03.12.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Siedler warfen Steine auf Palästinenser
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Im Streit um ein Haus in Hebron griffen junge jüdische Siedler Moscheen an und warfen Steine auf Palästinenser. Selbst das israelische Militär kritisiert das Vorgehen - und befürchtet eine Ausbreitung der Unruhen.
Die jüngsten Ausschreitungen in der größten Stadt im Westjordanland gingen noch über das hinaus, was der gewalterfahrene biblische Ort sonst gewohnt ist. Israelische Militärs werfen den Siedlern - einer radikalen Minderheit in der geteilten Stadt - jetzt vor, sie zündelten absichtlich an der Lunte des Pulverfasses Hebron, um eine geplante Räumung des von jüdischen Siedlern bewohnten Gebäudes zu verhindern.
Die Siedler kämpfen mit harten Bandagen um das vierstöckige Gebäude, in dem seit März vergangenen Jahres mehrere jüdische Familien leben. Bei Straßenschlachten hunderter, zumeist jugendlicher rechtsorientierter Israelis mit Palästinensern in Hebron flogen die Steine.
Friedhöfe geschändet, Moscheen beschmiertAm Dienstag kam es auch an anderen Orten des Westjordanlands zu Schikanen und Verwüstungen. Dabei wurden nach Medienberichten muslimische Friedhöfe geschändet, Moscheen mit Graffiti beschmiert, der Prophet Mohammed als Schwein verunglimpft, Fensterscheiben zerschlagen und Autoreifen aufgeschlitzt. Einige Palästinenser erzählten, Siedler hätten Hunde auf sie gehetzt, die sie mit Bissen verletzten. Ein israelischer Militär verglich das Verhalten der Siedler gar mit dem von «Antisemiten im Ausland».
David Wilder, Sprecher der Siedler in der Stadt, beschrieb das Steinewerfen jedoch als «reinen Akt der Selbstverteidigung». Er bezeichnete die schwere Kopfverletzung eines jugendlichen Siedlers durch einen von Palästinensern geschleuderten Stein als «Mordversuch». «Es ist ganz schlimm, dass die Armee das nicht verhindert hat», sagte Wilder am Mittwoch entrüstet.
Gewalt ist «unangemessen und nicht unser Weg»Doch aus dem Siedlerlager waren auch selbstkritische Stimmen zu hören. Rabbiner Elieser Waldmann, Leiter der Religionsschule Nir Hesder, äußerte sich im Gespräch mit der Zeitung «Jediot Achronot» beschämt und sagte, die Gewalt sei «unangemessen und nicht unser Weg». Schlomo Levinger, einer der Bewohner des umstrittenen Gebäudes, das die Siedler «Haus des Friedens» nennen, gab zu: «Leider haben wir die Kontrolle verloren.» Gleichzeitig drohte er, bei einem Räumungsversuch durch die Armee werde es seitens der Siedler «keine Umarmungen und Küsschen» geben.
Die Besitzverhältnisse des umstrittenen Gebäudes sind nicht geklärt, die komplizierten Hintergründe des angeblichen Verkaufs des Hauses durch den palästinensischen Besitzer an jüdische Siedler füllten am Mittwoch ganze Zeitungsseiten. Fazit ist, Fais Radschabi, der ursprüngliche palästinensische Besitzer, bestreitet den Verkauf, die Siedler pochen hingegen auf ihr Besitzrecht. Er wolle «lieber sterben, als das Haus aufgeben», sagte Radschabi.
Kritik auch aus dem MilitärDas Oberste Gericht Israels entschied im vergangenen Monat zwar nicht über die Besitzfrage, ordnete jedoch eine Räumung binnen drei Tagen an. Die israelische Armee fürchtet nun im Streit um die Räumung, dass die Gewalt von Hebron auf andere Palästinensergebiete übergreift und Blut fließt.
Die Palästinenser könnten insbesondere auf die Schändung von Friedhöfen und Moscheen mit neuer Gewalt reagieren, warnte ein israelischer Offizier im Gespräch mit «Jediot Achronot». Er warf den Siedlern vor, sie wollten mit allen Mitteln eine Räumung des «Hauses des Friedens» verhindern und versuchten deshalb, «einen Religionskrieg anzuzetteln, der die ganze Region in Brand setzen kann». (Sara Lemel, dpa)