Zugleich sterben in dem Land 118 von 1000 Kinder vor dem fünften Lebensjahr - eine der höchsten Raten der Welt. In Deutschland sind es fünf von 1000. Auch die Müttersterblichkeit bei der Geburt ist hoch - es gibt zu wenig Hebammen und Ärzte. Dennoch steht für die Versorgung der Frauen immer weniger Geld zur Verfügung: Weltweit gingen laut UNFPA die Entwicklungshilfemittel für Familienplanung von 723 Millionen US-Dollar im Jahr 1995 auf 551 Millionen 2006 zurück. «Hier tickt eine Zeitbombe», fasst Johnbosco Basso vom Marie-Stopes-Krankenhaus in der Großstadt Daressalam die drohenden Folgen für Tansania zusammen. «Wie soll das Gesundheitssystem auf das massive Bevölkerungswachstum reagieren, wenn es schon heute total überfordert ist?». Die Bevölkerungsexplosion bedroht auch die wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Trotz internationaler Hilfe leben in dem Land fast 60 Prozent der Menschen mit weniger als einem US-Dollar pro Tag.
Die ehemalige deutsche Kolonie wird so zum Paradebeispiel für den scheinbar hoffnungslosen Kampf der Vereinten Nationen gegen Armut. Die UN fordern in ihren Millenniums-Entwicklungszielen eine Kraftanstrengung, um das Elend auf der Welt zu lindern. Der Anteil der Menschen, die in extremer Armut leben, soll bis 2015 halbiert sein. Und: Die Zahl der Todesfälle unter werdenden Müttern und Kindern soll ebenfalls markant sinken. Tansania ist von diesen Zielen weit entfernt. (Jan Dirk Herbermann, epd)