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Ausländer zur Ausreise aufgefordert: 

China sperrt Tibet ab

17. Mrz 2008 07:52, ergänzt 09:23
Mönche beten in Tibet für die Opfer der Gewalt
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Mit massivem Einsatz von Sicherheitskräften versucht die chinesische Regierung, die Lage in Tibet unter Kontrolle zu bekommen. Das tibetische Außenamt empfiehlt Touristen, das Land zu verlassen, und verhängt ein Einreiseverbot.

Die chinesischen Sicherheitskräfte haben bei Razzien in der tibetischen Hauptstadt Lhasa nach exiltibetischen Angaben Hunderte von Tibetern festgenommen. Wie das exiltibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) am Montag aus Indien berichtete, gibt es solche Razzien seit Sonntag. Die Sicherheitskräfte gingen von Haus zu Haus und nähmen alle verdächtigen Tibeter, insbesondere junge Leute fest. Dabei würden die Tibeter auch geschlagen. Es seien bereits alle früheren politischen Häftlinge aufgegriffen und wieder in Haft genommen worden.

Die Proteste hatten am Wochenende von Lhasa auch auf andere Orte sowie auf Klöster in anderen Regionen des alten tibetischen Territoriums in den angrenzenden Provinzen Gansu, Sichuan und Qinghai übergegriffen. Nach einer Demonstration in Aba (Ngaba) in Sichuan seien acht Tote in das Ngaba Kirti Kloster gebracht worden, berichtete das TCHRD-Zentrum. Bewaffnete Sicherheitskräfte hätten «wahllos in die friedlich protestierenden Tibeter geschossen».

Sicherheitskräfte halten Demonstranten fest

Auch in der Provinz Gansu sei es zu weiteren Protesten gekommen, wie erst am Montag bekanntwurde. Rund 500 tibetische Studenten an der North Western Nationality University in der Provinzhauptstadt Lanzhou hätten auf dem Universitätsgelände demonstriert und Flugblätter verteilt, berichtete das exiltibetische Zentrum. Sicherheitskräfte seien gegen die Demonstranten vorgegangen und hielten 300 von ihnen auf dem Gelände fest.

Von Zwischenfällen berichtete die Organisation auch aus zwei Orten im Kreis Maqu in Gansu. 1500 Tibeter hätten am Sonntag in der Kreisstadt Maqu für Unabhängigkeit demonstriert und ein Auto in Brand gesetzt. In Nyurla zerstörten 250 Tibeter die Türen von Amtsstuben, holten die chinesische Nationalfahne ein und hissten dafür die tibetische Flagge. Paramilitärische Polizei sei auf Lastwagen in die Gegend gebracht worden, um Proteste zu unterbinden.

Unstimmigkeit über Waffeneinsatz

Bei den schweren Unruhen in Tibet sind nach Angaben der tibetischen Regierung 13 Menschen ums Leben gekommen. Die Opfer seien niedergestochen worden oder verbrannt. Bei dem Einsatz gegen die tibetischen Demonstranten seien 61 Polizisten verletzt worden, davon sechs schwer, berichtete Tibets Regierungschef Qiangba Puncog am Montag auf einer Pressekonferenz in Peking. Ausdrücklich hob der Regierungschef hervor, dass die Sicherheitskräfte nicht auf Demonstranten geschossen hätten.

Auf Fragen verwies Tibets Regierungschef nur auf drei Unruhestifter, die von einem Dach gesprungen seien, um sich der Festnahme zu entziehen. Unklar blieb, ob die drei dabei ums Leben kamen.

Die genaue Zahl der Toten auf Seiten der tibetischen Demonstranten ist nach wie vor unklar. Nach exiltibetischen Angaben aus Indien sind rund 90 Menschen ums Leben gekommen.

Ausreiseempfehlung nur vorübergehende Maßnahme

Die chinesischen Behörden forderten indessen alle Ausländer in Tibet zum Verlassen des Hochlands auf. Unter Hinweis auf die angespannte Sicherheitslage werden auch keine ausländischen Touristen mehr nach Tibet gelassen. Unklar blieb, ob die Anweisung zwingend war, doch deutete vieles darauf hin.

Der Sprecher des tibetischen Außenamtes wurde in den amtlichen Medien mit den Worten zitiert: «Wir empfehlen ausländischen Touristen, Tibet in den kommenden Tagen zu verlassen.» Das Außenamt werde bei der Ausreise behilflich sein.

Der tibetische Regierungschef Qiangba Puncog wies vor der Presse in Peking darauf hin, dass außer Touristen auch alle in Tibet ansässigen Ausländer die Region verlassen sollten. Es handele sich aber nur um eine vorübergehende Maßnahme.

Bereits am Vortag waren alle ausländischen Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen aufgefordert worden, bis spätestens Montag Tibet zu verlassen. (dpa)

 
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