Ein Spitzenkandidat und sein Internet-Auftritt: 

netzeitung.deDie schlichte Website von Schäfer-Gümbel

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Hessens SPD Herausforderer von Roland Koch: Thorsten Schäfer-Gümbel (Foto: Website<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Hessens SPD Herausforderer von Roland Koch: Thorsten Schäfer-Gümbel
Foto: Website
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Doppelname des neuen Spitzenkandidaten der hessischen SPD reizt zum Spott. Doch wer ist Thorsten Schäfer-Gümbel eigentlich? Jens Teschke hat sich die Website des neuen Spitzenmanns näher angeschaut.

Thorsten Schäfer-Gümpel mag es ordentlich. Auf seiner Website findet sich kein großer Schnick-Schnack, wie er bisweilen so von fleißigen Werbeagenturen den Politikern für ihre Websites als «total innovativ» verkauft wird. Nein, Schäfer-Gümbel hat kein Podcast und kein Videocast - überhaupt mag es der neue Mann der Hessen-SPD für das Amt als Ministerpräsident schlicht. Das Konterfei des Hoffnungsträgers auf der Startseite wirkt allerdings ein bisschen überbelichtet, die Pose mit Handy in der Hand und Blick in die Kamera hat etwas von Schnappschuss, wirkt im besten Sinne unverkrampft, oder, böswillig gesprochen, dilettantisch.
Gümbel interessiert sich für Bildungsurlaub
Blicken wir mit Thorsten Schäfer-Gümbel, Genossen nennen ihn gerne auch nur TSG in Anspielung auf Hoffenheim, auf seine Arbeit im Wiesbadener Landtag. Im Menüpunkt «Wiesbaden» finden sich seine Parlamentarischen Initiativen. Zuletzt gab es von ihm eine kleine Anfrage zum Thema «Bildungsurlaub in Hessen». Konkret ging es da um die für Schäfer-Gümbel wichtige Frage «Welchen Bedarf zur Weiterentwicklung des Hessischen Bildungsurlaubgesetzes sieht die Landesregierung?» Seine Anfrage stammt vom 16. Januar und darf daher wohl nicht so gedeutet werden, als dass der Abgeordnete schon damals eigentlich nur wissen wollte, wie er vielleicht selber Bildungsurlaub als Vorbereitung für seine nun anstehende Kandidatur für das Amt des Ministerpräsidenten in Anspruch nehmen könnte.

Ansonsten hat sich der SPD-Mann mit Themen wie den «Tempo-30-Zonen an hessischen Kindertagesstätten» und der «Bewältigung der zu erwartenden Borkenkäferplage» beschäftigt. Themen, deren Wahlkampf-Potenzial vielleicht nur noch nicht erkannt wurde.

Wankelmütiger Abgeordneter
Schäfer-Gümbels Wahlkreis ist Gießen-Land, zu dem so malerische und schön-klingende Städte und Gemeinden wie Hungen, Lich und Rabenau sowie Langgöns gehören. Die jeweiligen Ortvereine sind dazu auf der Website verlinkt, lassen aber auch hier ein bisschen an Bildern vermissen. Überhaupt: Schäfer-Gümbel ist kein visueller Mensch. Bilder, Photos jenseits der für eine Abgeordneten-Website als Standard mitgelieferten, finden sich auf seiner Website keine.

Dafür aber Text. Und da kann man schon einiges erfahren. Der Mann, der die SPD nun endlich an die Spitze und in das Amt des Ministerpräsidenten bringen soll, erscheint schon beim ersten Blick auf den tabellarischen Lebenslauf wankelmütig. Da erfährt der Leser nämlich, dass Thorsten Schäfer-Gümbel zwar römisch-katholisch getauft wurde, jetzt aber evangelisch ist. Das klingt doch schon auch wieder ein bisschen nach Wortbruch, oder?
Seit 1986 in der SPD
Immerhin, der Mann hat Stallgeruch. Seit 1986 ist er Parteimitglied, damals war er 18 Jahre alt. Seitdem hat er konsequent für die Partei gearbeitet, hatte als Student auch ein Stipendium der parteinahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Der Agrar-und Politikwissenschaftler Schäfer-Gümbel hat seine Magisterarbeit mit «sehr gut» abgeschlossen und zwar zum Thema «Europäische Forschungs- und Technologiepolitik. Perspektiven für ein neues Entwicklungsmodell».

Persönlich ist das neue Entwicklungsmodell für Schäfer-Gümbel ja nun der Wahlsieg der SPD trotz Wortbruchs und Kapriolen von Andrea Ypsilanti. Gut, dass er da keine nennenswerten sonstige Tätigkeiten auflistet, zumindest scheint er keine Hobbies zu haben, die sich ja auch gerne mal auf Abgeordneten-Lebensläufen finden. Nein, TSG setzt auf Politik, Politik und nochmals Politik.
Nicht wirklich «gläsern»
Der Punkt «Gläserener Abgeordneter» macht den Besucher von Thorsten Schäfer-Gümbels Website neugierig. Zu gläsern wird er aber nicht. Nur sehr abstrakt listet der Abgeordnete aus Gießen auf, was ein hessischer Landespoltiker so verdient. Zahlen werden aber nicht genannt. Schade eigentlich. Doch: Seit Juli 2007 ist Schäfer-Gümbel als Vertreter des Landkreises Gießen Mitglied im Aufsichtsrat der Oberhessischen Versorgungsbetriebe AG und hat im vergangenen Jahr für dieses Mandat eine steuerpflichtige Vergütung in Höhe von 1560,84 Euro erhalten. Von dieser Vergütung hat er, ganz Parteisoldat, 30 Prozent an die SPD abgeführt.

Politische Ziele bei der Hessen-SPD gibt es einige. Für Andrea Ypsilanti schien es zuletzt vor allem das ausschließliche Ziel zu geben, an die Macht zu kommen, egal mit wem und egal, wie die Stimmung im Lande ist. Schäfer-Gümbel hat unter dem Menüpunkt sein letztes politisches Ziel im Juni 2008 formuliert. Aufgelistet ist sein Thesenpapier zum Thema «Der ländliche Raum hat Zukunft». Der Mann ist also Optimist, was in der Hessen-SPD derzeit nicht so falsch sein kann.

Letzter Menüpunkt auf der Website des Abgeordneten ist «Service und Dialog». Ah! Endlich gibt es zwei Bilder von dem Mann, der Roland Koch beerben soll als Download. Ansonsten natürlich die Möglichkeit ihm zu mailen und seine Bürozeiten, die mit Montags, Dienstags von 09:00h bis 16:00 Uhr und Freitags 09:00 bis 13:00 Uhr sich im Überschaubaren halten.

Fazit: Nein, Hessen ist nicht die USA und Schäfer-Gümbel gegen Roland Koch ist auch kein Duell wie Obama gegen Bush. Aber ein bisschen mehr Web-Präsenz wäre wünschenswert. Die Website signalisiert, dass da ein Abgeordneter irgendwann einmal gesagt bekommen hat, dass er jetzt eine Website haben müsse. Die hat er jetzt und jetzt ist auch gut. Was soll auch immer dieses neumodische Zeugs...