Hessen-SPD sauer: 

netzeitung.deYpsilanti-Münte-Fake bei Youtube gelandet

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Fiel auf falschen Münte rein: Andrea Ypsilanti (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Fiel auf falschen Münte rein: Andrea Ypsilanti
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Hessens SPD-Spitzenfrau soll noch gelacht haben, als der Müntefering-Imitator sich als Radio-Spaßvogel enttarnte. Doch sie verbot, den Scherz zu senden. Jetzt, wo jeder ihn im Internet hören kann, ist ihr Stab richtig verärgert und setzt einen Anwalt in Gang.

Ihre Mitarbeiterin holt Andrea Ypsilanti aus einer Sitzung heraus, der designierte SPD-Chef Franz Müntefering wolle sie sprechen, wurde am Telefon gesagt. Hessens SPD-Chefin schildert dem Anrufer folgsam die Lage im Land. Was dann kommt, darf hier nicht wörtlich wiedergegeben werden, lässt aber klare Rückschlüsse auf ihre Denkweise zu. Es geht um Karriereoptionen, um Stühlerücken innerhalb der Partei, das Aufrücken in die Bundespartei.

Dumm nur, dass das Ganze eine Falle, ihr Gesprächspartner Stimmenimitator Jochen Krause vom Radiosender ffn ist. Dumm auch, dass trotz Ausstrahlungsverbot ein 1:43-Minuten langer Ausschnitt aus dem Sieben-Minuten-Gespräch auf Youtube landete. Und der, soviel ist sicher, wird so schnell nicht mehr verschwinden, denn die Internet-User arbeiten bereits kräftig an der Vervielfältigung des Werkes.

Kein Spaß bei der SPD
SPD-Sprecher Frank Steibli sagte der Netzeitung, Ypsilantis Büro habe den Sender aufgefordert, sämtliche Kopien der Aufnahme bei Youtube zu entfernen. Das dürfte schwierig werden: Allein auf dem Portal ist das Video schon in 13 verschiedene Accounts zu sehen. Würde es punktuell entfernt, veröffentliche man es anderer Stelle wieder, kündigen es bereits etliche User in den Kommentaren an. Bis jetzt haben sich rund 100.000 Youtube-Besucher den Telefon-Spaß angehört – Tendenz stark steigend.

Ypsilanti hatte die Sendung des ffn-Spaßes bereits untersagt, als sich der Imitator outete. Nun ist das Gespräch online hörbar. Die SPD hält das gar nicht für witzig - und erwägt sogar rechtliche Schritte gegen ffn. Es habe schon Scherz-Gespräche gegeben, die auch veröffentlicht werden durften, aber «nicht jeden Scherz finden wir auch lustig», sagt Steibli. Der Ärger speist sich wohl auch aus der Tatsache, dass offenbar eine Art Autoritätshörigkeit ihre Ohren verstopfte – trotz der qualitativ durchschnittlichen Münte-Kopie schöpfte sie keinen Verdacht. Statt den Hörer aufzulegen, um vielleicht selbst zurückzurufen, plaudert sie sieben Minuten lang.

Weg ins Web ist unklar
Dass man von Seiten der SPD verärgert ist, dürfte aber auch am pikanten Inhalt der Aufnahme liegen. Nicht nur über ihr Karrierestreben, sondern auch zu ihrer Unnachgiebigkeit bei den Koalitions-Bemühungen mithilfe der Linkspartei hat Ypsilanti einiges preisgegeben. Geraume Zeit geht es darum, ob Ypsilanti zugunsten anderer Jobs Hessen allein CDU-Ministerpräsident Roland Koch zu überlassen würde. Doch ihre Anwort war keinesfalls unvorteilhaft. Auch die Energie, mit der sich das von ihr angestrebte rot-rot-grüne Koalitions-Experiment in Hessen durchziehen will, hat sie in den letzten Wochen auch öffentlich oft genug bewiesen. Einzig ihre Reaktion auf das Karriereangebot des Münte-Fake lässt sie schlecht dastehen.

Der Sender hatte versprochen, das dennoch verlangte Sendeverbot zu respektieren. Was auch daran liegen dürfte, dass ffn mit der ohne Wissen Ypsilantis angefertigten Aufnahme deren Rechte verletzte und zudem gegen die Regeln journalistischer Arbeit verstieß. Wie der Ausschnitt nun zu Youtube gelangte, ist ffn-Programmdirektorin Ina Tenz unklar. Vermutlich habe in den wenigen Stunden, die die Datei im Redaktionssystem des Senders gespeichert war, jemand eine Kopie angefertigt und weiter verbreitet.

Kein Rückzieher von Ypsilanti
Man kann zu Ypsilanti stehen, wie man will. Den von dem verirrten Audioclip verursachten Schaden trägt sie jedoch nicht allein: Auch den Journalisten hat der Sender einen «Bärendienst erwiesen», wie auch SPD-Sprecher Steibli betont. Der Fake, dessen heimlicher Mitschnitt und die anschließende Veröffentlichung belaste das Verhältnis der Politiker zu den Berichterstattern schwer. Gut denkbar, dass sich Verantwortliche künftig nicht mehr auf kurzem Wege anrufen lassen wollen, aus Angst, einem Scherzbold aufzusitzen.

Sollte Ypsilanti auf dem Weg an die Macht künftig das persönliche Gespräch von Angesicht zu Angesicht vorziehen, kann sie beruhigt sein: Noch ist kein Münte-Doppelgänger in Sicht. (nz)