31.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Ein Fahrzeug Modell "Wolf" der Bundeswehr
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Zum dritten Mal innerhalb einer Woche ist die Bundeswehr in einen schweren Zwischenfall verwickelt worden. Politiker sorgen sich inzwischen um das Image der deutschen Soldaten in dem Land und warnen vor einer Eskalation.
Die Bundeswehr in Afghanistan ist am Sonntag erneut Ziel eines Sprengstoffanschlages geworden: Im Norden des Landes wurde ein Konvoi mit einer selbst gebauten Bombe angegriffen. Am Vormittag explodierte rund 45 Kilometer östlich von Kundus eine improvisierte Sprengladung, teilte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam mit. Keiner der Soldaten wurde verletzt. An den Fahrzeugen richteten die Splitter leichte Schäden an. Die Patrouille konnte ihre Fahrt auf der Verbindungsstraße nach Taloqan fortsetzen.
Erst am vergangenen Mittwoch war in derselben Gegend ein deutscher Hauptfeldwebel bei einem Anschlag ums Leben gekommen. Einen Tag später erschossen wahrscheinlich deutsche Soldaten versehentlich drei Zivilisten. Der Hauptfeldwebel war der 28. beim Afghanistan-Einsatz umgekommene deutsche Soldat. Seine Leiche wurde am Samstagabend nach Deutschland zurückgebracht. Auch seine drei verletzten Kameraden kehrten zurück.
Bei einem Bombenanschlag in der südlichen Provinz Sabul wurde ein rumänischer Soldat getötet. Wie die rumänische Nachrichtenagentur Mediafax in Bukarest berichtet, wurden vier weitere Soldaten bei der Explosion des am Straßenrand versteckten Sprengsatzes verletzt. Den Angaben zufolge war die aus vier Fahrzeugen bestehende Patrouille auf der Autobahn zwischen der Provinzhauptstadt Kalat und Kabul unterwegs.
Selbstmordanschlag in KabulIn einem Vorort der Hauptstadt Kabul sprengte sich zudem ein Selbstmordattentäter in der Nähe einer Patrouille der Nato-geführten Internationalen Schutztruppe ISsaf in die Luft. Bei dem Anschlag am Samstag habe es keine weiteren Toten und Verletzten gegeben, sagte ein Polizeisprecher. Den Angaben zufolge zündete der Täter den Sprengsatz, bevor er mit seinem Auto die Patrouille erreichte.
Angst vor Imagewechsel bei der BevölkerungZuvor hatten Politiker die Sorge geäußert, dass die Gewalt gegen deutsche Soldaten in Afghanistan zunehmen könne, weil sie nach dem tödlichen Zwischenfall an einer Straßensperre nicht mehr nur als Helfer, sondern auch als Täter angesehen würde.
Der SPD-Verteidigungsexperte Walter Kolbow prophezeite in der «Welt am Sonntag» («WamS»): «Die Auseinandersetzungen werden noch intensiver werden.» Bisher habe die Truppe in Afghanistan eher den Ruf von Helfern gehabt. «Jetzt kann die Wahrnehmung der Bundeswehr als Besatzertruppe wieder in den Vordergrund rücken». Der SPD-Außenpolitiker Gerd Weisskirchen wiederum plädierte für eine Überprüfung des Mandats. Er verlangte eine schonungslose Prüfung des Vorfalls und sagte: «Wenn Soldaten aggressiv die Grenzen dieses Mandats überschritten haben, dann muss das Folgen haben.»
Rückzug gefordertDer Verteidigungsexperte der Grünen-Fraktion, Winfried Nachtwei, sprach von drohender Eskalation und sagte: «Bundeswehr und Bevölkerung dürfen nicht immer mehr Angst voreinander bekommen. Dann steigt die Nervosität auf beiden Seiten und damit auch die Gefahr neuer Unglücke.»
Linken-Parteichef Lothar Bisky bekräftigte am Sonntag die Position seiner Partei: «Keine Verlängerung der Afghanistan-Mandate der Bundeswehr.» Ähnlich argumentierte in der «Berliner Zeitung» (Samstag) auch Grünen-Fraktionsvize Hans- Christian Ströbele. Parteichefin Claudia Roth widersprach umgehend: Dies sei «übereilt», sagte sie im ARD-«Bericht aus Berlin».
Linkspartei und Friedensbewegung kündigten an, am 20. September in Berlin und Stuttgart gegen die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan protestieren. (nz/dpa/AP)