Krise in Tibet: 

netzeitung.deRufe nach Olympia-Bokott werden lauter

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Ein Boykott durch die Zuschauer ist in China nicht zu erwarten (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ein Boykott durch die Zuschauer ist in China nicht zu erwarten
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Viele Deutsche würden wegen der Ereignisse in Tibet einen Boykott der Olympischen Spiele begrüßen. Doch bei den Politikern gehen die Meinungen genau in die andere Richtung.

Die Diskussion um einen Boykott der Olympischen Spiele in Peking geht auch nach dem Nein des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) weiter. Mehr als die Hälfte der Deutschen ist einer am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Umfrage zufolge generell für einen Boykott - oder zumindest dann, wenn sich die Lage in Tibet nach den Unruhen verschärft. Deutsche Politiker sind tendenziell eher gegen eine Boykott.

DOSB-Präsident Thomas Bach lehnt einen Boykott der Olympischen Spiele ungeachtet aller Kritik weiterhin ab. «Der Sport darf nicht als politischer Knüppel missbraucht werden», sagte Bach in einem Interview des Berliner «Tagesspiegel“. »Ein Boykott ist kontraproduktiv für jedes hehre Ziel.« Isolation sei der falsche Weg. »Wenn die Spiele abgesagt oder boykottiert würden, werden die Schweinwerfer der Weltöffentlichkeit, die sich jetzt auf China richten, wieder abgedreht. Das kann niemand wollen«, meinte Bach.

43 Prozent der Deutschen für Boykott bei Eskalation
Ähnlich sehen das auch 43 Prozent der Deutschen. Laut einer für das Magazin «Vanity Fair» erstellten repräsentativen TNS Emnid-Umfrage sind 24 Prozent der Bundesbürger der Meinung, ein Boykott bringe nichts und 19 Prozent halten den Tibet-Konflikt für eine innere Angelegenheit Chinas. Schon jetzt sind 20 Prozent strikt gegen eine deutsche Beteiligung an den Olympischen Spielen in Peking. Weitere 33 Prozent äußerten sich ablehnend im Fall einer Eskalation des Konfliktes.

Schäuble: Sport löst nicht politische Probleme
Klar gegen einen Boykott der Spiele sprach sich erneut der für Sport zuständige Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) aus. Dies wäre nicht im Sinne derer, die in China für eine Veränderung kämpften, sagte er «Vanity Fair». Man dürfe vom Sport nicht verlangen, dass er Probleme löse, welche die Politik noch nicht lösen konnte. «Wir setzen auf eine Öffnung Chinas und hoffen, dass die Spiele sie fördern.»

Nooke: Einzelaktionen von Sportlern erlauben
Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, lehnt ebenfalls einen Boykott ab. Er forderte jedoch das Internationale Olympische Komitee (IOC) auf, politische Protestaktionen der Sportler während der Olympischen Spiele zu erlauben. Nooke sagte der «Berliner Zeitung»: «Wenn das IOC die Spiele weiter an Länder wie China oder Russland vergeben will, dann muss es den Sportlern auch erlauben, sich politisch zu äußern, und ihnen nicht mehr mit Konsequenzen drohen». Die IOC- Charta verbietet die Zurschaustellung politischer Ansichten.

Grüne: Für Entscheidung zu früh
Neue Kritik an dem DOSB-Beschluss kam unterdessen von den Grünen. «Es ist zu früh zu entscheiden, ob die Olympischen Spiele boykottiert werden oder nicht», sagte ihr menschenrechtspolitischer Sprecher, Volker Beck. Das Nein zu einem Boykott dürfe «je nach Entwicklung nicht in jedem Fall auch das letzte Wort» sein. Die Grünen- Bundestagsabgeordnete Kerstin Müller forderte von China Verhandlungen mit dem Dalai Lama, dem religiösen Oberhaupt Tibets. «Wenn diese Dialogbereitschaft nicht erkennbar ist, dann erwägen wir alles von Teilboykott-Maßnahmen bis hin zu einer vollständigen Nicht- Teilnahme», sagte sie.

Pflug: Wirtschaftlich Druck machen
Der Vorsitzende der Deutsch-Chinesischen Parlamentariergruppe im Bundestag, Johannes Pflug, sprach sich dagegen für wirtschaftlichen Druck statt für einen Boykott aus. Der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Mittwoch) sagte der SPD-Politiker: «Man muss darüber reden, welche Güter man nach China liefert.» So könne zum Beispiel die Lieferung von Luxusgütern ausgesetzt werden. (nz/dpa/AP)