Appell an Militärjunta:
US-Regierung drängt Birma zum Handeln
07.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Die USA haben an die birmanische Militärregierung appelliert, ausländische Helferteams ins Katastrophengebiet zu lassen. «Es sollte eine einfache Sache sein», sagte Außenministerin Condoleezza Rice am Mittwoch in Washington. «Es handelt sich nicht um Politik, sondern um eine humanitäre Krise.» Die Regierung Birmas sollte daran interessiert sein, dass ihr Volk alle verfügbare Hilfe von außen bekomme - ungeachtet der politischen Haltung der Geberländer. Außenamtssprecher Sean McCormack teilte mit, Washington sei an die traditionellen Freunde Birmas - China, Indien, Indonesien, Japan, Malaysia und Thailand - herangetreten, um sich bei der Militärregierung zur Annahme von Auslandshilfe auch von Staaten einzusetzen, die der Militärregierung kritisch gegenüberstehen.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an die Militärregierung, die Hilfe der internationalen Gemeinschaft zügiger anzunehmen. Die Regierung solle auf die «Angebote zur Unterstützung und Solidarität eingehen, die Einreise von Hilfskräften erleichtern und die Hilfslieferungen genehmigen», sagte der UN-Chef in einer in New York verbreiteten Erklärung.
Unterdessen ist ein erstes UN-Flugzeug mit Hilfsgütern für die Menschen in Birma unterwegs. Die Regierung habe eine Luftbrücke des Welternährungsprogramms (WFP) genehmigt, hieß es aus Kreisen der Vereinten Nationen. Der Airbus 300 habe unter anderem Systeme zur Wasserreinigung und - verteilung sowie Notunterkünfte an Bord.
Als größte Gefahr für die Bevölkerung bezeichnete Wolfgang Jamann von der Orgsanisation Care das verseuchte Wasser. «Durch die Fäkalien im Wasser drohen Seuchen wie die Cholera.» Das Ernährungsprogramm der Vereinten Nationen verteilte in der schwer beschädigten Hafenmetropole Rangun erste Essensrationen. Die Versorgung der Menschen sei «ein Wettlauf mit der Zeit», sagte Unicef-Direktorin Ann Veneman.
Die Hilfsorganisation Adra sprach von einem «Kampf ums Überleben». Die Wucht des Wirbelsturms spiegelt sich im Bericht des Adra-Teams, das aus dem am schlimmsten betroffenen Irrawaddy-Delta nach Rangun zurückgekehrt war: «Lebende und Tote wurden von der Flut innerhalb einer Stunde über eine Entfernung gespült, für die man mit einem Boot normalerweise drei Stunden benötigen würde.» Für viele Menschen sei Kokosmilch die einzige Nahrung. Kurz nach dem Zyklon hätten sich viele von angeschwemmten toten Tieren ernährt. Das sei aber wegen der Hitze und der Verwesung der Tiere nicht mehr möglich.
Mitarbeiter von Hilfsorganisationen kommen meist in weiten Teilen des Landes kaum voran. «Auf den Flüssen kann man sich nicht fortbewegen, so viel Schutt ist da drin», berichtete Jamann. Viele Straßen seien kaum passierbar. Zudem sitzen nach Angaben des Malteser Hilfsdienstes zahlreiche Mitarbeiter in Rangun fest.

