Blutvergießen in Tibet: 

netzeitung.dePeking fürchtet keine Folgen

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Tibeter demonstrieren in Sangchu (Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH)

Lupe Tibeter demonstrieren in Sangchu
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH

China lässt sich von der weltweiten Empörung nicht beeindrucken. Das Regime in Peking ist überzeugt, für das brutale Vorgehen in Tibet nur einen bescheidenen Preis zu zahlen, meint die internationale Presse. «De Volkskrant»: Westen kann in Peking nur auf Mäßigung dringen «Die chinesischen Machthaber stehen vor einem großen Dilemma. Hartes Durchgreifen, bei dem viel Blut fließt, bringt das Risiko einer erheblichen Beschädigung ihres Ansehens. Es wäre ein Makel auf den Olympischen Spielen und würde manche Sportler vielleicht dazu bringen, die Reise nach Peking abzusagen. Zurückhaltung wiederum könnte als Zeichen der Verzweiflung und der Schwäche aufgefasst werden. (...)

«De Volkskrant»: Westen kann in Peking nur auf Mäßigung dringen
«Die chinesischen Machthaber stehen vor einem großen Dilemma. Hartes Durchgreifen, bei dem viel Blut fließt, bringt das Risiko einer erheblichen Beschädigung ihres Ansehens. Es wäre ein Makel auf den Olympischen Spielen und würde manche Sportler vielleicht dazu bringen, die Reise nach Peking abzusagen. Zurückhaltung wiederum könnte als Zeichen der Verzweiflung und der Schwäche aufgefasst werden. (...)

Dem Westen bleibt in dieser Phase nicht viel anderes als in Peking auf Mäßigung und auf eine politische Lösung des Tibet-Problems zu dringen. Der Aufruf zum Boykott der Spiele bleibt ein Schuss in die falsche Richtung. Auch der Dalai Lama ist davon nicht eingenommen. Aber wenn sich die Krise verstärkt, kommt die Trennung von Sport und Politik schwer unter Druck. Auch das Internationale Olympische Komitee, das sich bisher völlig herausgehalten hat, scheint das zu begreifen, wie seine gestern veröffentlichte Erklärung zeigt. Dieser Aufruf an die Adresse Pekings kommt keinen Moment zu früh.»
«Financial Times»: Peking sollte Ölzweig des Dalai Lama annehmen
«Weit davon entfernt, Peking dankbar zu sein für Modernisierung und Entwicklung, verachten viele Tibeter die Regierung und die chinesischen Immigranten, die Tibet überflutet haben und das Geschäftsleben dominieren. Darum sind sie nach dem jetzigen Jahrestag des gescheiterten Aufstands gegen die chinesische Herrschaft vom 10. März 1959 randalierend durch Lhasa und andere Städte gezogen und haben chinesische Geschäfte niedergebrannt. (...) Der Dalai Lama hat Chinas »Terrorherrschaft« und einen »kulturellen Völkermord« verurteilt, aber er hat zugleich darauf verzichtet, Rufe nach einem Boykott der Olympischen Spiele in Peking zu unterstützen. Angesichts der aktuellen Gewalttätigkeiten ist das ein Ölzweig und die chinesischen Führer sollten dieses Friedensangebot annehmen.»
«La Repubblica»: Pekings kalkuliertes Risiko
«Die internationale Entrüstung angesichts des Leidens in Tibet und die Demonstrationen vor chinesischen Botschaften überall in der Welt beeindrucken die Führer in Peking nicht. Mit der grausamen Niederschlagung der Revolte geht das chinesische Regime ein kalkuliertes Risiko ein. Denn Präsident Hu Jintao und seine Führungsgruppe sind davon überzeugt, für diese Tage des Grauens nur einen bescheidenen Preis bezahlen zu müssen, was die Beziehungen zum Rest der Welt angeht. Wahrscheinlich haben sie Recht. China ist ein Koloss, den die anderen Nationen mit Samthandschuhen anfassen. Unter den westlichen Regierungen scheint die Logik der Realpolitik die Oberhand zu behalten über die humanitäre Solidarität.»
«Corriere della Sera»: Druck auf Peking ausüben
«Der Fall Tibet bedrückt das internationale Gewissen nicht erst seit heute, sondern mindestens schon 50 Jahre lang. Jetzt kommt es kurz vor den Olympischen Spielen zur Explosion. Vielleicht gibt es eine Regie hinter alledem. Doch wenn damit auch eine tatsächliche politische Dynamik verbunden ist, die Tibet wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt, dann ist das nützlich, um China zu drängen, die Minderheiten und die Opposition so zu respektieren, wie Peking dies zu tun behauptet. Es ist undenkbar, dass ein Friedensereignis wie die größte Sportveranstaltung der Welt befleckt wird durch eine systematische und unentschuldbare Verletzung der Menschenrechte.»
«Neue Osnabrücker Zeitung»: Sport als Spielball der Politik
«1980 wollte der Westen mit dem Boykott der Spiele in Moskau als Antwort auf den russischen Einmarsch in Afghanistan Stärke beweisen. Doch die politischen Muskelspiele veränderten die Welt nicht. Die Leidtragenden waren die Sportler. Und jetzt sollen sie wieder zum Spielball der Politik werden? Das darf nicht sein. Die Athleten arbeiten vier Jahre auf Olympia hin. Sie haben ein Recht, dort zu starten. Auch wenn die brutale Niederschlagung der Proteste in Tibet zeigt, wie wenig China den olympischen Geist verinnerlicht hat, wäre ein Boykott der falsche Weg. Der Sport kann nicht die moralische Instanz der Welt sein.»
«Süddeutsche Zeitung»: Niemand will einen Boykott
«Wie soll der Rest der Welt auf die Brutalität Pekings, auf dessen anhaltende Sabotage der olympischen Idee reagieren? Einen Olympia- Boykott, wie ihn der US-Schauspieler Richard Gere unter dem Eindruck des Blutvergießens in Tibet zur Diskussion stellt, will niemand wirklich. Das wäre nicht nur all den Sportlern gegenüber unfair, die sich hart auf ihre Wettkämpfe in Peking vorbereitet haben und von einer Medaille träumen. Ein Boykott würde auch den endgültigen Verzicht auf das bedeuten, was diese Olympischen Spiele möglicherweise noch an Gutem bewirken können.» (nz)

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