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G8-Gipfel in Japan: 

Die Junior-Einmischer

08. Jul 2008 09:19
Das J8-Team lernte auch die japanische Trommelkunst kennen.
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Beim J8-Gipfel in Japan sollen Jugendliche ihre politischen Interessen öffentlich machen. Maike Schultz berichtet über den Versuch, die G8-Staatschefs zum Zuhören zu motivieren.

Nicht nur Bundeskanzlerin Angela Merkel vertritt Deutschland diesen Juli beim G8-Gipfel. Auch vier Teenager sind den weiten Weg ins japanische Chitose (Insel Hokkaido) gereist: Alexander Wegner aus dem brandenburgischen Rathenow sowie die Kölnerinnen Jasmin Astaki-Bardeh, Julika Prantner-Weber und Nora Zech.

Sie stellen das deutsche Team bei den Junior8 (J8), einer parallel zum offiziellen Gipfel stattfindenden Konferenz unter dem Motto «Du bist der Gipfel». Das seit 2005 jährlich von Unicef und der Morgan Stanley Stiftung organisierte J8-Treffen soll den internationalen Austausch von 14- bis 17-jährigen Jugendlichen fördern und ihnen Gehör verschaffen, wenn die Staatschefs der größten Industrienationen USA, Deutschland, Japan, Großbritannien, Kanada, Frankreich, Italien und Russland zusammentreffen.

Stromlos für den Klimaschutz

Mit Kreativität und ihrem politischen Engagement überzeugten die vier ausgewählten Teenies die Jury, zu der auch die ARD-Journalistin Monica Lierhaus und Jörg Maywald von der National Coalition zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention gehörten, und setzten sich gegen 20 weitere Bewerber durch. Die Kölner Mädchen hatten für ihre Bewerbung das Thema Umweltschutz gewählt und dafür einen ganzen Tag ohne Strom gelebt.

Zur Ausarbeitung ihrer Ideen haben sie und die 35 weiteren J8-Teilnehmer – je vier aus den G8-Staaten und je ein Jugendlicher aus den Entwicklungsländern Barbados, Elfenbeinküste, Irak, Kirgisien, Mongolei, Nepal und Südafrika – sich schon Monate im Voraus in Workshops mit den G8-Themen Armut, Klimawandel und Gesundheit beschäftigt und über das Internet ausgetauscht.

Forderung von «grünen Kriterien»

Um sich auf öffentliche Diskussionsrunden vorzubereiten, diskutierten sie ihre Thesen probeweise mit Teilnehmern des Wettbewerbs «Jugend debattiert» und erhielten ein Medientraining. Kurz vor der Abreise fuhren die vier deutschen J8-Teilnehmer außerdem ins japanische Konsulat nach Düsseldorf, wo ihnen die Grundlagen der japanischen Kultur erklärt wurden.

Im fernen Osten angekommen, feilten sie weiter an ihren Lösungsvorschlägen. Zu den endgültigen Forderungen in der «Erklärung von Chitose» gehört zum Beispiel die Einrichtung einer internationalen Organisation, die Konsumprodukte auf Grundlage von «grünen Kriterien» wie Energieeffizienz, Verpackung oder Inhaltsstoffen bewertet und das Ergebnis mit einem entsprechenden Hinweis für Kunden sichtbar macht.

«Wir sind die Zukunft»

Nach einer Woche Arbeit im Unicef-Camp hatten diesen Montag neun J8-Delegierte Gelegenheit, ihre Ideen bei einem Treffen mit den G8-Regierungschefs und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso persönlich vorzutragen. Für die Deutschen fuhr die per Losverfahren ausgesuchte Nora Zech zu dem Treffen nach Toyako.

«Unser Ziel ist es, die Politiker zum Nachdenken und Handeln zu bewegen und sie an ihre Versprechen vergangener Gipfel zu erinnern», sagte sie. «Unsere Generation ist direkt von den Auswirkungen der politischen Entscheidungen von heute betroffen. Darum wollen wir unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen und schon jetzt an politischen Prozessen beteiligt werden.»

Nur 15 Minuten Zeit

Die 16-Jährige wollte sich bei dem Gespräch vor allem für internationale Investitionen in erneuerbare Energien einsetzen. Zunächst war sie enttäuscht, dass nur 15 Minuten Zeit für das Gespräch vorgesehen waren und so keine tiefgehende Diskussion in Gang kommen konnte: «Aber immerhin hat die Bundeskanzlerin zusagt, dass wir uns als ganzes deutsches J8-Team nach dem Gipfel in Deutschland noch mal mit ihr treffen und über unsere Ideen und Vorschläge sprechen können.»

Unicef-Sprecherin Ninja Klein begleitet die deutsche J8-Delegation auf ihrer Reise. Sie macht sich keine Sorgen, dass ihre Schützlinge nicht ernst genommen werden könnten: «Die Politiker reagieren sehr gut auf die Jugendlichen», meint sie. «Letztes Jahr in Heiligendamm konnte das deutsche Team sogar durchsetzen, dass neben den vorgesehenen acht Jugendlichen zum ersten Mal auch jemand aus einem Entwicklungsland zu dem Treffen kommen konnte.»

Deutscher Einsatz für Entwicklungsländer

Da der Junge Isaya aus Tansania beim G8-Gipfel nicht «seinen» Regierungschef treffen konnte, sei er mit Barroso gekommen. Als Konsequenz dieser Erfahrung sei für dieses Jahr von vornherein geplant worden, mit neun Jugendlichen zu dem Treffen mit den Staats- und Regierungschefs zu fahren.

Solche schönen Geschichten werfen wieder ein gutes Licht auf die Unicef-Organisation, die zuletzt vor allem negative Schlagzeilen einstecken musste: Seitdem die Vorwürfe um üppige Honorare an Externe öffentlich diskutiert werden, hat das Kinderhilfswerk laut «Welt» rund 38.000 seiner 203 000 Fördermitglieder verloren. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen entzog Unicef wegen «gravierender Leitungs-, Aufsichts- und Managementfehler» und «unzureichenden Auskunftsverhaltens» bis 2010 das Spendensiegel.

J8-Betreuerin Klein schaut trotzdem positiv in die Zukunft. «Ziel des Junior8-Prozesses ist es, Kindern und Jugendlichen aus allen Regionen der Welt eine Stimme auf einem der wichtigsten Foren der internationalen Politik zu geben. Nur darum geht es hier.»

Video: David Beckham ruft zum J8-Gipfel auf (engl.)


 
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