Gesine Schwan sorgt sich wegen tiefer Rezession: 

netzeitung.de«Die Wut der Menschen könnte wachsen»

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Ausschreitungen wie hier am 1. Mai in Kreuzberg (2008) dürften wohl auch trotz schlechter Wirtschaftslage die Ausnahmen bleiben (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ausschreitungen wie hier am 1. Mai in Kreuzberg (2008) dürften wohl auch trotz schlechter Wirtschaftslage die Ausnahmen bleiben
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Minus sechs Prozent Wirtschaftswachstum drohen - diese neue Prognose ist so schlecht, dass sich Politik, Wirtschaft und Sozialverbände sorgen. Steht Deutschland erstmals seit Jahrzehnten vor sozialen Konflikten?

Angesichts der tiefen Wirtschaftskrise wächst die Sorge vor sozialen Konflikten in Deutschland. «Ich kann mir vorstellen, dass in zwei bis drei Monaten die Wut der Menschen deutlich wachsen könnte», sagte die SPD-Kandidatin für das Bundespräsidentenamt, Gesine Schwan, dem «Münchener Merkur». «Dann laufen vermutlich abfedernde Maßnahmen wie das Kurzarbeitergeld aus. Wenn sich dann kein Hoffnungsschimmer auftut, dass sich die Lage verbessert, dann kann die Stimmung explosiv werden. Schließlich gibt es seit Jahren in Deutschland ein Unbehagen über die wachsende soziale Kluft», so Schwan wörtlich. Zuvor hatte schon DGB-Chef Michael Sommer vor sozialen Unruhen gewarnt.
Absage an neues Konjunkturpaket
Am heutigen Donnerstag wird in Berlin das Frühjahrsgutachten der führenden Wirtschaftsinstitute vorgelegt. Darin wird vermutlich ein Wirtschaftseinbruch von 6,0 Prozent vorausgesagt - so stark wie noch nie seit der Weltwirtschaftskrise vor fast 80 Jahren. Am Mittwoch hatten in Berlin Spitzenvertreter von Regierung, Wirtschaft und Gewerkschaften die schwierige Lage beraten. Die Bundesregierung wehrte Forderungen der Gewerkschaften nach einem dritten Konjunkturpaket ab. Die bisherigen Maßnahmen mit einem Volumen von 80 Milliarden Euro müssten erst einmal wirken. Der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz, der an den Beratungen im Kanzleramt teilgenommen hatte, sagte dem «Mannheimer Morgen»: «Jetzt müssen wir erst mal die beiden anderen, vor allem das zweite (Konjunkturpaket), wirken lassen.»
Ein Programm für die Welt
Franz, der auch Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ist, betonte, dass die in der Krise gesunkenen Energie- und Nahrungsmittelpreise mit einem Volumen von rund 30 Milliarden Euro im Jahr fast wie ein drittes Paket wirken würden.

Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, sprach von der «schlimmsten Depression» seit der Weltwirtschaftskrise. Trotz aller negativen Vorzeichen gingen im Gegensatz zu den USA von Deutschland aber noch positive Impulse aus. «Das ist ein Konjunkturprogramm für die Welt, was wir hier machen», sagte er mit Blick auf die starken Importe des Exportweltmeisters.(dpa)