26.09.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Mutter Cha Pan-rye (l.) lebt in Südkorea, ihre Familie in Nordkorea
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Nach zwei Jahren Pause gab es eine Annäherung: Rund hundert auseinandergerissene Familien aus Süd- und Nordkorea durften sich sehen - das private Glück markiert auch eine Phase der Entspannung zwischen den beiden Ländern.
Bewegendes Wiedersehen nach jahrzehntelanger Trennung: Dank der jüngsten Bemühungen Süd- und Nordkoreas um Annäherung konnten sich wieder Angehörige zerrissener Familien treffen. Die auf wenige Tage beschränkten Begegnungen begannen am Samstag wie bei ähnlichen Zusammenführungen zuvor im kommunistischen Nordkorea. Das Begegnungsprogramm für getrenntlebende koreanische Familien war angesichts politischer Spannungen fast zwei Jahre unterbrochen.
Kein Kontakt ist die Regel Knapp 100 ältere Südkoreaner wurden mit Bussen über die schwer bewachte Grenze zum Treffpunkt am Kumgang-Gebirge an der Ostküste gebracht. Dort wurden sie Berichten südkoreanischer Medien zufolge von ihren Verwandten - rund 240 Nordkoreaner - erwartet. Einige der Teilnehmer aus dem Süden wurden aufgrund ihrer Gebrechlichkeit von Familienmitgliedern begleitet.
Mehr als drei Viertel sind 70 Jahre oder älter. Für viele ist es die letzte Chance, ihre Ehepartner, Kinder und Geschwister noch einmal zu sehen. Sie hatten sie durch die Landesteilung und den Korea-Krieg (1950-53) aus den Augen verloren. Bis heute ist für die Betroffenen in der Regel kein Kontakt über die abgeriegelte Grenze hinweg per Brief, E-mail oder Telefon möglich.
Unzählige BewerberDas südkoreanische Fernsehen zeigte Bilder, wie sich einzelne Teilnehmer mit Tränen in den Augen in den Armen lagen. «Ich kann nicht glauben, dass ich nach fast 60 Jahren meinen Vater wiedersehe», sagte der 69 Jahre alte Jun Seung Son aus Nordkorea. «Gott hat mich am Leben erhalten, um mir zu helfen, dich wiederzusehen», sagte der 89-jährige Vater Jun Ki Dal, der Nordkorea während des Korea-Kriegs Richtung Süden verlassen hatte.
Bis zum Montag können die Südkoreaner mit ihren Verwandten aus dem Norden sprechen. Die südkoreanischen Teilnehmer wurden per Computerlotterie unter unzähligen Bewerbern ausgelost. Vom kommenden Dienstag an können dann 99 Nordkoreaner über drei Tage Angehörige aus Südkorea sehen.
Nach den zum Teil heftigen Spannungen in den vergangenen Monaten sind die Familientreffen ein weiteres Zeichen für die jüngsten vorsichtigen Bemühungen um eine Annäherung beider Länder. Auf die Treffen hatten sich die Rot-Kreuz-Verbände Süd- und Nordkoreas Ende August geeinigt. (dpa)