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G8- Protestler bringen sich in Stellung: 

«Das übliche Geschubse mit der Polizei»

06. Jul 2008 16:25
Demo in Sapporo
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Die ersten Anti-G8-Demos haben stattgefunden - bislang mit geringer Beteiligung. Auch wenn das so bleibt, könnte die Polizei gefährliche Situationen schaffen. Sie ist für solche Anlässe nicht ausreichend trainiert.

Die Ankunft der Staats- und Regierungschefs zum G-8-Gipfel in Japan wurde am Sonntag von kleineren Demonstrationen begleitet. «Nieder mit dem Imperialismus» hieß es auf einem großen Transparent, das die Demonstranten am Sonntag durch Sapporo trugen. Zu den beiden Kundgebungen am Vor- und Nachmittag erschienen mehrere hundert Globalisierungsgegner. Sie forderten eine Auflösung der G-8. Außerdem riefen sie die Staats- und Regierungschefs auf, wirksame Maßnahmen zum Klimaschutz sowie zum Kampf gegen Armut und Diskriminierung zu ergreifen.

Der Tagungsort am Toya-See auf der Insel Hokkaido ist großräumig abgeriegelt. Die G-8-Kritiker versammelten sich daher im 100 Kilometer nördlich gelegenen Sapporo. Die Regierung bot insgesamt 20.000 Polizisten auf, um für Sicherheit zu sorgen.

Nach Einschätzung von Globalisierungskritikern werden die Proteste auch in den nächsten Tagen deutlich kleiner und weniger gewalttätig ausfallen als vor einem Jahr in Heiligendamm und Rostock. Mehr als 5.000 Menschen würden zu den Protesten nicht kommen, sagte Attac-Aktivistin Sabine Zimpel. «Das wird also eine kleinere Nummer als das, was wir aus Gleneagles oder Heiligendamm kennen.»

Nur wenige Demonstranten aus Europa erwartet

Vor einem Jahr hatten beim G-8-Gipfel in Deutschland Zehntausende Menschen tagelang gegen das Treffen der acht mächtigsten Staats- und Regierungschefs protestiert. Dabei war es auch zu zahlreichen Ausschreitungen gekommen, bei denen Hunderte Polizisten und Demonstranten verletzt wurden. Auch im schottischen Gleneagles war es vor drei Jahren beim Treffen der reichsten Industrienationen zu Ausschreitungen gekommen.

Aus Europa, den USA oder Australien würden wegen der hohen Reisekosten nur wenige Demonstranten anreisen, meinte Zimpel, die mit einer kleinen Delegation ihrer Organisation vor Ort ist. Der Gipfel vom Montag bis Mittwoch habe nicht den hohen Stellenwert wie ein Gipfel in Europa. «Von der japanischen Regierung kommen auch nicht die Impulse, wirklich etwas zu verändern», erklärte Zimpel.

Demonstranten auf Vulkanfeldern

Zimpel rechnet in Japan auch nicht mit größeren gewalttätigen Auseinandersetzungen. «Ich erwarte das übliche G-8-Geschubse, aber in einem kleinen Rahmen», sagte die 37-Jährige. «Das einzige, was mir Sorge macht, ist, dass die japanische Polizei für solche Veranstaltungen nicht so geschult ist wie unsere.» Darüber hinaus werde der Verkehr während Demos nicht gestoppt, so dass diese auf Bürgersteigen stattfinden müssten. «Also wird uns die Polizei immer drängen weiterzugehen. Daraus könnte sich ein größeres Geschubse entwickeln», erklärte sie.

Trotz der Abgeschiedenheit des G-8-Gipfelorts und geplanter Straßensperrungen erwartet sie auch in unmittelbarer Nähe des Tagungsorts Proteste. «Ich kann mir vorstellen, dass man anstatt über Weizenfelder wie in Heiligendamm über Felder aus Vulkangestein läuft», sagte sie. Das Luxushotel «Windsor», in dem getagt wird, liegt wie eine Festung am Kratersee eines erloschenen Vulkans, dem Toya-See. Darüber hinaus liegt die dünn besiedelte Insel abseits aller Verkehrsströme.

Alternativgipfel mit 50 Organisationen

Geplant seien unterschiedliche Protestformen, unter anderem auch wieder Sitzblockaden. Eine Initiative hat bereits angekündigt, die Zufahrstraßen während des Gipfels unter dem Motto «Blocking G-8» direkt am Toya-See mit Sitzblockaden dichtmachen zu wollen. Ein Höhepunkt soll der Alternativgipfel von heutigen Sonntag bis Dienstag werden. An ihm nehmen rund 50 Organisationen teil. Themen werden unter anderem Klima, Finanzmärkte und Lebensmittelkrise sein.

Sie glaube nicht, dass es seitens der japanischen Sicherheitsorgane Repressionen gegen Europäer geben könnte, sagte Zimpel. «Angst, plötzlich mehrere Wochen im Gefängnis zu sitzen, haben wir nicht.»

Kritik übte Zimpel an Nichtregierungsorganisationen, die sich bereits über ein paar Dollar mehr Entwicklungshilfe freuten. Attac werde dagegen laut sagen, dass die Milleniumsziele nicht mehr zu erreichen seien. Die Zahl der Hungernden sei von 850 Millionen im Jahr 2000 mittlerweile sogar um 100 Millionen auf 950 Millionen gestiegen. Eigentlich sollte die Zahl bis 2015 auf rund 400 Millionen halbiert werden. (AP)

 
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