Steinmeier in Afghanistan:
Ohne schusssichere Weste Hilfe demonstrieren
25. Jul 2008 21:32
 |  Der Bürgermeister von Herat übergibt ein Gastgeschenk | Foto: AP |
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In Herat hat der deutsche Außenminister zwei wichtige Projekte beim Wiederaufbau des Landes besichtigt: eine Trinkwasseranlage und die Restaurierung der Altstadt. Finanziert wurde beides mit deutschem Geld.
Diesmal nimmt sich Frank-Walter Steinmeier viel Zeit. Vier Tage will der deutschen Außenminister Afghanistan bereisen. Der Besuch wurde nicht angekündigt und steht unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen. Er fliegt zuerst in den Westen Afghanistans, ins kulturelle Zentrum des Landes, nach Herat. Die 15 Kilogramm schwere, schusssicherer Weste legt Steinmeier - fast schon demonstrativ - gleich nach der Landung der Bundeswehr-«Transall C-160» ab. Er ist nach Herat gekommen, um zu zeigen, dass es trotz aller schlechten Nachrichten aus Afghanistan auch Fortschritte gibt. «Afghanistan ist nicht nur Zerstörung, sondern auch gelungener Wiederaufbau», sagt er.
Zunächst aber die schlimmen Nachrichten: 2007 sprengten sich in Afghanistan rund 160 Selbstmordattentäter in die Luft und auch in diesem Jahr reißt die blutige Serie nicht ab. Zum Vergleich: 2003 waren es nur zwei. Im Vorjahr starben 8000 Menschen in Afghanistan eines gewaltsamen Todes - doppelt so viele wie 2006. Schlechte Botschaft auch von der «Drogenfront»: Noch immer ist kein wirksames Mittel gegen den lukrativen Schlafmohnanbau gefunden. Afghanistan deckt mehr als 90 Prozent der Weltmarktnachfrage für Opium ab, dem Grundstoff für Heroin. Und das alles vor dem Hintergrund eines deutlich aufgestockten ISAF-Kontingents mit jetzt 52 000 Soldaten aus 40 Staaten. Tendenz steigend.
Bei flirrender Hitze auf staubiger Straße
Aber es gibt auch die Fortschritte beim Wiederaufbau des von jahrzehntelangen Kriegen und Bürgerkriegen geschundenen Landes, und genau diese wollte Steinmeier in Herat sehen und auch nach Deutschland vermitteln. In einer gepanzerten Wagenkolonne rauscht er bei flirrender Hitze von mehr als 35 Grad im Schatten über staubige Straßen, vorbei an ausgedörrten Feldern und salutierenden Verkehrspolizisten. Im Zentrum von Herat säumen Melonenhändler und Teeverkäufer den Wegesrand, tiefverschleierte Frauen zerren kleine, widerspenstige Kinder hinter sich her. Steinmeier übergibt eine Trinkwasseranlage, die Deutschland mit acht Millionen Euro aufgebaut hat. Eine Erfolgsgeschichte. Die Menschen in Herat wissen frisches und sauberes Trinkwasser zu schätzen: 99 Prozent der angeschlossenen Haushalte zahlen Gebühren. «Wir zahlen lieber wenig Geld für sauberes Wasser, als viel Geld für einen Arzt wegen Krankheiten durch verschmutztes Wasser», beschreibt der Mitarbeiter des Deutschen Entwicklungsdienstes, Heiner Toenne, die Reaktion einer Einwohnerin. Steinmeier nimmt eine Wasserpumpe in Betrieb, stellt sich vor einen 25 Meter hohen Wasserturm und braust dann weiter zur historischen Zitadelle Herats, deren Ursprung auf das Jahr 500 vor Christi Geburt zurückgehen sollen.
Diskussion mit afghanischen Studenten
Deutschland bemüht sich gemeinsam mit der Aga-Khan-Stiftung um den Erhalt der Zitadelle und des Altstadtkerns von Herat. Dieses Engagement soll auch den Respekt vor der afghanischen Kultur zeigen. «Der Mensch lebt nicht Wasser und Brot allein», begründet Steinmeier die Förderung. «Jeder Mensch hat auch ein Bedürfnis, seine eigenen Wurzeln und seine Identität zu kennen.» Es ist schwer, der deutschen Bevölkerung die Fortschritte des Wiederaufbaus in Afghanistan nur mit nüchternen Worten im Bundestag oder in dürren Pressemitteilungen aus dem Auswärtigen Amt zu vermitteln. Das ist aber notwendig, denn die Skepsis ist groß gegen den Einsatz am Hindukusch.Der Gast aus Deutschland spricht in einer Diskussion mit afghanischen Studenten von dem noch immer langen Weg Afghanistans hin zu Frieden und Wohlstand und der notwendigen weiteren internationalen Hilfe. Aber er lässt keinen Zweifel daran, dass die Truppenpräsenz nur vorübergehend sein soll. Die Soldaten seien keine «Besatzer». «Das einzige Interesse, dass wir haben, ist, dass Afghanistan möglichst bald in der Lage ist, seine Probleme wieder alleine zu regeln.» (Helmut Reuter, dpa)