06.01.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Hahn an einer Gas-Pipeline in der Ukraine
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Erst meldeten Bulgarien und die Türkei Lieferausfälle - jetzt fürchtet Eon Ruhrgas, dass auch hierzulande schon in Kürze kein russisches Erdgas mehr ankommt. Dennoch warnen die Versorger vor Panik.
Lieferausfälle bei russischem Erdgas trifft nun auch Deutschland. «Wir bemerken Mengenkürzungen auf der Transitroute durch die Ukraine», sagte der Sprecher des Gasimporteurs Wingas, Stefan Leunig, am Dienstag in Kassel. Zum Umfang der Lieferausfälle machte er keine Angaben.
Leunig betonte gleichzeitig, die Versorgungsengpässe würden keine Auswirkungen auf die deutschen Wingas-Kunden haben. Der Konzern beziehe den größten Teil des von ihm importierten russischen Gases nicht über die Ukraine, sondern über Weißrussland. Außerdem verfüge das Unternehmen über gut gefüllte Gasspeicher, die eine Versorgung über mehrere Wochen gewährleisteten. Wingas ist nach eigenen Angaben drittgrößter Gasversorger Deutschlands. Kunden von Wingas sind Stadtwerke und Industriekunden.
Wie der größte deutsche Gasimporteur Eon Ruhrgas in Essen mitteilte, erwartet er noch am heutigen Dienstag einen völligen Ausfall der russischen Gaslieferungen über die Ukraine nach Deutschland. Die Lieferungen der für Europa bestimmten russischen Erdgasmengen seien seit Dienstagmorgen «massiv eingeschränkt». In Branchenkreisen hieß es, Eon Ruhrgas habe bereits einen Druckabfall festgestellt.
Allerdings betonte das Unternehmen, die Versorgung der Kunden sei derzeit sichergestellt. «Aber auch unsere Möglichkeiten stoßen an ihre Grenzen, wenn diese drastischen Lieferkürzungen anhalten und die Temperaturen weiterhin auf sehr niedrigem Niveau bleiben», fügte der Chef von Eon Ruhrgas, Bernhard Reutersberg, hinzu. In den deutschen Gasspeichern belaufen sich die Vorräte auf rund ein Viertel des Gasverbrauchs in 2007.
EU kritisiert Lieferausfälle scharfDerweil reagierte die EU mit Empörung auf die Einschränkung russischer Gaslieferungen an ihre Mitgliedstaaten. «Diese Situation ist inakzeptabel», kritisierten die EU-Kommission und die tschechische Ratspräsidentschaft am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung. «Ohne vorherige Warnung und in klarem Widerspruch zu den Zusicherungen der höchsten Verantwortlichen in Russland und der Ukraine gegenüber der Europäischen Union sind die Gaslieferungen an einige EU-Staaten deutlich gekürzt worden.»
Die Kommission und die Ratspräsidentschaft forderten «eine sofortige Wiederherstellung der Gaslieferungen an die EU». Zudem müssten die Ukraine und Russland «ihre Verhandlungen unverzüglich wieder aufnehmen». Eine Schuldzuweisung an eine der beiden Konfliktparteien wird in der Erklärung vermieden.
Der russische Gazprom-Konzern hatte am Montagabend angekündigt, er werde die für die EU bestimmten Lieferungen durch die Ukraine einschränken. Dies sei ein Ausgleich dafür, dass die Ukraine für die EU-Staaten bestimmtes Gas aus den Pipelines entnommen habe. Gazprom hatte seine Gaslieferungen an die Ukraine am 1. Januar eingestellt, für die EU bestimmtes Gas aber weiter durch Pipelines auf ukrainischem Territorium geleitet.
In dem anhaltenden Gasstreit geben sich beide Seiten gegenseitig die Schuld für die Lieferausfälle. Russland wirft der Ukraine vor, sie zapfe das für Westeuropa bestimmte Gas illegal an. Diesen Vorwurf weist die ukrainische Regierung zurück. In Kiew wiederum behauptet das Gasunternehmen Naftogaz, Russland wolle die Durchleitung seines Gases durch die Ukraine komplett einstellen. (nz/dpa/AP)