10.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Islamistische Extremisten bei der Beerdigung
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Angehörigen feierten die drei hingerichteten Bali-Bomber als Märtyrer, radikale Islamisten sehen in ihnen Helden im «Heiligen Krieg». Jetzt warnen die Behörden vor weiteren Anschlägen.
Rund sechs Jahre nach den Terroranschlägen von Bali sind drei der Attentäter am Sonntag hingerichtet worden. Bei der anschließenden Beerdigung skandierten Hunderte radikale Islamisten wütende Rachedrohungen. In ganz Indonesien waren die Sicherheitskräfte aus Sorge vor Racheakten seit Tagen in Alarmbereitschaft. Australien warnte vor Reisen nach Indonesien.
Die Brüder Amrozi (46), Ali Ghufron alias Mukhlas (48) und Imam Samudra (38) wurden um kurz nach Mitternacht auf der Gefängnisinsel Nusakambangan vor der Südküste Javas von Erschießungskommandos hingerichtet. Die Terroristen waren wegen ihrer Rolle bei den Bombenanschlägen vor sechs Jahren auf der Ferieninsel Bali zum Tode verurteilt worden. Damals kamen 202 überwiegend ausländische Touristen ums Leben, darunter sechs Deutsche.
«Willkommen zu Hause, Märtyrer»Nach der Hinrichtung wurden die Leichen der drei Attentäter mit Hubschraubern in ihre Heimatdörfer in Ost- und West-Java gebracht. Dort nahmen Hunderte radikale Muslime an den Begräbnissen teil und verlangten lautstark Vergeltung für den Tod der Attentäter. Die Särge von Amrozi und Mukhlas wurden in Tenggulun mit großen Plakaten «Willkommen zu Hause, Märtyrer» empfangen. «Gott ist groß!» skandierten die Trauergäste, als die Särge ankamen.
Sie beschimpften westliche Reporter als Ungläubige und drohten, dass das muslimische Blut der Männer nicht folgenlos vergossen worden sei. Es kam zu mehreren Zusammenstößen mit Sicherheitskräften, ein Beamter wurde verletzt. In Serang nicht weit von Jakarta wurde der Sarg von Samudra in eine schwarze Fahne mit Koranversen gehüllt durch die Straßen getragen. Seine Witwe verlas einen offenen Brief: «Wir hoffen, Allah gibt ihnen das Beste und fügt denjenigen, die diese unfaire Behandlung (der Attentäter) zu verantworten haben, das Schlimmste zu.»
Drahtzieher sitzt in GuantánamoSamudra hatte den Anschlag geplant, Mukhlas war der Finanzier, der auch Al Qaeda- Anführer Osama bin Laden traf und Amrozi der Mechaniker, der den Sprengstoff und das Auto für den Anschlag besorgte. Ein weiterer Bruder der beiden ist wegen seiner Rolle bei dem Anschlag zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Als Drahtzieher gilt aber Hambali, der 2003 in Thailand gefasst wurde und seitdem von den Amerikanern in Guantánamo festgehalten wird.
Amrozi, Mukhlas und Samudra waren Mitglieder der Terrororganisation Jemaah Islamiyah (JI). Sie hatten ihre Tat als Vergeltung für die US-Invasion in Afghanistan und im Irak bezeichnet und nie bereut. Auf das Konto der JI gehen auch Kirchenanschläge in Indonesien Weihnachten 2000, ein weiterer Bali-Anschlag 2005 mit 23 Toten, sowie die Anschläge auf das Marriott Hotel in Jakarta 2004 und die australische Botschaft 2005.
Die Hinrichtungen wurden mehrfach verschoben. Die Verteidigung bemühte sich jahrelang um eine Aufhebung des Todesurteils. Zuletzt erklärten die Anwälte, ihre Mandanten wollten nicht erschossen, sondern enthauptet werden, da dies eine «humanere» Hinrichtungsmethode sei.
Australien befürchtet neue AnschlägeAuf Bali beteten unterdessen mehrere Dutzend Einheimische und ausländische Touristen an dem Denkmal für die 202 Opfer. «Wir sind froh, dass die Regierung in diesem Land Gerechtigkeit walten ließ», sagte die Witwe eines Opfers, Hayati Eka Laksmi, nach Angaben des Nachrichtendienstes Kompas.com. Australiens Außenminister Stephen Smith warnte am Sonntag vor Reisen nach Indonesien. Es gebe glaubhafte Berichte, dass Anschläge geplant seien.
Bei den Anschlägen am 12. Oktober 2002 kamen 202 Menschen ums Leben, darunter viele ausländische Touristen. An der Vergnügungsmeile Kuta waren zwei Sprengsätze explodiert - einer in einer Strandbar und kurz darauf vor einer Diskothek, wohin die Barbesucher geflohen waren. (nz/dpa/AP)