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Weltbevölkerung: 

Tansania wartet auf die Bevölkerungsexplosion

10. Jul 2008 12:47
Menschen in Daressalem
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Die ehemalige deutsche Kolonie ist ein Paradebeispiel für den hoffnungslosen Kampf der UN gegen den Armutskreislauf: Die Einwohnerzahl wird 2050 doppelt so hoch sein, Familienplanung und Verhütung sind so gut wie unbekannt.

Die kleine Hütte ist brechend voll. Rund 60 Mütter, Männer und Kinder drängen sich in dem engen Raum. Sie warten auf den Beginn der Vorführung. Neben dem Verschlag rumpeln Busse und Autos in Richtung Tansanias nördlicher Metropole, Arusha. Drinnen zeigen Helfer der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ein Video. Das Thema: Familienplanung, Verhütung und Aids.

«Wir wollen helfen, die jungen Menschen in Tansania über alle Aspekte der Familienplanung aufzuklären», erklärt Peter Munene, der DSW-Direktor für Tansania. Das DSW-Team wird den Film auch am Weltbevölkerungstag am 11. Juli zeigen, der dieses Jahr unter dem Thema Familienplanung durch Verhütungsmittel steht. «Familienplanung bringt für die Gesundheit von Müttern und ihren Kindern sofortigen Nutzen», betont UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.

Jede Frau bekommt im Durchschnitt sechs Kinder

Aber: «Die Familienplanung in Tansania ist eine Katastrophe», sagt Angelika Schrettenbrunner von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Die Entwicklung des bitterarmen Landes könnte daran scheitern. Nur jede fünfte gebärfähige Frau in Tansania benützt moderne Verhütungsmittel. Kein Wunder, dass die sogenannte Fertilitätsrate in Tansania eine der höchsten weltweit ist: Jede Frau bringt im Durchschnitt fast sechs Kinder zur Welt.

Die Folge: Die Bevölkerung Tansanias wächst und wächst: Heute leben rund 40 Millionen Menschen in dem ostafrikanischen Staat. Nach Prognosen des UN-Bevölkerungsfonds UNFPA wird sich die Zahl der Tansanier bis zum Jahr 2050 auf mehr als 80 Millionen verdoppeln.

Kindersterblichkeit extrem hoch

Zugleich sterben in dem Land 118 von 1000 Kinder vor dem fünften Lebensjahr - eine der höchsten Raten der Welt. In Deutschland sind es fünf von 1000. Auch die Müttersterblichkeit bei der Geburt ist hoch - es gibt zu wenig Hebammen und Ärzte. Dennoch steht für die Versorgung der Frauen immer weniger Geld zur Verfügung: Weltweit gingen laut UNFPA die Entwicklungshilfemittel für Familienplanung von 723 Millionen US-Dollar im Jahr 1995 auf 551 Millionen 2006 zurück.

«Hier tickt eine Zeitbombe», fasst Johnbosco Basso vom Marie-Stopes-Krankenhaus in der Großstadt Daressalam die drohenden Folgen für Tansania zusammen. «Wie soll das Gesundheitssystem auf das massive Bevölkerungswachstum reagieren, wenn es schon heute total überfordert ist?». Die Bevölkerungsexplosion bedroht auch die wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Trotz internationaler Hilfe leben in dem Land fast 60 Prozent der Menschen mit weniger als einem US-Dollar pro Tag.

Die ehemalige deutsche Kolonie wird so zum Paradebeispiel für den scheinbar hoffnungslosen Kampf der Vereinten Nationen gegen Armut. Die UN fordern in ihren Millenniums-Entwicklungszielen eine Kraftanstrengung, um das Elend auf der Welt zu lindern. Der Anteil der Menschen, die in extremer Armut leben, soll bis 2015 halbiert sein. Und: Die Zahl der Todesfälle unter werdenden Müttern und Kindern soll ebenfalls markant sinken. Tansania ist von diesen Zielen weit entfernt. (Jan Dirk Herbermann, epd)

 
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