Hintergrund Birma:
Bitterarmes Land unter brutaler Militärherrschaft
Erstmals seit 18 Jahren sollen die Menschen an diesem Samstag (10. Mai) zur Wahlurne gehen. Sie sollen über eine neue Verfassung abstimmen, die in zwei Jahren die ersten freien Wahlen seit 1990 verspricht. Nun sind Straßen und Brücken zerstört und weite Küstenteile von aller Kommunikation abgeschnitten. Doch das Militärregime versprach, ungeachtet der Verwüstungen durch den Killer-Zyklon an den Plänen für die Abstimmung festzuhalten. «Das Referendum ist nur noch ein paar Tage entfernt, und die Menschen sehen der Abstimmung freudig entgegen», hieß es in einer am Montag verbreiteten Erklärung der Junta, wie der britische Sender BBC berichtete.
Die große Mehrheit der Birmanen ist so arm, dass sie verzweifelt über steigende Nahrungsmittelpreise im vergangenen Jahr als erste weltweit auf die Straße gingen. Der schiere Hunger trieb die meisten dazu, trotz Androhung drakonischer Strafen. Die Militärjunta hatte die Subventionen für Speiseöl gekappt und viele fürchteten um das blanke Überleben.
Die Rache der Generäle ließ nicht lange auf sich warten. Als sich zehntausende Mönche den Protesten anschlossen und die Menschen ihren Unmut auch auf das Regime ganz allgemein lenkten, schlugen sie im September zu.
Rangun gleicht heute nach Angaben von Augenzeugen einer Kriegslandschaft. In der Vier-Millionen-Stadt sind Bäume auf die Straßen gestürzt und Häuser abgedeckt. Der Orkan riss die unzähligen Satellitenschüsseln von den Dächern, die vielen in dem abgeschotteten Land einen winzigen Blick in die Welt erlaubten. Die Stadt ist zudem umgeben von Slums mit Wellblechhütten, die gegen die Hurrikanwinde keine Chance hatten.
Viele Leute müssen mit einem Jahreseinkommen von 650 Dollar auskommen, ein Drittel der Bevölkerung lebt nach Schätzungen der Weltbank unterhalb der Armutsgrenze. Nach den neuesten verfügbaren Daten von 1996 leben fast 60 Prozent von der Landwirtschaft.
Das Staatsorgan «Neues Licht» feiert die vermeintlichen Erfolge der Diktatoren: soundsoviel neue Brücken, neue Straßen, große Ernten. «Nur fragen sich die Leute: warum muss ich weiter herumkrebsen, wenn es so viel Fortschritt gibt?», sagt David Mathieson, Birma- Berichterstatter von «Human Rights Watch». (Christiane Oelrich, dpa)

