Ein freigelassener Passagier sagte der staatlichen libyschen Nachrichtenagentur Jana: «Wir haben eine schreckliche Nacht in diesem Flugzeug verbracht. Alle hatten große Angst.» Mehrere Passagiere waren wegen der Hitze und des Sauerstoffmangels an Bord ohnmächtig geworden, berichtete ein Mitarbeiter der libyschen Zivilluftfahrtbehörde. Die Entführer gehören nach eigenen Angaben einer von Abdelwahid Nur geleiteten Splittergruppe der Sudanesischen Befreiungsarmee (SLA) aus der sudanesischen Krisenregion Darfur an. Nur, der im französischen Exil lebt, dementierte im arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira, dass die Entführer zu seiner Organisation gehörten. Nach libyschen Angaben waren unter den freigelassenen Passagieren fünf Lokalpolitiker aus Darfur, zwei ägyptische Polizeioffiziere, zwei Äthiopier und ein Ugander.
In Darfur kämpfen seit 2003 Rebellenorganisationen gegen arabische Milizen und sudanesische Regierungstruppen. Dem Konflikt sind bereits mehr als 200.000 Menschen zum Opfer gefallen. Hunderttausende wurden vertrieben und starben auf der Flucht. Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi hatte die Konfliktparteien aus Darfur bereits mehrfach zu Friedensgesprächen nach Libyen eingeladen. Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag hatte im Juli wegen der Gräueltaten in Darfur einen Haftbefehl gegen den sudanesischen Präsidenten Omar Hassan al-Baschir beantragt. (dpa)