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Deutsche Politiker nach der US-Wahl: 

Eine «riesengroße Schleimspur» zu Obama

05. Nov 2008 15:09
Obama und Merkel im Sommer in Berlin
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Die Einladungen überschlagen sich: Lieber heute als morgen würde sich so mancher deutsche Politiker mit dem beliebten, designierten US-Präsidenten zeigen.

Kaum ist der Demokrat Obama zum neuen US-Präsidenten gewählt worden, schon reißen sich deutsche und europäische Politiker um ihn. Besonders aus Deutschland bekam der künftige Präsident der USA nicht nur Glückwünsche, sondern auch Einladungen.

Zuerst verband Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Glückwünsche mit einer Einladung zu einem baldigen Besuch in Deutschland. «Gerne erinnere ich mich an unser Gespräch während Ihres Deutschland-Besuches im vergangenen Juli und freue mich auf unsere Zusammenarbeit», hieß es in dem Glückwunschbrief, der mit einer Einladung schloss. Unerwähnt ließ die CDU-Politikerin allerdings, dass gerade sie sich im Sommer beim zunächst geplanten Auftritt des damaligen Präsidentschaftsbewerbers am Brandenburger Tor offen quergelegt hatte.

«Eine riesengroße Schleimspur»

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Renate Künast, sah sich angesichts dieser Worte ermuntert, die Bundeskanzlerin zur Vorsicht zu ermahnen. Nach ihrer früheren «Freundschaftsbekundung» für George W. Bush solle sie «sich nun nicht allzu liebedienerisch» dem neu gewählten US-Präsidenten nähern. Der «Leipziger Volkszeitung» sagte Künast, es wirke «nicht sehr glaubwürdig», wenn Merkel seinerzeit angesichts der rot-grünen Kriegsverweigerung «die Union bei Bush als die wahren Freunde Amerikas angepriesen» habe und «in der Euphorie, dass wir alle Obama seien, sich nun dem Bush-Nachfolger auf einer riesengroßen Schleimspur nähern sollte».

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat Barack Obama zu einem baldigen Besuch in die deutsche Hauptstadt eingeladen. Dann werde sicher auch Gelegenheit sein, das Brandenburger Tor nicht nur von fern zu sehen, sondern an diesem historischen Ort eigene Eindrücke zu sammeln, sagte Wowereit am Mittwoch in einem Glückwunschschreiben.

Der Berliner Regierungschef spielte damit auf den Auftritt Obamas im Sommer an, als dieser als Präsidentschaftskandidat der Demokraten vor mehr als 200.000 Zuhörern eine Rede an der Berliner Siegessäule gehalten hatte>>>. «Ich würde mich freuen, wenn Sie die ausgezeichneten Kontakte möglichst bald mit Ihrem nächsten Besuch vertiefen würden», sagte Wowereit.

Rede vor der Nato

Sollte Obama tatsächlich schon bald wieder nach Berlin kommen, könnte er anschließend gleich nach Straßburg weiterreisen. EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering hat den künftigen US-Präsidenten nämlich ebenfalls eingeladen: In seinem Gratulationsschreiben schlug Pöttering vor, Obama könnte beispielsweise im April, vor dem Nato-Gipfel in Straßburg, vor dem EU-Parlament sprechen.

«Es wäre eine großartige Botschaft für die Menschen in der Europäischen Union, wenn Barack Obama bei seinem ersten Besuch in Europa eine Rede vor dem Europäischen Parlament halten und sich damit an alle 500 Millionen Bürgerinnen und Bürger in der Europäischen Union wenden würde», erklärte Pöttering.

Tatsächlich könnte Obama mit einer Rede in Straßburg eine neuen Abschnitt einläuten. Zuletzt hatte ein republikanischer US-Präsident dort gesprochen, der gänzlich andere politische Positionen vertrat: Es war Ronald Reagan im Mai 1985. (nz/dpa/AP)

 
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