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Alarmierende Studie: 

Arm und Reich driften rapide auseinander

27. Mrz 2008 11:06
Immer mehr Menschen fallen in Armut
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Die soziale und materielle Ungleichheit in Deutschland nimmt zu. Während das Lohneinkommen in den vergangenen zehn Jahren kaum gestiegen ist, sind Unternehmer, Aktienbesitzer und andere Kapitaleigner deutlich reicher geworden.

Die soziale Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland wächst dramatisch. Die Zahl der Gutverdiener mit sehr hohen Einkommen kletterte in den vergangenen zehn Jahren deutlich, wie eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin zeigt.

Demnach vergrößerte sich der Anteil der Menschen, die mehr als 200 Prozent des Durchschnittseinkommens beziehen, von 6,4 Prozent im Jahr 1996 auf 9,2 Prozent im Jahr 2006. Ebenso deutlich stieg die Zahl der Armen: 1996 hatten 7,3 Prozent der Bevölkerung weniger als 50 Prozent des Durchschnittseinkommens zum Leben. 2006 betrug dieser Anteil aber schon 11,4 Prozent.

Der DIW-Experte Markus Grabka sagte dazu: «Die Daten der letzten fast 25 Jahre belegen ganz eindeutig, dass die Ungleichheit bei den Einkommen zunimmt.» Der Wirtschaftswissenschaftler arbeitet zurzeit auch mit an dem mittlerweile dritten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, der im Frühjahr erscheinen soll.

Zwei Drittel haben kein oder sehr wenig Vermögen

Auch die Ungleichheit beim Vermögensbesitz hat sich nach Einschätzung des Forschers in den vergangenen Jahren verschärft. Nach Grabkas Analyse sind die Vermögen in Deutschland sogar noch viel ungleicher verteilt als die Einkommen. Ein Ende 2007 veröffentlichter DIW-Bericht zeigt für das Jahr 2002, dass zwei Drittel der Bevölkerung über kein oder nur sehr geringes Vermögen verfügen.

Im Gegensatz dazu besitzen die reichsten zehn Prozent knapp 60 Prozent des gesamten Vermögens. Das Mittel des beläuft sich auf knapp 81.000 Euro pro Person, wobei die Menschen in den alten Bundesländern rund 2,6 Mal so viel Vermögen besitzen wie jene in den neuen Ländern.

Lohneinkommen kaum, Aktiengewinne kräftig gestiegen

Zu den Gründen für die Konzentration des Vermögens sagte Grabka: «Schauen Sie sich doch zum Beispiel die Entwicklung der Aktienkurse und der Betriebsvermögen in den vergangenen Jahren an.» Dagegen seien die Lohneinkommen kaum gestiegen. Erst Anfang des Monats hatte ein neues Gutachten der Hans-Böckler-Stiftung gezeigt, dass der aktuelle Konjunkturboom an Arbeitnehmern bislang vorbei gegangen ist. Abgesahnt haben demnach ganz überwiegend Unternehmer, Selbstständige, Aktienbesitzer und andere Kapitaleigner.

«Dramatischer Aufholprozess»

Vor wenigen Wochen hat Grabka zudem in einem Aufsatz dargelegt, dass die von den Volksparteien so umworbene Mittelschicht dramatisch geschrumpft ist. Zwischen 2000 und 2006 sank ihr Anteil an der Bevölkerung von 62 auf 54 Prozent, das entspricht einem Rückgang von 49 auf 44 Millionen Menschen. Dazu sagte er nun: «In Deutschland ist es in den letzten Jahren so gewesen, dass sowohl die Mittelschicht schrumpft als auch die Realeinkommen dieser Gruppe schrumpfen. Das ist eine ausgesprochen besondere Entwicklung.»

Im internationalen Vergleich ist in nahezu allen Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eine wachsende Ungleichheit bei den Einkommen zu beobachten. «Aber das Tempo, das Deutschland vorlegt, ist dabei außergewöhnlich», sagte Grabka. «Deutschland hat hier in den letzten Jahren einen regelrecht dramatischen Aufholprozess aufgenommen - etwa zu Ländern wie Großbritannien, wo schon lange ein hohes Maß an Ungleichheit herrscht.» (AP)

 
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