Rechter Flügel dafür, linker eher skeptisch:
Geteilte Freude über Müntes Comeback
26.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse warnte die SPD davor, ihren früheren Vorsitzenden Müntefering mit einer «geradezu gigantischen Erlöser-Erwartung» zu überfordern. Den «Stuttgarter Nachrichten» sagte er, es sei gut, wenn die SPD zeige, dass sie einen Kanzlerkandidaten und gutes anderes Führungspersonal habe. Das sei besser, «als einen einzigen Erlöser zu präsentieren, von dem dann alles abhängt und alles erwartet wird». Die SPD müsse damit beschäftigt bleiben, dass sie als linke Volkspartei kenntlich bleibe; «als Partei der sozialen Gerechtigkeit schlechthin».
Der rechte Flügel innerhalb der SPD erhofft sich von einer Rückkehr des ehemaligen Parteichefs Franz Müntefering in die Bundespolitik einen erhöhten Wählerzuspruch. Der Sprecher des Seeheimer Kreises, Johannes Kahrs, sagte der in Chemnitz erscheinenden «Freien Presse», Müntefering könne dazu beitragen, «dass wir enttäuschte und frustrierte Wähler zurückgewinnen». Kahrs fuhr fort, er glaube, dass Münteferings Rückkehr dabei helfe, «die jetzigen Umfragewerte zu stabilisieren und Zuversicht und ein bisschen Frohsinn zu verbreiten». Jede Partei tue gut daran, wenn sie die Erfahrenen einbeziehe. Kahrs fügte an: «Wir würden uns freuen, wenn er zurückkommt und sich bereit erklärt, in einer verantwortlichen Rolle mitzuarbeiten. Wir halten ihn für wichtig.» Nach Kahrs' Worten vermag es der einstige SPD-Chef zugleich, die beiden Parteiflügel zusammenzuführen. Sein Wiedereinstieg sei «von allen gleichermaßen begrüßt worden, sowohl vom linken Flügel als auch von uns».
Müntefering hatte sich am Wochenende erstmals nach dem Tod seiner Frau wieder öffentlich an der Seite von SPD-Spitzenpolitikern gezeigt. Fest steht bislang nur, dass der frühere Parteichef zumindest im politischen Tagesgeschäft wieder stärker mitwirken will. Schon am 3. September ist ein Wahlkampfauftritt in München geplant. Voraussichtlich im Oktober will Müntefering dann ein Buch mit dem Arbeitstitel «Blick nach vorn» auf den Markt bringen. (Torsten Holtz, AP)

