30.12.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Radikalisierte Demonstranten im Jemen
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Während die Angriffe der Israelis auf Gaza weiter gehen, formieren sich Proteste in arabischen Ländern - allerdings gegen Ägypten. Die EU und Außenminister der Region suchen auf Treffen nach Lösungen.
Die israelischen Luftschläge in Gaza verstärken die schwelenden Konflikte zwischen den arabischen Staaten. Syrien forderte Ägypten zum Kurswechsel gegenüber Israel. Im Jemen stürmten Demonstranten das ägyptische Konsulat. Unterdes gingen die Luftangriffe weiter.
In Syrien nutzte die Regierung die in Damaskus erscheinende, staatlich kontrollierte Tageszeitung «Tishreen» für ihren Kommentar zum Verhalten Ägyptens. Ägypten solle «zurückkehren zu seiner eigentlichen Rolle als arabisches Land, das sich in der Palästinenserfrage dem politischen Kampf gegen Israel stellt», hieß es dort in einem Artikel. Die Solidarität des ägyptischen Volkes mit den Palästinensern sei offensichtlich größer als die der politischen Führung in Kairo.
Ausschreitungen in Sanaa und AdenIm in der jeminitischen Hafenstadt Aden haben mehrere Dutzend Demonstranten das ägyptische Konsulat gestürmt. Nach Angaben von Augenzeugen richteten sie erheblichen Sachschaden an, warfen Computer aus den Fenstern und hissten über dem dreistöckigen Gebäude die Fahne Palästinas. Die Randalierer, die nach eigenen Angaben ihrer Wut über die Haltung der ägyptischen Führung im Nahost-Konflikt ausdrücken wollten, wurden von der Polizei schließlich mit Tränengas vertrieben. Einige von ihnen wurden laut Augenzeugen festgenommen.
In der Hauptstadt Sanaa hinderte die Polizei am Dienstag Tausende von Demonstranten daran, zur ägyptischen Botschaft zu marschieren. In Sprechchören kritisierten sie den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak, weil dieser den Grenzübergang zwischen Ägypten und dem palästinensischen Gazastreifen trotz der massiven israelischen Luftangriffe der vergangenen Tage nur für Hilfsgüter und Verletzte öffnen ließ.
Treffen arabischer und EU-AußenministerDie Parlamente des Iraks und der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hatten am Montagabend die israelischen Attacken in dem von der radikal-islamischen Hamas kontrollierten Gazastreifen verurteilt. In einer Erklärung des Parlamentes in Abu Dhabi war von «barbarischen Operationen Israels gegen die Palästinenser die Rede».
Die EU-Außenminister wollen am Dienstagabend in Paris über die jüngste Eskalation der Gewalt im Nahen Osten beraten. Die französische EU-Ratspräsidentschaft hatte am Vorabend zum Krisentreffen eingeladen, um über die Lage im Nahen Osten zu beraten. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hatte zuvor telefonisch mit seinem ägyptischen Amtskollegen Husni Mubarak die Lage im Gazastreifen erörtert. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier werde sich durch einen Staatssekretär vertreten lassen, hieß es in Berlin.
Angriffe auf Hamas-RegierungsgebäudeAm Mittwoch wollen die arabischen Außenminister in Kairo zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen kommen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an die Teilnehmer, «schnell und entschieden zu handeln, um diese ausweglose Situation zu einem raschen Ende zu bringen».
Israel hat unterdessen seine Angriffe auf Regierungsgebäude der Hamas im Gazastreifen fortgesetzt. In Gaza wurden mindestens 16 Bomben abgeworfen, wie Augenzeugen erklärten. Palästinensischen Rettungskräften zufolge wurden rund 40 Menschen verletzt.
Bei Raketenangriffen militanter Palästinenser wurden am Montag vier Israelis getötet und acht verletzt. Die Geschoße trafen die Stadt Aschdod, die Gemeinde Nahal Os in der Wüste Negev und die Stadt Aschkelon. Nach Militärangaben war unter den Getöteten auch ein Soldat. Fünf weitere wurden zum Teil schwer verletzt.
Boot mit Demonstranten gestopptVor der Küste des Gaza-Streifens haben Israelis das Boot «Dignity» mit pro-palästinensischen Demonstranten gerammt und gestoppt. Die Insassen des Bootes hätten eine Aufforderung zur Umkehr nicht befolgt, sagte ein Sprecher des israelischen Außenministeriums, Jigal Palmor. Bei dem Versuch, einem Schiff der Marine auszuweichen, hätten sie dieses gerammt, wobei beide Schiffe leicht beschädigt worden seien. Die Marine habe das Boot anschließend in zyprisches Hoheitsgewässer eskortiert.
Die «Dignity» wurde von der Free-Gaza-Bewegung gechartert. Die US- Menschenrechtsorganisation hat seit August bereits mindestens fünf Fahrten mit Hilfslieferungen organisiert, um die israelische Seeblockade des Gazastreifens symbolisch zu durchbrechen. Die israelische Marine hatte die Schiffe bislang passieren lassen. (nz/AP/dpa)