Datenskandal in Italien: 

netzeitung.deFinanzamt stellt Millionen Steuerdaten ins Netz

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Mit soviel Einblick war Prodi nicht einverstanden (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Mit soviel Einblick war Prodi nicht einverstanden
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Mehr Transparenz geht nicht: Wer in Italien schon immer wissen wollte, wieviel sein Nachbar verdient, hatte die Chance auf einen Einblick. Die Finanzbehörde veröffentliche im Internet die Daten von vielen Millionen Steuerzahlern.

Kurz vor dem Regierungswechsel in Rom ist «bella Italia» um einen Skandal reicher: Die Finanzbehörde hat am Mittwoch alte Steuererklärungen italienischer Bürger auf ihrer Webseite veröffentlicht. Grund: Angeblich wollten die Verantwortlichen mit der Aktion für mehr Transparenz sorgen und gegen Steuerhinterziehung vorgehen. Wer also schon immer einmal wissen wollte, was Modeschöpfer, Schauspieler und andere Prominente verdienen oder ob der Kollege eine Gehaltserhöhung bekommen hat, der konnte das ganz spielend leicht im Internet in Erfahrung bringen. Jedoch gab es schon nach kurzer Zeit einen wütenden Aufschrei aufgebrachter Datenschützer: Nach knapp 24 Stunden wurde die Publikation wieder gestoppt.

Der Ansturm neugieriger Italiener auf die Seite www.agenziaentrate.gov.it war zuvor so groß, dass diese zeitweise zusammenbrach. «Ganz Italien hat «Klick» gemacht», titelte die Turiner Zeitung «La Stampa», die bereits vor dem Stopp der Datenschutzbehörde zahlreiche Steuererklärungen heruntergeladen hatte und diese in ihrer Donnerstagausgabe veröffentlichte. Insgesamt wurden in diesem «Mega-Videogame» - wie «La Repubblica» die Internetaktion bezeichnete - die Daten von 40 Millionen Steuerzahlern aus dem Jahr 2005 in alphabetischer Ordnung freigegeben. «Jeder, der einen Computer zur Hand hatte, ist auf die Seite gegangen, um sich über die Einkünfte von Freunden und Feinden zu informieren», schrieb ein Kommentator. Kritiker sprachen von «Steuer-Voyeurismus».
Ein Aufschrei gegen die Transparenz
Vize-Finanzminister Vincenzo Visco rechtfertigte die Online- Publikation der Einkommensdaten: «Die Finanzbehörde hat nur ein Gesetz in die Tat umgesetzt, das besagt, dass die Steuererklärungen von der Behörde an die Kommunen weitergegeben werden und dort für jedermann einsehbar sind.» Dass die Papiere nun mit dem Internet ausgetauscht wurden, mache gar keinen Unterschied. «Wir müssen maximale Transparenz garantieren.»

Das sah der Präsident der Datenschutzbehörde, Francesco Pizzetti, jedoch ganz anders - und legte prompt Beschwerde ein. Die Veröffentlichung verletze nicht nur die Privatsphäre der Bürger, sondern treffe vor allem die rechtmäßigen Steuerzahler - und nicht etwa diejenigen, die Steuern hinterziehen, lautete das Argument. Daraufhin wurde die Aktion umgehend untersagt. Auch der scheidende Ministerpräsident Romano Prodi soll erbost gewesen sein - er habe die Publikation nicht genehmigt, hieß es.

Doch für Schuldzuweisungen und langes Lamentieren ist es nun zu spät: Was Modeschöpfer Giorgio Armani, Schauspieler Roberto Benigni oder Fußballstar Francesco Totti verdienen, ist von nun an kein Geheimnis mehr. Der Modekreator verdiente demnach 45 Millionen Euro, Benigni gab 3,5 Millionen an und Totti nahm 10 Millionen ein. (Carola Frentzen, dpa)