahme von Auslandshilfe auch von Staaten einzusetzen, die der Militärregierung kritisch gegenüberstehen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an die Militärregierung, die Hilfe der internationalen Gemeinschaft zügiger anzunehmen. Die Regierung solle auf die «Angebote zur Unterstützung und Solidarität eingehen, die Einreise von Hilfskräften erleichtern und die Hilfslieferungen genehmigen», sagte der UN-Chef in einer in New York verbreiteten Erklärung.

Unterdessen ist ein erstes UN-Flugzeug mit Hilfsgütern für die Menschen in Birma unterwegs. Die Regierung habe eine Luftbrücke des Welternährungsprogramms (WFP) genehmigt, hieß es aus Kreisen der Vereinten Nationen. Der Airbus 300 habe unter anderem Systeme zur Wasserreinigung und - verteilung sowie Notunterkünfte an Bord.

Hilfslieferungen bleiben vielerorts stecken

Gut vier Tage nach dem verheerenden Zyklon «Nargis» ist die Lage in Birma nach wie vor katastrophal. Leichen treiben im Wasser, Überlebende harren verzweifelt in ihren Dörfern aus. Ungeachtet der widrigen Bedingungen kamen am Mittwoch zumindest erste Hilfen an. Zahlreichen Organisationen blieb die Einreise ins Krisenland jedoch verwehrt, was zu Kritik aus aller Welt führte.

Als größte Gefahr für die Bevölkerung bezeichnete Wolfgang Jamann von der Orgsanisation Care das verseuchte Wasser. «Durch die Fäkalien im Wasser drohen Seuchen wie die Cholera.» Das Ernährungsprogramm der Vereinten Nationen verteilte in der schwer beschädigten Hafenmetropole Rangun erste Essensrationen. Die Versorgung der Menschen sei «ein Wettlauf mit der Zeit», sagte Unicef-Direktorin Ann Veneman.

Die Hilfsorganisation Adra sprach von einem «Kampf ums Überleben». Die Wucht des Wirbelsturms spiegelt sich im Bericht des Adra-Teams, das aus dem am schlimmsten betroffenen Irrawaddy-Delta nach Rangun zurückgekehrt war: «Lebende und Tote wurden von der Flut innerhalb einer Stunde über eine Entfernung gespült, für die man mit einem Boot normalerweise drei Stunden benötigen würde.» Für viele Menschen sei Kokosmilch die einzige Nahrung. Kurz nach dem Zyklon hätten sich viele von angeschwemmten toten Tieren ernährt. Das sei aber wegen der Hitze und der Verwesung der Tiere nicht mehr möglich.

Mitarbeiter von Hilfsorganisationen kommen meist in weiten Teilen des Landes kaum voran. «Auf den Flüssen kann man sich nicht fortbewegen, so viel Schutt ist da drin», berichtete Jamann. Viele Straßen seien kaum passierbar. Zudem sitzen nach Angaben des Malteser Hilfsdienstes zahlreiche Mitarbeiter in Rangun fest.

Dubioses Verhalten der Militärs

«Die Menschen verzweifeln, das Militär hat erst ganz langsam und dann nur mit wenigen Mitteln reagiert», sagte Aung So von der Exilregierung. Nach seinen Angaben packten Regierungssoldaten am Flughafen in Rangun Hilfslieferungen aus Thailand und China vor der Auslieferung um, um den Anschein zu erwecken, dass die Rationen von der Regierung selbst kamen. «Die Menschen sind wütend, und der Ärger wächst», sagte er. Die Naturkatastrophe wird nach Einschätzung des Südostasien-Experten Marco Bünte kaum etwas an der schwierigen =politischen Lage in Birma ändern. Kritik aus dem Ausland am Krisenmanagement des Militärregimes komme nicht an. (nz/dpa)

 
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