Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Parteitag der US-Demokraten in Denver: 

Obamas minutiös geplante Polit-Show

25. Aug 2008 22:03
Vor dem Beginn des Parteitages im Convention Center in Denver
Bild vergrößern
Der Nominierungsparteitag der US-Demokraten wird Obama zum offiziellen Kandidaten für das Amt des Präsidenten küren. Parteistrategen, Medienexperten und Kommentatoren überschlagen sich mit Ratschlägen, wie der Senator aus Illinois den 80-Stunden Parteitag zur Überzeugung der amerikanischen Wähler nutzen kann.

Das Wahlkampfteam Barack Obamas hat den Parteitag der Demokraten als etwa 80 Stunden lange Krönungsmesse genau durchgeplant. Obama, der von vielen Amerikanern immer noch als exotischer Politikneuling gesehen wird, will damit die Wähler zu Hause an den Fernsehern überzeugen. Zudem sollen prominente Redeplätze für die Clintons die Partei einen und deren Beliebtheit in den Dienst Obamas stellen. In den USA sind die Nominierungsparteitage im Wahlkampf neben den Rededuellen der Kandidaten das am meisten wahrgenommene Ereignis, rund 20 Millionen Menschen werden Schätzungen zufolge Teile des Parteitags am Fernseher verfolgen.

«Dieser Parteitag ist vermutlich wichtiger als alle anderen der jüngeren Vergangenheit, schließlich geht es darum, den amerikanischen Bürgern den neuen Kandidaten vorzustellen», sagt der Politikwissenschaftler Ross Baker von der renommierten Rutgers University. In der Vergangenheit seien die Bewerber seit längerem bekannt gewesen, oder zumindest weniger exotisch als Obama. Den Demokraten müsse es gelingen, ihn glaubhaft als künftigen Präsidenten zu inszenieren. «Damit haben viele Amerikaner, insbesondere die Älteren, ein Problem», meint Baker.

Profil zu vage, Wirkung zu abgehoben

Mehrere Wahlexperten betonen in US-Medien, dem demokratischen Senator aus Illinois sei es immer noch nicht gelungen, sich und seine Positionen wirklich deutlich und unverwechselbar vor den Wählern zu präsentieren. Noch immer sei sein Profil vage und unscharf.

Statt an hochfliegenden Reden über Wandel und «Visionen» in einem neuen Amerika seien die Menschen angesichts der gegenwärtigen Wirtschaftskrise in den USA an Themen wie Benzinpreise und Jobs interessiert. «Der Parteitag ist Obamas Chance, in einfachen Sätzen zu normalen Wählern zu sprechen», hieß es in einem Kommentar der US-Ausgabe der «Financial Times». «Das ist eine Gelegenheit, die er sich nicht entgehen lassen darf.»

«Straight talk» (zu Deutsch: geradeheraus und klar reden) heißt die neue Regieanweisung für Obama. Noch immer wirke der Harvard- Jurist Obama seltsam abgehoben, habe Probleme mit der alles entscheidenden Mittelklasse. Statt großer Auftritte vor Massenpublikum solle Obama mehr direkte Kontakte mit «einfachen Leuten», mit Arbeitern und kleinen Angestellten einplanen, mahnen Wahlstrategen - «mal ein Frühstück am Morgen, mal ein Treffen am Abend in der Bar».

Obama als Verkörperung des «American Dream»

Zudem hat Obama einen für die USA eher ungewöhnlichen Namen, seine Kindheit verbrachte er in Indonesien und auf Hawaii, im Senat sitzt er gerade mal seit vier Jahren. Jetzt müssen Wähler davon überzeugt werden, dass er gerade deshalb den «amerikanischen Traum» verkörpert.

