31.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Wollen gemeinsam ins Weiße Haus: McCain und Palin
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Republikaner McCain glaubt, mit der Wahl der Gouverneurin von Alaska als seine Vize-Kandidatin politisch clever gehandelt zu haben. Dabei bietet Sarah Palin den Demokraten etliche Angriffpunkte.
Die demokratischen Werbestrategen basteln wohl schon an ihren Spots: «John McCains Vizepräsidentschaftskandidatin ist für die Ölindustrie und gegen die Umwelt», erklärt vielleicht eine traurige Stimme während ein kleiner Eisbär über den Bildschirm läuft.
Wenn der republikanische Präsidentschaftskandidat McCain gehofft hatte, dass die Demokraten das Thema Öl im Wahlkampf nicht weiter ausschlachten, dann hat er sich mit der Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, für die falsche Politikerin entschieden. Palin hat sich dafür ausgesprochen, das Naturschutzgebiet Arctic National Wildlife Refuge (ANWR) für die Öl- und Gasförderung zu öffnen, was selbst McCain ablehnt. Ihr Mann Todd Palin hat als Angestellter der BP Alaska im vergangenen Jahr 46.790 Dollar verdient.
Thema Ölförderung könnte kritisch werdenAn der Öl- und Gasindustrie hängt in Alaska so ziemlich alles. «Wenn du nicht für die Öffnung des ANWR bist, dann wirst du in Alaska nicht einmal zum Hundefänger gewählt», sagt der frühere Abgeordnete Ray Metcalfe, der von den Republikanern zu den Demokraten wechselte und inzwischen Barack Obama unterstützt. Er vermutet, dass sich die Palin-Kritiker auf das Thema Ölförderung einschießen werden.
Den Menschen im Rest der USA ist diese enge Beziehung zum Öl fremd. Sie sehen nur die ständig steigenden Preise, bekommen aber im Gegensatz zu den Bewohnern von Alaska nichts von den Gewinnen der Ölindustrie ab. Dort bekam 2007 jeder Einwohner einen Scheck über 1.654 Dollar (1.120 Euro).
Kein Sonderschutz für EisbärenPalin ist so auf das Thema Energie eingeschworen, dass sie zu Beginn des Monats Obama lobte, als dieser sich für den Bau einer Gas-Pipeline von Alaska in die USA aussprach. Aber auszusetzen hatte sie natürlich auch etwas an Obamas Plänen, nämlich dass dieser die Gewinne der Ölindustrie stärker besteuern und das Geld den Steuerzahlern zugutekommen lassen will.
Auch das Thema Eisbären könnten die Demokraten zum Angriff auf Palin nutzen. Denn sie hat sich gegen die Entscheidung der Regierung von Präsident George W. Bush gewandt, diese Tiere auf die Liste der bedrohten Arten zu setzen. Alaska verklagte deshalb auch die US-Regierung. Für Palin gibt es nicht genug Belege, dass die Eisbären tatsächlich bedroht sind. Zudem könnte der Schutz die Entwicklung von Öl- und Gasfeldern behindern.
Politikstil und alter SpendenskandalAuch Palins Politikstil bietet einige Angriffspunkte. So untersucht das Parlament die Entlassung des Beauftragten für die öffentliche Sicherheit. Dahinter steht die Frage, ob er entlassen wurde, weil er sich weigerte, einen Polizisten zu entlassen, der sich von Palins Schwester scheiden ließ. Die Untersuchungen könnten sich genau mitten im Wahlkampf-Endspurt dem Ende nähern.
Auch Palins Spendensammlungen zu Beginn ihrer politischen Kariere könnten wieder zum Thema werden. Sie könnte in Verbindungen gebracht werden zu einem republikanischen Spendenskandal, von dem sie sich selbst distanziert hat. (Sharon Theimer, AP)