26.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Sierra Leone gehört zu den ärmsten Ländern Afrikas
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
16 Milliarden Dollar hat die UN im Kampf gegen die Armut gesammelt. Die Rettung des US-Finanzsystems soll das 40-fache kosten. Kritiker befürchten, dass die Krise als Vorwand dient, die Entwicklungshilfe zu kürzen.
Am Ende verkündete UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eine gute Nachricht: Mit rund 16 Milliarden US-Dollar will die Welt den Kampf gegen Armut, Hunger und Seuchen vorantreiben. «Der Gipfel hat unsere Erwartungen übertroffen», sagte Ban am Donnerstag zum Abschluss des eintägigen UN-Armuts-Gipfels in New York. Regierungen, internationale Organisationen, Stiftungen und Unternehmen wollen die Milliarden bereitstellen: Das Geld soll in Gesundheitsprojekte, Bildungseinrichtungen und die Landwirtschaft fließen.
Die finanziellen Versprechungen zeigten, dass die Welt die Millenniumsentwicklungsziele der UN ernst nehme, unterstrich Ban. «Wenn wir die nötigen Ressourcen mobilisieren, können wir die Ziele erreichen», sagte der UN-Generalsekretär. Die Gipfelteilnehmer zogen eine Zwischenbilanz über die Erreichbarkeit der 2000 formulierten Ziele. In den Diskussionsrunden und Panels wurde jedoch klar: Immer neue Hürden erschweren den Weg zur Erreichung der Ziele.
Die Finanzkrise, der massive Anstieg der Lebensmittel- und Energiepreise, eine unkoordinierte internationale Entwicklungsstrategie und die mangelnde Bereitschaft der Reichen zur Finanzhilfe bereiten große Probleme. Das zeigt sich in der langfristigen Entwicklungshilfe: «Die Geberländer lassen ihren guten Worten keine Taten folgen», bemängelte Oxfam-Direktorin Barbara Stocking. Tatsächlich ging die Entwicklungshilfe im vergangenen Jahr zurück.
Gestiegene Preise bereitet der UN KopfschmerzenEine Trendwende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Finanzkrise entwickelt sich mehr und mehr zu einer ernsten Gefahr für die Hilfe für die armen Länder: «Die US-Regierung will mit 700 Milliarden US-Dollar das Finanzsystem stabilisieren», kritisiert Oxfam. Washington dürfe die kostspielige Bankenrettung nicht als Vorwand nehmen, um die Entwicklungshilfe zu kürzen.
Ein Diplomat sagte unverblümt: «Jetzt brauchen die Regierungen der Reichen viel Geld, um ihre Bankensysteme vor dem Kollaps zu bewahren. Da bleibt für die Armen nicht mehr viel übrig.» Die auf dem Gipfel versprochenen 16 Milliarden Dollar seien einmalige Zahlungen. Auch die massiv gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreise bereiten den UN-Experten große Kopfschmerzen. Allein wegen der Teuerung bei der Nahrung stieg die Zahl der Hungernden 2007 um 75 Millionen auf 923 Millionen Menschen.
«Nicht schnell genug»«Es ist eine echte Schande», klagte der Rockstar und Aktivist Bono. Der Sänger präsentierte mit der irischen Regierung neue Empfehlungen, um das Leben der Menschen zu verbessern. Doch der Bono-Report dürfte nach Einschätzung von Diplomaten dort landen, wo schon viele Berichte zur Armutsbekämpfung zuvor landeten: in der Schublade.
«Was fehlt, ist eine bessere Koordinierung im Kampf gegen die Armut», analysiert der Präsident Ghanas, John Kufuor. Zu viele internationale Organisationen, zu viele Regierungsstellen, zu viele private Institutionen arbeiteten oft nicht miteinander, sondern gegeneinander. Auch UN-Generalsekretär Ban weiß um die Schwierigkeiten im Kampf gegen die Armut: «Wir bewegen uns in die richtige Richtung, wir bewegen uns aber nicht schnell genug», betonte der Südkoreaner. (Jan Dirk Herbermann, epd)