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Zynische Rituale: 

Hisbollah und Hamas feiern ihre Attentäter

16. Jul 2008 16:19
Die Fotos zeigen eine palästinensische Attentäterin
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«Israel vergießt Tränen des Schmerzes, der Libanon vergießt Freudentränen» lautet die hämische Botschaft, mit der die freigelassenen Kämpfer im Libanon begrüßt werden. Die Hamas im Gazastreifen kündigte an, zukünftig ebenfalls mit Israel Gefangene tauschen zu wollen.

Während die Menschen in Israel den nun bestätigten Tod zweier lang vermisster Soldaten betrauern, wurde der Gefangenaustausch im Libanon und im Gaza-Streifen von Jubelfeiern begleitet. Hisbollah-Anhänger im Libanon und im Gazastreifen feierten die Aktion als ihren Triumph.

Hunderte Anhänger der schiitischen Miliz warteten an der Grenze auf die Ankunft der Hisbollah-Kämpfer, die gelben Flaggen der Organisation waren überall zu sehen. In der Küstenstadt Nakura war zum Empfang ein roter Teppich ausgerollt und eine Behelfsbühne errichtet worden. Ein großes Foto zeigte eine weinende Israelin: «Israel vergießt Tränen des Schmerzes, der Libanon vergießt Freudentränen», stand auf einem Schild daneben. Der Kommandeur im Südlibanon, Scheich Nabil Kaouk, sagte, dies sei Israels «offenes Eingeständnis der Niederlage».

Offizieller Empfang für die Freigelassenen

Die insgesamt fünf Gefangenen sollten später mit einer offiziellen Regierungszeremonie in der Hauptstadt Beirut empfangen werden. Ministerpräsident Fuad Siniora hatte bereits am Dienstag angeordnet, dass Schulen und Behörden zur Feier der Rückkehr der fünf Hisbollah-Kämpfer geschlossen bleiben. Dienstagabend waren in den Schiiten-Gebieten Beiruts zahlreiche Bilder der Rückkehrer sowie libanesische und Hisbollah-Fahnen aufgehängt worden.

Der Chef der palästinensischen Hamas-Organisation im Gazastreifen, Ismail Hanija, sagte, dies sei «ein großer Tag für die arabische Nation». Er bezeichnete Samir Kantar, einen der fünf Gefangenen, die ausgetauscht werden sollen, als «Held».

Zerschmetterter Schädel

Kuntar, ein 45-jähriger libanesischer Druse, war der am längsten in israelischer Haft befindliche Araber. Er führte 1979 ein palästinensisches Terrorkommando nach Nordisrael und ist verantwortlich für den Tod zweier israelischer Polizisten sowie eines Vaters und seiner zwei kleinen Töchter.

Kuntar hatte einem vierjährigen Mädchen mit einem Gewehrkolben den Schädel zerschmettert. Für seine Taten wurde er zu fünfmal lebenslanger plus 47 Jahren Haft verurteilt. In der Haft heiratete er eine israelische Araberin, die wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation inhaftiert war. Zudem lernte Kuntar im Gefängnis Hebräisch und hat per Fernstudium bei einer israelischen Hochschule ein Soziologiestudium abgeschlossen.

Hamas setzt nun auch auf Austausch

Hanija sagte weiter, auch die Hamas werde nun auf einen Austausch setzen. «Wir sind entschlossen, einen Austausch für unsere eigenen Gefangenen durchzusetzen». Die radikal-islamische Organisation hat seit zwei Jahren den israelischen Soldaten Gilad Schalit in ihrer Gewalt und will ihn als Faustpfand für die Freilassung von mehreren hundert Gefangenen nutzen.

Dutzende Palästinenser verteilten im Gazastreifen aus Freude über die Freilassung der Hisbollah-Mitglieder Süßigkeiten und schwenkten die gelben Flaggen der Organisation.

Die Entführung der beiden Israelis bei einem grenzübergreifenden Angriff der Hisbollah hatte im Sommer 2006 den Krieg Israels gegen den Libanon ausgelöst. Das Schicksal der beiden Soldaten blieb trotz des Militäreinsatzes und hunderten Toten ungeklärt. Die Regierung in Jerusalem war zuletzt bereits vom Tod der beiden Soldaten ausgegangen, die Hisbollah hatte dies jedoch nie bestätigt. (dpa/AP)

 
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