Dafür sorgen sollten die Rede seiner Frau Michelle, die von deren Bruder Craig Robinson, einem Basketballtrainer, und die von Obamas Halbschwester Maya Soetoro-Ng aus Hawaii, einer Geschichtslehrerin. Obama stammt aus armen Verhältnissen, hat sich bis zur Harvard-Universität hochgearbeitet und ist doch nicht abgehoben - so wollen es die Wahlkampfstrategen den Delegierten und der Öffentlichkeit vermitteln.

Schwer frustrierte weibliche Clinton-Anhänger

Und dann sind da noch die Clintons. Mehrere Kommentatoren in US-Medien äußerten offene Verwunderung, warum sich Obama nicht «einen inneren Ruck gegeben» und Clinton zur Vize-Kandidaten ernannt habe. Obama habe die Chance vertan, durch eine solche Geste der Versöhnung die Partei zu einigen und die schwer frustrierten weiblichen Clinton-Anhänger auf seine Seite zu ziehen.

Nun stehe Clintons Name bei der Nominierung in Denver ebenfalls offiziell zur Abstimmung. Dies ist als Geste gedacht, eine Kampfabstimmung wird nicht erwartet. Dadurch steche die Spaltung der Partei jedoch geradezu sinnbildlich ins Auge, meinten US- Kommentatoren. Obama habe einen schwierigen Parteitag zu bestehen. Vor allem: Clinton komme gerade bei den «einfachen Leuten» in den großen Bundesstaaten wie etwa Ohio, Pennsylvania und Florida bestens an - und dort werden am 4. November die Präsidentschaftswahlen entschieden.

Auftritt der Frauen

Die New Yorker Senatorin wird am Dienstag zu den gut 4000 Delegierten sprechen. Die Parteistrategen hoffen, dass ihr Auftritt hilft, die Partei zu einen und ihre Anhänger, besonders die Frauen, hinter Obama zu scharen. Zudem werden prominente Politikerinnen auftreten, die den Senator aus Illinois von Beginn an unterstützt haben, Kansas-Gouverneurin Kathleen Sebelius, deren Kollegin aus Arizona, Janet Napolitano, und auch Nancy Pelosi, die Präsidentin des US-Repräsentantenhauses, die ihre Sympathie für Obama während des Vorwahlkampfs nur mühsam verborgen hielt.

Biden als Mann fürs Grobe

Ein wichtiger Aspekt des Parteitags wird es sein, den republikanischen Gegner John McCain als abgehobenen Washington-Insider und Verlängerer der Politik von US-Präsident George W. Bush darzustellen.

Das zu betonen wird Obama nicht müde, als Mann fürs Grobe wird sich aber wohl am Mittwoch der jüngst gekürte Vizepräsidentschaftskandidat Joe Biden profilieren. Bereits am Samstag griff er seinen langjährigen Senatskollegen McCain in scharfen Worten an.

Schließlich kommt am Donnerstag das Finale der Superlative: Die Krönungsmesse selbst. Zur besten Sendezeit wird Obama in einem Football-Stadion vor bis zu 75.000 Zuschauern die Nominierung seiner Partei akzeptieren. Aber abgerechnet wird erst am Wahltag, dem 4. November. McCain konnte zuletzt in fast allen Umfragen zu Obama aufschließen, der Wahlkampf tritt nun erst in die heiße Phase ein. (nz/dpa/AP)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
Anschlagsserie mit Dutzenden Toten: 
13-Jährige sprengt sich im Irak in die Luft
Nach dem Tod von acht Zivilisten: 
Syrien kritisiert «Aggression» der US-Armee
 
«Außergewöhnliche Umstände»: 
Merkel und Sarkozy wollen Stabilitätspakt lösen
Alternative Energien, alternative Lieferanten: 
Brüssel macht sich auch für Atomkraft stark
 
Koalition einigt sich bei Online-Durchsuchung: 
BKA-Trojaner erhält Verfallsdatum
Trauerfeier zu Afghanistan-Soldaten: 
Jung würdigt Verdienste «gefallener Soldaten»
 
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.