09. Jul 2008 14:38, ergänzt 15:58
Dass der designierte demokratische Bewerber auf die US-Präsidentschaft an Berlins populärstem Platz sprechen will, findet die Kanzlerin «befremdlich». Außenminister Steinmeier sieht das ganz anders.
Bereits im vergangenen Spätsommer und Herbst hatte es Spannungen zwischen Steinmeier und Merkel gegeben, nachdem die Kanzlerin das religiöse Oberhaupt der Tibeter, den Dalai Lama, im Kanzleramt empfangen hatte. Dies hatte zur Abkühlung der Beziehungen zu Peking geführt, wofür Steinmeiers Umgebung Merkel verantwortlich machte. Inzwischen haben sich die deutsch-chinesischen Beziehungen wieder normalisiert.Obama, der derzeit nach Umfragen gute Chancen hat, den Wahlkampf um das Weiße Haus gegen den Republikaner John McCain für sich zu entscheiden, will nach Senatsangaben am 24. Juli nach Berlin kommen. Eine Delegation bereitet gerade den Besuch vor. Wowereit hatte erklärt, Berlin stehe auch McCain offen.
Anders als Merkel hat Außenminister Steinmeier keine Probleme mit einem Obama-Auftritt im Herzen der Hauptstadt. Er würde dies nicht mit Befremden aufnehmen, erklärte sein Sprecher Jens Plötner. Das historische Denkmal gilt als Symbol für die Teilung Europas im Kalten Krieg und ihre Überwindung. Plötner und Steg bemühten sich aber auch, die Wogen zu glätten. Für beide Politiker gehe es am 24. Juli vor allem darum, Obama bei persönlichen Gesprächen näher kennenzulernen. Nach wie vor gibt es nach Stegs Angaben aber keinen Antrag von Obamas Wahlkampfteam für den Auftritt. Medien berichteten jedoch bereits aus Washington, Obama beabsichtige, in einer Rede in Berlin seinen außenpolitischen Kurs deutlich zu machen. Er hoffe, sich mit der Rede in die Reihe der amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy und Ronald Reagan stellen zu können, die 1963 und und 1987 in Berlin weltweit beachtete Reden gehalten hatten, hieß es in der britischen Zeitung «Independent».
Wowereit machte über Senatssprecher Richard Meng deutlich, dass einzig Berlin und nicht der Bund über die Genehmigung eines Auftritts entscheide. «Wenn es logistisch und sicherheitstechnisch möglich ist, freuen wir uns auch über eine Rede am Brandenburger Tor», sagte Meng. Es sei «kein nationales Heiligtum». Steg erklärte, Merkel habe nicht die Absicht mit Wowereit über den Obama-Auftritt zu reden.