18.03.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Peres und Merkel wollen die Zusammenarbeit vertiefen
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Die deutsche Regierungschefin hofft auf eine bessere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinensern. Peres bezeichnete dies als Schlüssel für den Frieden.
Im Nahost-Friedensprozess darf nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel eine bessere Wirtschaftsentwicklung in den Palästinenser-Gebieten nicht außer Acht gelassen werden. Nach einer einstündigen Unterredung mit dem israelischen Präsidenten Schimon Peres sprach sich die Kanzlerin am letzten Tag ihrer dreitägigen Israel-Reise am Dienstag in Jerusalem insbesondere für eine verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinensern aus. Diese könne «Barrieren überwinden».
Die Kanzlerin sagte zu, dass sie persönlich die Entwicklung des Industrieparks in Dschenin im Westjordanland im Auge behalten wolle. Dieser Industriepark soll ein Pilotprojekt für die Zusammenarbeit sein. Seine Entwicklung stagniert aber seit Jahren. Deutschland versucht, trotzdem weiter Hilfestellung zu geben. Das Entwicklungsministerium hat der palästinensischen Seite nach Angaben der deutschen Delegation einen Kredit in Höhe von 10,5 Millionen Euro angeboten.
Peres dankt MerkelPeres hält eine bessere wirtschaftliche Entwicklung im Nahen Osten als Schlüssel für den Frieden. Die Menschen müssten «Butter und Brot» bekomnmen, es dürfe nicht allein an einer politischen Lösung gearbeitet werden. Peres dankte Merkel mehrfach für ihr Engagement für Israel, aber auch für den Friedensprozess im Nahen Osten allgemein.
Merkel nahm am Vormittag weitere Gespräche mit israelischen Politikern auf, darunter auch mit Oppositionsführer Benjamin Netanjahu. Höhepunkt des Abschlusstages sollte die Rede Merkels vor dem israelischen Parlament, der Knesset, sein. Merkel hatte als erste ausländische Regierungschefin eine Einladung erhalten, vor der Knesset zu reden. Am Montag hatten Deutschland und Israel mit den ersten Regierungskonsultationen ein neues Kapitel in ihren Beziehungen aufgeschlagen.
Knesset-Abgeordnete wollen Merkel-Rede boykottierenMehrere israelische Parlamentarier kündigten an, die Ansprache von Merkel zu boykottieren. Der israelische Rundfunk meldete, Schelly Jachimowitsch von der Arbeitspartei habe mitgeteilt, es sei unsensibel gegenüber Holocaust-Überlebenden, im israelischen Parlament deutsch zu sprechen. Deutschland sei ein Freund Israels, aber man müsse in dieser Generation Rücksicht auf die «verletzten Seelen» der Opfer nehmen, sagte die Tochter von Holocaust- Überlebenden.
Auch der Abgeordnete Arye Eldad vom Parteienbündnis Nationale Union/Nationalreligiöse hatte angekündigt, er wolle das Plenum verlassen, sobald Merkel den Raum betritt. Nach Angaben des israelischen Online-Dienstes «ynet» wollen mindestens fünf der 120 Knesset-Mitglieder die Ansprache boykottieren.
Die Abgeordnete Sara Marom Schalev von der Rentnerpartei, selbst eine Holocaust-Überlebende, kritisierte dies als Populismus. «Es stört mich überhaupt nicht, dass Merkel auf Deutsch sprechen will», sagte sie. Der Vorsitzende des parlamentarischen Innenausschusses, Ofir Pines (Arbeitspartei), verurteilte den Teilboykott ebenfalls. «Der Boykott ist eine Provokation, die nicht angebracht ist, und ich hoffe, sie wird das Ereignis nicht überschatten.» (dpa)