Tourismus-Marketing: 

netzeitung.deDeutschland will US-Auswanderer locken

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Vom Hamburger Hafen aus zogen tausende Auswanderer in die neue Welt (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Vom Hamburger Hafen aus zogen tausende Auswanderer in die neue Welt
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Von deutschen Häfen aus zogen ihre Vorfahren vor 400 Jahren über den Atlantik gen Westen. Heute forschen die Nachfahren der ersten Auswanderer nach ihren Wurzeln - für Deutschland eine Chance im stagnierenden US-Geschäft.

Mit einer halben Million Euro will das Bundeswirtschaftsministerium 2009 das Auslandsmarketing für Deutschland in den USA fördern. Die Summe soll eine weltweite Imagekampagne unterstützen, die die Deutsche Zentrale für Tourismus anlässlich des 400. Jubiläums der Auswandererbewegung veranstaltet. Anfang des 17. Jahrhunderts hatten die ersten Deutschen das Land Richtung USA verlassen. Auswanderermuseen in Cuxhaven, Bremerhaven und Hamburg erinnern daran.

Das Ressort von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) werde die Summe für den kommenden Haushaltplan anmelden, heißt es in einem Brief von Kanzleramtsminister Thomas de Maiziere (CDU) an Abgeordnete der Unionsfraktion, der der Netzeitung vorliegt. Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Tourismus der Fraktion, Klaus Brähmig, und sein Stellvertreter Jürgen Klimke hatten ihre Parteikollegin, Bundeskanzlerin Angela Merkel, gebeten, die Auswanderermuseen mit einer Million Euro zu unterstützen. Denn viele Nachkommen der Emigranten wollen «Back to the roots», wie Klimke sagt. Sie erforschen ihre Wurzeln, die in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Hamburg und dem übrigen Norden liegen. Nach «Gardening» geben US-Amerikaner diesen Zeitvertreib als das zweitliebste Hobby an. Sie könnten auch vor Ort in deutschen Kirchenbüchern und Archiven forschen – wenn sie denn von dieser Möglichkeit wüssten.
Anlaufstelle für Amerikaner
Der aus Hamburg stammende Klimke will die drei Museen deshalb zu «Anlaufstellen» für die Amerikaner gemacht wissen. Eine verstärkte Förderung dieser Region wäre für ihn auch der Anfang vom Ende eines Ungleichgewichts: In Deutschland leidet der Norden seit Jahrzehnten unter der Dominanz des touristisch viel stärker erschlossenen Südens. Bayern ist weltweit ein Begriff, aber wer kennt schon Fehmarn oder Bremen?

Die Kampagne würde auch helfen, die wegen der Dollarschwäche stagnierenden US-Touristenzahlen zu steigern, argumentieren die Verfasser des Briefes an die Kanzlerin. Unterstützung für das zusätzliche Marketing kam bereits vom Tourismusbeauftragten der Bundesregierung, Ernst Hinsken.

Das Bundeskanzleramt heißt das Anliegen grundsätzlich für gut. Denn die Vereinigten Staaten sind für Deutschland der wichtigste Tourismusmarkt außerhalb Europas. Allerdings, so Kanzleramtschef de Maiziere, dürfe sich das nicht nur auf die drei Auswandermuseen beschränken, sondern müsse Deutschland als Ganzes betreffen. Das Nord-Süd-Gefälle bleibt also bestehen.


Für das Web ediert von Tilman Steffen