Merkel in Peking: 

netzeitung.de«Sie versteht jetzt schon mehr von China»

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Beim Treffen in der Großen Halle des Volkes (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Beim Treffen in der Großen Halle des Volkes
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Kurz vor Beginn des Asien-Europa-Gipfels in Peking haben China und Deutschland ihren Willen zur guten Zusammenarbeit bekundet. Dabei bekam Kanzlerin Merkel auch chinesische Nachhilfe zu den Themen Taiwan, Tibet und Dalai Lama.

Die deutsch-chinesischen Beziehungen sind nach früheren Verstimmungen wieder stabil und gut. Kurz vor Beginn des Asien-Europa-Gipfel in Peking betonten Vertreter beider Länder am Freitag, auch zukünftig verlässlich miteinander zusammenarbeiten zu wollen.

Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao bedankte sich bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für die deutsche Hilfe nach dem Erdbeben. Deutschland sei das Land in Europa, «das China nach dieser Katastrophe am meisten geholfen hat», sagte Hu. «Das ist ein klarer Ausdruck der Freundschaft seitens der deutschen Regierung und Bevölkerung gegenüber China.»

G20-Treffen gemeinsam vorbereiten
Auch Merkel betonte den Willen zu guten Beziehungen: «Wir sind bereit, gerade auch in Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten noch enger mit China zusammenzuarbeiten“, sagte die Kanzlerin. Zudem kündigte Merkel an, sich vor dem Weltfinanzgipfel der 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G20) mit China abstimmen zu wollen. «Deutschland und China haben vereinbart, dass wir die Vorbereitung des ersten Treffens der G20 auch durchaus gemeinsam koordinieren», so Merkel.

Die deutsch-chinesischen Beziehungen waren wegen eines Treffens von Merkel 2007 mit dem Dalai Lama, dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter, auf einen Tiefpunkt gesunken. Eine Gruppe von chinesischen Intellektuellen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag in Peking diese chinesischen Empfindlichkeiten gegenüber dem Dalai Lama erklärt.

Nachhilfe in Sachen Dalai Lama
«Die Kanzlerin fragte sich, warum China so verärgert auf ihren Empfang des Dalai Lama reagiert hat», sagte der Journalistikprofessor Zhan Jiang, einer der Teilnehmer. «Wir haben ihr erklärt, dass es sehr kompliziert ist.» Auch Chinesen diskutierten viel über solche Fragen.

Ein anderer Gesprächsteilnehmer, der Verfassungsrechtler Cai Dingjian, sagte: «Die Deutschen glauben, das sei nur eine religiöse und kulturelle Frage. Doch für China hat das mit der nationalen Souveränität zu tun.»

Bei dem Gespräch ging es neben Tibet und Taiwan auch um die gesellschaftliche Entwicklung in China, seine Bauern sowie das Erdbeben in Sichuan und die Auswirkungen der Olympischen Spiele. Die Teilnehmer der Gesprächsrunde zeigten sich angetan von der Kanzlerin. «Sie redet ohne Umschweife. Das ist wohl eine deutsche Besonderheit», sagte Journalistikprofessor Zhan Jiang und lobte: «Sie versteht jetzt schon mehr von China.» Die Kanzlerin beschrieb das Gespräch in einem Hotel als «sehr interessant».

ASEM-Gipfel ztur Finanzmarktkrise
Im Lauf des Tages will die Kanzlerin zum Beginn des Asien-Europa-Gipfels (Asem) in Peking für ihre Vorstellungen einer Neuordnung der internationalen Finanzverfassung werben. Wichtigstes Thema beim diesjährigen Gipfel ist die internationale Finanzmarktkrise. Daneben soll es um den Klimawandel und die Lebensmittelpreise gehen.
Die meisten Länder sind in Peking mit den Staats- und Regierungschefs vertreten, nur sechs Asem-Mitglieder werden durch Außenminister oder Vizeregierungschefs repräsentiert. An den Asem-Treffen nehmen auch die EU-Kommission und das Sekretariat der asiatischen Wirtschaftsgemeinschaft Asean teil. (nz/dpa/AP)