Rice und Sarkozy in Libyen und Syrien:
Warum aus Bösewichtern jetzt Freunde werden
05. Sep 2008 15:42
 |  Haben sich offenbar gut verstanden: Die Präsidenten Assad und Sarkozy (r) | Foto: AP |
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Ignorieren oder verdammen – das war bislang die Haltung der westlichen Welt gegenüber den «Schurkenstaaten» Syrien und Libyen. Jetzt haben beide Seiten eine Charme-Offensive begonnen.
In der arabischen Welt bricht diese Woche ein neues Zeitalter an. Erst strahlt der französische Präsident Nicolas Sarkozy in Damaskus mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad um die Wette. Assad galt in Paris lange Zeit als Terrorunterstützer und Wurzel allen Übels in der Levante. Dann steigt US-Außenministerin Condoleezza Rice ins Flugzeug, um den libyschen Staatschef Muammar al-Gaddafi zu besuchen, einen Mann, für den man in Washington in den vergangenen Jahrzehnten nur zwei Behandlungsmethoden kannte: Ignorieren oder bombardieren.
Doch weshalb sind die zwei Gäste aus dem Westen so interessiert daran, dass ihnen die Bösewichte von einst den roten Teppich ausrollen? Die historische Reise von Condoleezza Rice ist in jedem Fall hilfreich für US-Konzerne, die bei der von Gaddafi in Aussicht gestellten Öffnung der libyschen Wirtschaft und bei der Verteilung neuer Öl-Konzessionen nicht leer ausgehen wollen. Außerdem können die Amerikaner durch eine Annäherung an Libyen versuchen, einen weiteren Rückzugsort für militante Gruppen, die in Nordafrika für Instabilität sorgen, zu versperren.
Libyen als nützlicher Vermittler
Die libysche Führung hat sich außerdem in den vergangenen Jahren als Vermittlerin nützlich gemacht, wenn irgendwo ausländische Geiseln aus der Hand von Extremisten befreit werden sollten. Die Amerikaner mussten die Dienste von Oberst Gaddafi und seinem Sohn Seif al-Islam zwar bisher selbst nicht in Anspruch nehmen, doch lässt sich ja nicht ausschließen, dass dies eines Tages der Fall sein könnte.
Feinde seien sie nicht mehr, Freunde aber auch noch nicht, so charakterisierte Oberst Gaddafi kürzlich das Verhältnis der Libyer zu den USA. Was geschehen müsste, um Freundschaft entstehen zu lassen, sagte er nicht. Auf der Liste der Aufgaben, die Gaddafi erfüllen musste, bevor ihn die USA von der Liste ihrer Feinde strichen. Darauf standen unter anderem sein Verzicht auf Massenvernichtungswaffen, die Entschädigung der Angehörigen von Terroranschlägen, in die sein Regime verwickelt war, sowie die Freilassung der bulgarischen Krankenschwestern.
Syrien möchte Partner Europas werden
Sarkozy, der dem syrischen Präsidenten nun versichert hat, Frankreich und Syrien würden ihre Ziele im Nahen Osten fortan «Seite an Seite» verfolgen, hat durch seinen Handschlag mit Assad in Damaskus verlorenes außenpolitisches Terrain zurückerobert. Anstatt weiterhin nur auf die Achse Riad-Beirut-Kairo zu setzen, auf der die Amerikaner ohnehin größeren Einfluss ausüben als Frankreich, schmiedet er jetzt eine Allianz mit einem Staat, der bereit ist, viel dafür zu geben, um als Regionalmacht und Partner Europas anerkannt zu werden.Schon während seines Aufenthaltes in Damaskus wurde Sarkozy für sein Kommen von Assad verbal reich beschenkt. Der syrische Staatschef, den Washington nach wie vor mit Misstrauen begegnet, bescheinigte den Franzosen, sie verstünden einfach besser als die Amerikaner, worauf es in der arabischen Welt ankommt. (Anne-Beatrice Clasmann, dpa)