28.03.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Szenen aus dem Film "Fitna" von Geert Wilders
Foto: www.liveleak.com/nz screenshot
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Warnung aus Wiesbaden: Nach der Veröffentlichung eines umstrittenen Videos des niederländischen Rechtspopulisten Wilders hält das Bundeskriminalamt eine Zunahme islamistischer Gewalttaten für möglich. International löste der Streifen eine Protestwelle aus.
Der anti-islamische Film des umstrittenen niederländischen Politikers Geert Wilders hat am Freitag im In- und Ausland heftige Kritik ausgelöst. Zugleich gab es Sorge, dass es in arabischen Ländern zu anti-westlichen Aktionen kommen könnte. Den Haag hatte bereits vor einigen Wochen seine Botschaften zu erhöhter Aufmerksamkeit aufgerufen. Das Bundeskriminalamt in Wiesbaden teilte mit, die Veröffentlichung des Films erhöhe die Gefährdung auch für Deutschland.
Der Präsident der Behörde, Jörg Ziercke, sagte dem im Fernsehsender N24: «Wir sehen solche Videos immer als eine Gefahrenerhöhung an.» Das Problem sei die Wirkung auf Personen, die als fanatisierte Einzeltäter dies für bare Münze nähmen. «Wir haben das 2006 in Deutschland erlebt, als die verhinderten Kofferbomber die Mohammed-Karikaturen zum Anlass genommen hatten, in Deutschland solche Anschläge vorzubereiten. Insofern ist das genau unsere Befürchtung.«
187 Ermittlungen in DeutschlandNach Angaben des BKA-Präsidenten existieren in Deutschland intakte Netze islamistischer Terroristen vom Einzeltäter bis hin zu selbstständig agierenden Gruppen. Insgesamt würden bundesweit 187 Ermittlungsverfahren gegen islamistische Terroristen geführt, davon 110 vom Bundeskriminalamt. Die Festnahme der Kofferbomber 2006 und der Sauerland-Gruppe im vergangenen Jahr habe lediglich «die Gefahrenspitze gekappt». Die Audio- und Videobotschaften bin Ladens und seines Stellvertreters Al- Zawahiri zeigten, dass Al Qaeda sich sicher fühle und Deutschland immer stärker ins Zielspektrum rücke.
Niederländische Muslime klagen wegen VolksverhetzungIn den Niederlanden fielen die Reaktionen auf den Film bislang weniger radikal aus als befürchtet. Der niederländische Rat der Muslime bemerkte, verletzende Äußerungen über den Islam seien inzwischen normal geworden in den Niederlanden. Die Staatsanwaltschaft will prüfen, ob der Film gegen Gesetze verstoße.
Die Niederländische Islamische Vereinigung klagt gegen den Film wegen Volksverhetzung und fordert für jeden Tag 50.000 Euro Strafe, an dem Wilders den Streifen ausstrahlt. Der Vorsitzende des Nationalen Marokkanischen Rats in den Niederlanden, Mohamed Rabbae, sagte in einer ersten Reaktion, Wilders' Film sei «weniger schlecht» als erwartet. «Aber er vermittelt den Eindruck, dass der Islam Gewalt rechtfertigt, was völlig falsch ist.»
Dutzende bei Protest in Pakistan In Pakistan versammelten sich Dutzende islamische Extremisten zu einem Protest vor einer Moschee in Karachi. Einige forderten, alle diplomatischen Verbindungen zu den Niederlanden zu kappen.
Die Regierung überreichte dem niederländischen Botschafter in Islamabad einen «Protestnote». Indonesien, das bevölkerungsreichste muslimische Land der Erde, kritisierte den Film als irreführend und rassistisch. Der iranische Außenminister verurteilte das Video laut der amtlichen Nachrichtenagentur Irna als «anti-islamisch und beleidigend».
In Indonesien, dem Land mit der weltweit größten muslimischen Bevölkerung, kritisierte eine Sprecherin des Außenministeriums den Film. Er sei «irreführend und voller Rassismus». Ähnliche Äußerungen kamen auch aus dem Iran und aus Bangladesch.
Seitenhieb aus DänemarkUnterdessen meldete sich auch der dänische Karikaturist Kurt Westergaard zu Wort, dessen umstrittene Mohammed-Zeichnungen in der muslimischen Welt Empörung ausgelöst hatten. Er will wegen Urheberrechtsverletzung gegen Wilders vorgehen. Die dänische Journalistengewerkschaft teilte mit, sie werde im Auftrag von Westergaard Klage einreichen. Wilders' Film beginnt und endet mit einer von Westergaards Zeichnungen, einem Bild des Propheten Mohammed mit einer Bombe auf dem Kopf. «Wilders hat das Recht, seinen Film zu machen, aber er hat keine Erlaubnis, meine Zeichnung zu verwenden», sagte Westergaard in einem Telefoninterview des dänischen Fernsehsenders TV2. «Das hat nichts mit Redefreiheit zu tun. Es geht nur um Urheberrecht.»
Wilders selbst erhält schon seit Jahren Morddrohungen und steht unter Personenschutz. Im November 2004 hatte ein muslimischer Extremist in Amsterdam den Regisseur Theo van Gogh ermordet, der ebenfalls einen islamkritischen Film produziert hatte. (nz/dpa/AP)